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Süßwarenindustrie: verzeichnet leichtes Wachstum in 2016

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Bonn. (bdsi) Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) blickt für die Branche mit ihren Genuss-bringenden Produkten im Jahr 2016 auf eine positive Entwicklung bei Absatz und Umsatz zurück. Die Produktionsmenge lag leicht über Vorjahresniveau (plus 0,5 Prozent), der Umsatz stieg um 3,5 Prozent.

Doch ein harter Konkurrenzdruck im nationalen Wettbewerb, Unsicherheiten im internationalen Wettbewerb, immer mehr staatliche Regulierung und weiterhin hohe Rohstoffkosten belasteten die Ertragslage vieler der über 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel.

Auf besonders hohem Niveau lagen im Jahr 2016 die Preise bei Kakaobutter. In der zweiten Jahreshälfte 2016 stiegen zudem die Preise für Butter, Vollmilchpulver und Zucker deutlich an. Auch die Preise für Kakaobohnen lagen merklich über dem langjährigen Preisniveau. Ein Grund für diese Entwicklung war die anhaltend hohe Nachfrage, vor allem in Asien.

Wettbewerbsfähigkeit durch gute politische Rahmenbedingungen stärken

Die Süßwarenindustrie ist in allen Regionen Deutschlands ein bedeutender und stabiler Arbeitgeber und leistet einen wichtigen Beitrag für Wohlstand und Beschäftigung. Die Branche steht jedoch vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Trotz der insgesamt guten wirtschaftlichen Lage ist die Ertragslage in den Betrieben seit Jahren angespannt. Der BDSI tritt daher dafür ein, alle Politikbereiche und Gesetzesvorhaben hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu prüfen. Im Fokus sollten dabei eine erhöhte Planungssicherheit und ein Abbau von Bürokratie sein. «Diese Forderungen nach guten Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft gilt es nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene umzusetzen. Einheitliche EU-Regelungen sind unabdingbar, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken», sagt Bastian Fassin, Präsidiumsmitglied im BDSI und Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwarenmesse (AISM).

So müssen zum Beispiel die Rahmenbedingungen für den Export verbessert werden, in dem die Exportabwicklung vereinfacht und der Marktzugang für Süßwaren weltweit durch Handels- und Präferenzabkommen mit praxisnahen Ursprungsregelungen erleichtert wird.

Derzeit handeln sowohl die deutsche als auch die europäische Politik leider in die entgegengesetzte Richtung. Dem Schutz der landwirtschaftlichen Rohstoffe wird oberste Priorität eingeräumt. Die Förderung der Exporte hoch veredelter Erzeugnisse wie Süßwaren mit einer hohen Wertschöpfung und der Sicherung von vielen Arbeitsplätzen in Deutschland und Europa steht dahinter zurück. Dies zeigte zuletzt auch das CETA-Abkommen mit Kanada, das neben den wünschenswerten Zollerleichterungen einen erheblichen administrativen und finanziellen Mehraufwand für die exportierenden Süßwarenhersteller mit sich bringen wird.

Konjunkturentwicklung der Süßwarenindustrie 2016

Nach Schätzungen des BDSI konnten die über 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel im Jahr 2016 eine leichte Steigerung ihrer Produktion in der Menge um 0,5 Prozent auf rund 4,0 Millionen Tonnen erzielen. Wertmäßig stieg die Produktion um etwa 3,5 Prozent auf rund 12,28 Milliarden Euro. Den Schätzungen des BDSI liegen die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zugrunde.

Das Inlandsangebot (= Produktion + Einfuhr – Ausfuhr) legte im Jahr 2016 mengenmäßig um etwa 1,2 Prozent auf knapp 2,70 Millionen Tonnen zu, während der Inlandsumsatz im gleichen Zeitraum um schätzungsweise 1,7 Prozent auf rund 8,05 Milliarden Euro stieg. Das Inlandsangebot wird ohne Halberzeugnisse und Rohmassen errechnet (Quelle: Nielsen Market Track FY 2016; Market: Total Germany exclusive Gas Stations).

In Deutschland hergestellt – in aller Welt beliebt

Das Exportgeschäft mit Süßwaren und Knabberartikeln entwickelte sich 2016 in der Menge und im Umsatz positiv. Insgesamt wurden schätzungsweise 2,05 Millionen Tonnen Süßwaren und Knabberartikel exportiert. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Mengenzuwachs von 2,6 Prozent. Der Exportumsatz stieg im Jahr 2016 um 6,2 Prozent und lag bei rund 7,99 Milliarden Euro.

