Brot + Gebäck: Ukraine fördert Billigprodukte
Freitag, 2009-09-22 [03:03 Uhr] -- Markt + Unternehmen

Kiew / UA. (gtai) Bei einer insgesamt entspannten Versorgungslage bei Getreide verlegen sich in der Ukraine die Hersteller von Brot sowie anderer Back- und Teigwaren vermehrt auf Angebote im Niedrigpreissegment. Die Regierung unter Yuliya Tymoshenko unterstützt diesen Trend; sie hat die staatlich administrierten höchstzulässigen Gewinnmargen für das so genannte Sozialbrot nach oben revidiert. Dies ist als Anreiz für die Brotfabriken gedacht, sich stärker mit der Herstellung billiger Sorten zu befassen. Damit soll der aktuellen Krise Rechnung getragen werden - berichtet Germany Trade and Invest.

Die Versorgungssituation bei Getreide ist entspannt
Die Versorgungssituation bei Getreide war in der Ukraine Mitte 2009 entspannt. Die Vorräte wurden für den 01. Juli auf 8,4 Millionen Tonnen geschätzt und damit auf eine um 26 Prozent größere Menge als vor Jahresfrist. Zugleich lagen die Getreidepreise auf dem ukrainischen Binnenmarkt um etwa ein Drittel niedriger als Mitte 2008. Nach der Rekordernte 2008 mit 53,3 Millionen Tonnen Getreide ist für 2009 laut einer Schätzung des Landwirtschaftsministeriums von Anfang Juni 2009 mit einem Ernteertrag von 42 Millionen bis 43 Millionen Tonnen zu rechnen. Neueste Schätzungen der Getreideernte in der Ukraine, vorgenommen in der zweiten Augusthälfte von führenden im Getreidehandel tätigen Firmen, liegen zwischen 37 Millionen und 38 Millionen Tonnen. Der durchschnittliche Hektarertrag im Getreideanbau werde im laufenden Jahr nur rund 27 Doppelzentner je Hektar betragen und damit deutlich niedriger liegen als 2008. Damals war ein Durchschnittsertrag von 34,6 Doppelzentner je Hektar erreicht worden.

Ukrainische Agrarexperten nehmen an, dass das Getreideaufkommen im Vermarktungsjahr 2009/2010 unter Hinzurechnung nicht verbrauchter Vorräte des Jahres 2008/2009 insgesamt 45 Millionen bis 47 Millionen Tonnen betragen wird. Was die ukrainischen Getreideausfuhren betrifft, so erwartet das Landwirtschaftsministerium nach dem Rekordvolumen des Marketingjahrs 2008/2009 (24,7 Millionen Tonnen) für 2009/2010 Ausfuhren im Umfang von mindestens 17 Millionen Tonnen. Das U.S. Department of Agriculture hält demgegenüber Ausfuhren von zwölf Millionen bis 13 Millionen Tonnen für wahrscheinlich.

Abwertung der Landeswährung fördert den Getreideexport
Starke Anreize für den Export von Weizen und sonstigem Getreide bestehen Experten zufolge vor allem infolge der Abwertung der Landeswährung Griwna (Hryvni  UAH), der verhältnismäßig niedrigen ukrainischen Binnenpreise für Getreide und der derzeit sehr günstigen Seefrachtraten. Hinzu kommt, dass es die Exportbeschränkungen für Getreide, wie sie im in der Vermarktungsperiode 2007/2008 von der damaligen Regierung durchgesetzt worden waren, nicht mehr gibt. Auch haben sich die inländischen Verarbeiter von Getreide lange Zeit mit Käufen zurückgehalten, da sie mit dem Fortgang der Ernte auf ein weiteres Abbröckeln der Getreidepreise hoffen.

Einer Verstärkung des Exporttrends kommt außerdem zu Gute, dass im Unterschied zu den Verhältnissen in Russland und Kasachstan in den ukrainischen Verschiffungshäfen kaum mit größeren Engpässen bei der Verladung von Getreide zu rechnen ist. Führende ukrainische Getreidegroßhändler und -exporteure sind die Firmen Nibulon, Zerna, Louis Dreyfus Commodities Ukraine, Bunge Ukraine, Alfred C. Toepfer International Ukraine (Archer Daniels Midland Gruppe) und die Kernel Group.

