Freitag, 26. Februar 2021
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Andere Länder, ähnliche Entwicklung: E-Commerce in China

Berlin. (gtai) Der E-Commerce in der Volksrepublik China boomt seit vielen Jahren. Daran hat auch die infolge der Coronakrise geringere Konsumneigung kaum etwas geändert. Während der gesamte Einzelhandelsumsatz mit Konsumgütern nach Angaben des nationalen Statistikamtes NBS (National Bureau of Statistics) 2020 leicht zurückging, stieg der Umsatz der Online-Sparte um nominal fast 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf umgerechnet 1,4 Billionen US-Dollar – berichtet Germany Trade + Invest (GTAI).

Damit wurde bereits 2020 ein Viertel des gesamten Einzelhandelsgeschäftes online abgewickelt. Gegenüber 2019 kommt dies einer Steigerung von 4 Prozentpunkten gleich. Im Vergleich zu 2018 ergab sich eine entsprechende Differenz von 6,5 Prozentpunkten. Der Anteil des E-Commerce am Einzelhandelsgeschäft wird in den nächsten Jahren zudem weiter zulegen. Allerdings dürfte der Aufholprozess leicht an Kraft verlieren.

Ohne das neuartige Coronavirus hätte der E-Commerce 2020 wohl nicht so gut abgeschnitten, denn schon in der Vorkrisenzeit machten sich erste Sättigungserscheinungen bemerkbar. Den Anbietern wurde um das Jahr 2019 herum klar, dass im Online-Handel die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Doch die Pandemie hat die Digitalisierung der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft nun zusätzlich beschleunigt.

Der E-Commerce gilt als großer Krisengewinner. Online-Anbieter gewannen während des Shutdowns im Frühjahr 2020 neue Nutzergruppen hinzu, die sie ansonsten kaum erreicht hätten. Vor allem ältere Konsumenten haben gelernt, online zu bestellen und dabei erfahren, wie bequem Einkäufe über das Internet sein können. Ein Teil von ihnen dürfte langfristig bei der Stange bleiben, denn zufriedene Kunden kehren bekanntlich zurück.

Lebensmittel boomen, Bekleidung schwächelt

Zudem konnten einige Sparten des Einzelhandels von der Coronapandemie profitieren, die bislang nicht so stark über den Online-Bereich liefen. So hat es sich etwa etabliert, Nahrungsmittel im Internet zu bestellen, da Verbraucher traditionelle Märkte mit ihren fragwürdigen hygienischen Bedingungen zusehends meiden. Viele Online-Anbieter haben daher ihre Kapazitäten im Bereich Lebensmittel kräftig aufgestockt und besonders in die entsprechende Logistik investiert.

Laut Angaben des nationalen Statistikamts stieg der Online-Umsatz mit Nahrungsmitteln 2020 um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Sparte profitierte dabei auch von einer generell höheren Nachfrage nach Lebensmitteln, da Verbraucher weniger ausgingen und Speisen vielfach selbst zubereiteten. Im Gegenzug fiel das Online-Geschäft mit Bekleidung enttäuschend aus. Bei Textilien handelt es sich eben oftmals um Spontankäufe, die anlässlich eines Stadtbummels getätigt werden. Zudem wollen Konsumenten die Kleidungsstücke vor dem Kauf gerne anprobieren.

Die Einschätzung der Entwicklungen in China durch Germany Trade + Invest (GTAI) endet an dieser Stelle nicht sondern wirft noch einen Blick auf «Regierung will 2021 Privatkonsum stärken» sowie «eMarketer: Online- und Offline-Sparte gleichen sich an». Dabei handelt es sich um Prognosen, die aus verschiedenen Gründen für Deutschland nicht zutreffen oder in weite Ferne gerückt sind. Europa steht noch vor (vor!) der Aufgabe, die Pandemie unter Kontrolle und sein Impfdosen- Problem in den Griff zu bekommen. Das kostet Zeit.