Die deutsche Süßwarenindustrie ist seit über 40 Jahren in Folge Exportweltmeister. Mit einem Exportanteil in der Menge von rund 50 Prozent (Vorjahr: 49 Prozent) geht jede zweite Tonne deutscher Süßwaren in den Export. Rund 80 Prozent aller Süßwarenausfuhren werden in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union geliefert.

Sorge bereitet den Herstellern die zunehmende Unsicherheit in dem für die Branche so wichtigen Exportgeschäft. Das Geschäft mit Großbritannien ist durch den Brexit mit großen Unsicherheiten behaftet. Rund fünf Prozent der in Deutschland produzierten Süßwaren mit einem Exportumsatz von rund 770 Millionen Euro wurden 2016 in das Vereinigte Königreich exportiert. In den USA, dem für die deutsche Süßwarenindustrie wichtigsten Drittlandsmarkt, ist eine Tendenz zum Protektionismus der heimischen Unternehmen festzustellen. Die Branche erwartet zudem, dass die Herausforderungen für die exportierenden Unternehmen durch bürokratische Hemmnisse und starke Währungsschwankungen im Jahr 2017 weiter zunehmen werden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Süßwaren, Knabberartikeln und Markeneis lag im Jahr 2016 schätzungsweise bei 32,71 Kilogramm im Wert von 97,90 Euro. Damit blieb er im Zehnjahresvergleich in der Menge weitgehend stabil (2006: 31,96 Kilo). Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr statistisch 670 Kilo Lebensmittel (ohne Getränke). Der Anteil an Süßwaren beträgt weniger als 5 Prozent.

Beschäftigtenzahl: Die deutsche Süßwarenindustrie beschäftigte als viertgrößte Branche in der Ernährungsindustrie im Jahr 2016 stabil rund 50.000 Mitarbeiter.

Ausblick auf 2017: Süßwarenindustrie verhalten zuversichtlich

Die Süßwarenbranche sieht im Jahr 2017 Chancen, aber auch Herausforderungen. Positiv bewertet die Branche die Beschäftigungssituation und die insgesamt gute Konsumstimmung in Deutschland. Die größten Herausforderungen stellen für die Hersteller weiterhin die volatile Situation auf wichtigen Rohstoffmärkten, die starke Handelskonzentration und weiter zunehmende bürokratische Anforderungen für die Unternehmen dar. Sorge bereitet der Branche aber auch die zunehmende Unsicherheit im wichtigen Exportgeschäft. Die deutsche Süßwarenindustrie zeigt sich daher zu Jahresbeginn nur gedämpft optimistisch.

Trends 2017: Leckere Produkte für die kleinen Freuden im Alltag

Die in Deutschland produzierten Süßwaren und Knabberartikel sind weltweit beliebt bei Jung und Alt, bei Männern und Frauen – für die kleinen Freuden im Alltag. Die deutsche Süßwarenindustrie gehört zu den besonders innovativen Branchen und wird auch in diesem Jahr eine große Vielzahl von Produktneuheiten auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln vorstellen.

Zu den Trends im Süßwarenmarkt zählt die Neuentdeckung der so genannten Klassiker, also seit vielen Jahren oder Jahrzehnten bestehenden Traditionsprodukten, häufig hergestellt nach Originalrezepturen.

Auch das Spiel mit Gegensätzen liegt im Trend: Kombinationen von süß/salzig oder süß/sauer erfreuen sich ebenso wie Kombinationen verschiedener Produkte wie z.B. Schokolade und Keks oder Speiseeis und Kuchenstückchen zunehmender Beliebtheit.

Passgenaue Produkte für individuelle Verbraucherbedürfnisse bleiben im Süßwarenmarkt wichtig. Hierzu gehören zuckerfreie / zuckerreduzierte und/oder fettreduzierte oder Halal-Süßwaren, sowie Produkte, die für vegetarische und/oder vegane Ernährung geeignet sind. Die Verbraucher finden somit ein sehr breites Angebot an unterschiedlichsten Produkten, so dass sie ihre Ernährung nach ihren individuellen Wünschen gestalten können. Bei allen Bemühungen um neue Rezepturen gilt aber auch weiterhin, dass letztendlich die Verbraucher entscheiden, denn sie werden nur das kaufen, was ihnen auch schmeckt.