Weizen wird nach neuem Standard vermarktet
Erleichterungen gehen zudem von einem neuen Standard für Weizen aus, da der alte Standard einer Reihe von internationalen Anforderungen nicht genügte, so dass Ausfuhrhemmnisse bestanden. Der neue Standard gilt mit Wirkung von Juli 2009 und wurde zunächst probeweise eingeführt. Nach Ablauf eines Jahrs soll über ihn abschließend entschieden werden. Nach dem früheren, jetzt abgelösten Staatlichen Standard der Ukraine wurde Weizen in Abhängigkeit vom Eiweißgehalt in Klassen eingeteilt. Laut einer Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums hatte der alte Standard den Nachteil, dass er nicht für eine klare Einteilung des Getreides in Brotweizen (Backweizen) einerseits und Futterweizen andererseits taugte.

Nach dem neuen Standard wird Weichweizen in zwei Gütekategorien und in insgesamt sechs Klassen eingeteilt: in die Gruppen A (mit den Klassen 1 bis 3) und B (mit den Klassen 4 und 5) sowie in eine Klasse 6. Bei Weichweizen der Gruppe A handelt es sich in der Regel um Brotweizen, bei Weichweizen der Gruppe B um Futterweizen. Weizen der Klasse 6 ist durchweg nur für Futterzwecke geeignet. Hartweizen teilt sich in fünf Klassen auf. Weizen dieser hochwertigen Sorte wird in der Ukraine aber so gut wie nicht angebaut.

Regierung fördert Preissenkungen auf dem Brotmarkt
Gute Nachrichten für die lokalen Brotproduzenten hatte Mitte Juni 2009 das Wirtschaftsministerium zu melden: Die höchstzulässige Rentabilitätsmarge für die Herstellung von «Sozialbrot» niedriger Preisklassen wurde mit sofortiger Wirkung auf zehn bis zwölf Prozent brutto erhöht. Zwar galt schon bisher eine Höchstmarge von zehn Prozent. Die Verwaltungen der einzelnen regionalen Gebietskörperschaften, der Hauptstadt Kiew und der Stadt Sevastopol auf der Halbinsel Krim waren jedoch befugt, für ihre jeweiligen Gebietseinheiten niedrigere Sätze festzulegen. So kam es, dass vielerorts mit fünf oder gar drei Prozent deutlich niedrigere Rentabilitätsmargen galten. Dieses Recht hat die Regierung unter Premierministerin Yuliya Tymoshenko den nachgeordneten Gebietskörperschaften nunmehr entzogen.

Ukrainische Branchenfachleute erhoffen sich von den höheren Rentabilitätsmargen Preissenkungen auf dem Brotmarkt oder wenigstens eine Dämpfung der derzeit zu beobachtenden Preissteigerungen. Ihre Begründung: Kann «Sozialbrot» auskömmlicher hergestellt werden, so würde das Überwechseln weiterer Brotbäckereien und Brotfabriken in die Herstellung teurerer, nicht als «Sozialbrot» geltender Brotsorten möglicherweise unterbleiben. Das Sozialbrot-Segment würde nicht, wie zuletzt geschehen, immer weiter schrumpfen.

Teigwarenpreise ergeben sich durch Angebot und Nachfrage
Demgegenüber hat die Regierung ihre Einflussnahme auf die Preisgestaltung bei Makkaroni, Spaghetti, Ravioli, Lasagne, Nudeln und anderen (Eier-) Teigwaren bereits seit längerem zurückgefahren. Die einst geltende Begrenzung der Händlermargen für einheimische Erzeugnisse auf insgesamt höchstens 15 Prozent wurde mittlerweile außer Kraft gesetzt. Der Markt für entsprechende Teigwaren erreichte im Jahr 2008 ein Volumen von 160'000 Tonnen (Absatzmenge) oder 800 Millionen UAH (in Industrieabgabe- beziehungsweise Großhandelspreisen). Angesichts einer Reihe in der Umsetzung befindlicher Projekte scheint die Branche ihre Attraktivität für Investitionen auch in der Zeit der Krise nicht eingebüßt zu haben.

Wechselkurs am 18. September 2009 (Interbank):
1'000'000,000 Ukrainische Hryvni (UAH) = 80'460,000 Euro (EUR)
1'000'000,000 Euro (EUR) = 12'428'535,918 Ukrainische Hryvni (UAH)

Lokale Produzenten halten vor allem die Nische der Billigprodukte besetzt, hergestellt aus Weichweizensorten. Auf Produkte dieser Art entfallen, gerechnet nach Umsatzwerten, 30 bis 40 Prozent des Gesamtmarkts. Die Bereitschaft des Groß- und Einzelhandels, Produkte ukrainischen Ursprungs ins Sortiment aufzunehmen, ist daher zuletzt gestiegen. Das Segment der teureren Erzeugnisse aus Hartweizen stellt eine Domäne von Produkten aus dem Import dar. Dies gilt jedenfalls für das Premiumsegment, das etwa ein Fünftel des Gesamtmarkts einnimmt.

Was die Einfuhren betrifft, so sollen mit geschätzten 15 bis 20 Prozent erhebliche Anteile auf illegale, falsch deklarierte Importe entfallen sein. Offiziell unter der Warengruppe 1902 (Teigwaren, auch gekocht oder mit Fleisch oder anderen Stoffen gefüllt oder in anderer Weise zubereitet) deklarierte Lieferungen erreichten 2008 mit einem Zollwert von 26 Millionen US-Dollar einen neuen Rekordumfang, darunter Waren im Wert von 166'000 US-Dollar aus Deutschland (weniger als ein Prozent).

Ausländische Erzeugnisse haben Marktanteile eingebüßt
Die Nachfrage nach Teigwaren aller Art hat sich im bisherigen Verlauf des Jahres 2009 als verhältnismäßig krisenresistent erwiesen. Zu beobachten sind lediglich steigende Anteile von Billigprodukten am Gesamtabsatz. Im mittleren Preissegment haben Erzeugnisse ausländischen Ursprungs Marktanteile eingebüßt. Hierbei sollen nicht nur die Griwna-Abwertung, sondern auch Kürzungen von Marketingbudgets durch ausländische Lieferanten und ukrainische Importeure eine Rolle gespielt haben.

Auf dem Markt sind zehn bis zwölf ukrainische Hersteller vertreten, deren Ausstoß mindestens 1'000 Tonnen Teigwaren pro Jahr beträgt. Direktinvestitionen des Auslands haben in der Branche bisher nur geringe Bedeutung. Zu nennen ist die russische Euroservice-Gruppe (mit Makkaronifabriken in Kiew und Simferopol) sowie die skandinavische Firma AXA Lantmännen (mit der Tochtergesellschaft Lantmännen Aksa in Boryspil bei Kiew, welche Makkaroni aus Importrohstoffen herstellt). Infolge der Rohstoff- und Energiepreissteigerungen hat das Interesse der Hersteller an einer Umrüstung der Produktion auf Verfahren mit höherer Energieeffizienz und geringerer Verbrauchsintensität zugenommen, was Rohstoffe und Vorerzeugnisse betrifft.

Die größten Teigwarenhersteller in der Ukraine
(Quelle: InvestGazeta, Kiew, UA -- Ausgabe vom 27. April 2009)

Unternehmen Reinerlös Jan bis Sept 2008 Marktanteil Jan bis Dez 2007
Makkaronifabrik (MF) Kiew 44,4 Millionen UAH 13,7 Prozent
MF Khmelnytsky 10,5 Millionen UAH 10,6 Prozent
MF Simferopol 30,1 Millionen UAH 09,3 Prozent
MF Donetsk 19,4 Millionen UAH 06,5 Prozent
MF Chernihiv 10,5 Millionen UAH 05,5 Prozent
Offene AG Khlib (Lutsk) 42,9 Millionen UAH 03,8 Prozent
Geschlossene AG Agroton k.A. 03,5 Prozent
MF Bonita (Lutsk) 01,7 Millionen UAH 03,3 Prozent
MF Milam (Luhansk) 23,4 Millionen UAH 03,0 Prozent
MF Kharkiv 02,6 Millionen UAH 02,1 Prozent
MF Lviv 31,6 Millionen UAH 01,9 Prozent

Wichtigste Großhandelsfirma ist Ukrayinske Makkaroni; sie vermarktet unter anderem Erzeugnisse der Teigwarenfabriken Khmelnytsky, Chernihiv und Lutsk. Einige Einzelhandelsketten führen neuerdings Waren unter eigenen Händlermarken. So stellt die Kiewer Makkaronifabrik seit Oktober 2007 Erzeugnisse her, die von der Kette Velyka Kyshenya unter dem Private Label Khit-Produkt verkauft wird - berichtet Germany Trade and Invest.

 

Druckversion
http://www.backnetz.eu/_REDAKTION/markt/2009/20090922-UKRAINE.HTM

 

 

Seite erzeugt von TikiWiki 1.9.11 Sirius
Konzept und Design: Backnetz MedienBüro in DE-22523 Hamburg
Bitte berücksichtigen Sie
Haftungsausschluss und Impressum