Eine große Vielzahl von Süßwaren und Knabberartikeln ist in verschiedensten Portionsgrößen erhältlich. Im Trend liegen 2017 vor allem kleinstückige Verpackungen, einzeln verpackte Produkte für den Genuss unterwegs, aber auch wiederverschließbare Verpackungen. Personalisierte Produkte erfreuen sich immer größerer Verbraucherbeliebtheit.

Der Einsatz nachhaltig erzeugter Rohstoffe in Süßwaren und Knabberartikeln wird von der Branche intensiv vorangetrieben und wird auch künftig nicht an Bedeutung verlieren.

Unterschiedliche Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen

Schokoladewaren:

Die mengenmäßige Produktion von Schokoladewaren entwickelte sich nach Schätzungen des BDSI im Jahr 2016 positiv. Insgesamt wurden in Deutschland etwa 1,1 Millionen Tonnen Schokoladewaren produziert. Dies entspricht einem Mengenzuwachs von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Wert stieg die Produktion um etwa 3,8 Prozent auf insgesamt 5,42 Milliarden Euro. Deutlich zulegen konnte 2016 der Export von Schokoladewaren. Im Vergleich zu 2015 wurden in der Menge 6,9 Prozent mehr in Deutschland hergestellte Schokoladewaren exportiert. Der Wert der Exporte von Schokoladewaren stieg um etwa 8,3 Prozent. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokoladewaren betrug 2016 schätzungsweise 9,74 Kilo.

Feine Backwaren:

Die Hersteller von Feinen Backwaren verzeichneten 2016 ein leichtes Wachstum. In der Menge stieg die Produktion von Feinen Backwaren auf Basis der Schätzungen des BDSI um 0,9 Prozent. Insgesamt wurden etwa 721.000 Tonnen Feine Backwaren produziert. Im Wert konnte die Produktion einen Zuwachs um 1,0 Prozent auf etwa 2,06 Milliarden Euro verbuchen. Das Saisongeschäft mit Herbst- und Weihnachtsgebäck verlief trotz des schwierigen Starts durch die sommerlichen Temperaturen im September 2016 insgesamt zufriedenstellend. Die Entwicklung der Exporte war 2016 bei den Feinen Backwaren mit einer Zuwachsrate von 1,1 Prozent in der Menge und 2,9 Prozent im Wert ebenfalls leicht positiv. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Feinen Backwaren lag im Jahr 2016 bei schätzungsweise 7,32 Kilo.

Bonbons und Zuckerwaren:

Die Hersteller von Bonbons und Zuckerwaren verzeichneten 2016 eine positive Entwicklung. Die mengenmäßige Produktion stieg im Vergleich zu 2015 um schätzungsweise 2,9 Prozent auf 584.000 t. Im Wert stieg die Produktion von Zuckerwaren um 3,2 Prozent auf etwa 1,57 Milliarden Euro. Die Entwicklung der Exporte war 2016 bei den Bonbons und Zuckerwaren mit einer Zuwachsrate von 1,9 Prozent in der Menge und 5,5 Prozent im Wert positiv. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zuckerwaren lag im Jahr 2016 bei schätzungsweise 5,78 Kilo.

Knabberartikel:

Die Hersteller von Knabberartikeln konnten die positive Entwicklung der Vorjahre fortsetzen. Die Produktionsmenge stieg nach Schätzungen des BDSI um 2,0 Prozent auf rund 301.000 t. Im Wert konnte die Produktion ein Wachstum von 2,9 Prozent auf etwa 1,04 Milliarden Euro verzeichnen. Die Kategorie der Salzigen Snacks gilt im deutschen Markt bereits seit Jahren als starkes Wachstumssegment innerhalb der Süßwarenbranche. Von den großen Sportereignissen im Jahr 2016 (Fußballeuropameisterschaft und Olympische Sommerspiele) erhielten die Hersteller von Knabberartikeln zusätzliche Impulse. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Knabberartikeln betrug 2016 schätzungsweise 4,28 Kilo.

Kaugummi:

Kaugummi erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei den Deutschen: Mit einer Steigerung des Verkaufsvolumens um 1,6 Prozent im Jahr 2016 wurde an den Erfolg der vergangenen Jahre angeknüpft. Insbesondere zuckerfreie Kaugummis entwickelten sich mit einer Absatzsteigerung von nunmehr 4,0 Prozent positiv. Das Absatzvolumen zuckerhaltiger Kaugummis ist mit 12,5 Prozent rückläufig. Das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi für die tägliche Zahnpflege ist nun auch eine von sieben Basisempfehlungen der ersten wissenschaftlichen Leitlinie zur Kariesprophylaxe, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) veröffentlicht wurde (Foto: pixabay.com).