Mittwoch, 30. September 2020
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20171130-AEHREN

Aryzta AG: sieht langsam Licht am Ende des Tunnels

Zürich / CH. (eb) Die Aryzta AG hat ihren Bericht für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahrs (Q1/2018) veröffentlicht. Der Gesamtumsatz ging demnach bis zum Stichtag 31. Oktober 2017 um 5,5 Prozent auf 909,7 Millionen Euro zurück. Der organische Gesamtumsatz des Konzerns ging um 2,6 Prozent zurück. Auch wirkten sich Währungseffekte im Berichtszeitraum mit minus 2,9 Prozent negativ auf den Umsatz aus.

  • Aryzta Europe verzeichnete trotz des erwarteten Rückgangs durch das Schweizer Insourcing – die Wiedereingliederung von zuvor ausgelagerten Prozessen und Funktionen – ein organisches Wachstum von plus 0,6 Prozent, das allerdings durch negative Währungseinflüsse von 0,9 Prozent wieder ausgeglichen wurde.
  • Der organische Umsatz von Aryzta North America ging im Berichtszeitraum um satte 7,0 Prozent zurück, was ausschließlich auf das Werk Cloverhill (Chicago, Illinois, USA) zurückzuführen ist. Währungseffekte wirkten sich mit 4,5 Prozent negativ auf den Umsatz aus.
  • Aryzta Rest of World verzeichnete ein starkes organisches Wachstum von 7,8 Prozent, das unglücklicherweise durch einen negativen Währungseinfluss von 5,3 Prozent ausgeglichen wurde.

Unter dem Strich und ohne Berücksichtigung des US-amerikanischen Cloverhill-Geschäfts stieg der organische Umsatz des Konzerns um 1,3 Prozent. Zum Quartalsbericht sagt der Vorstandsvorsitzende Kevin Toland (frei übersetzt): «Die geschäftlichen Herausforderungen sind unverändert gegenüber denen wie im September skizziert. Europa entwickelt sich weiterhin erwartungsgemäß, auch Deutschland, wobei ein breit abgestütztes Wachstum in der gesamten Region das geplante Schweizer Insourcing kompensiert. Die Fortschritte bei Cloverhill in Nordamerika erweisen sich als schwierig».

Geschäftsbereich Europa

Das organische Wachstum von 0,6 Prozent resultiert aus einem Umsatzplus von 1,3 Prozent aufgrund eines verbesserten Preis-/Mix-Verhältnisses sowie einem Absatzrückgang von 0,7 Prozent. Die Performance spiegelt die anhaltenden Auswirkungen des geplanten Volumen- Insourcings in der Schweiz wider, die durch eine solide Performance in der gesamten Region ausgeglichen werden, einschließlich der Verbesserung der KPIs in Eisleben in Deutschland (KPI: Key Performance Indicator). Die Verhandlungen mit den Kunden werden mit Blick auf die höheren Butterpreise und den Brexit weiter fortgesetzt.

Geschäftsbereich Nordamerika

Nach mehreren Quartalen mit rückläufigem Wachstum stieg der organische Umsatz ohne das Cloverhill-Geschäft um 1,0 Prozent. Mit Blick auf den Gesamtzustand des nordamerikanischen Geschäfts bestehen weiterhin Herausforderungen im Umfeld der Produktions- und Co-Packing-Anlagen von Cloverhill. Dabei handelt es sich um standortspezifische Fragen im Zusammenhang mit Volumenverlusten. Die hatten sich aus dem strategischen Fehltritt ins B2C-Business, der hohen Fluktuation, den Rekrutierungskosten und der anhaltenden Verteuerung der Arbeitskräfte ergeben. Die starke Verteuerung der Arbeitskräfte ist nach wie vor eine der wichtigsten Herausforderungen in den USA. Kanada entwickelt sich gut mit einem soliden Volumenwachstum, das sowohl vom Einzelhandel als auch von der innovationsgetriebenen Produktanpassung durch QSR getragen wird. Was ist konkret das Problem in den USA?

  • Grund 1: Unter der alten Führung um den ehemaligen CEO Owen Killian hatte Aryzta 2014 das Werk Cloverhill mit dem Ziel erworben, die Marke Otis Spunkmeyer direkt an den Mann und die Frau zu bringen. Damit hatte der Konzern allerdings die Rechnung ohne seine B2B-Kunden gemacht. Die nahmen den Großbäckern den Versuch, direkt ins US-amerikanische B2C-Geschäft einzusteigen, nachhaltig übel. Deshalb spricht der neue CEO Kevin Toland heute auch von einem strategischen Fehltritt.
  • Grund 2: Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, geht rigoros gegen illegale Arbeitnehmer in den USA vor. Unglücklicherweise hatte Aryzta USA in Chicago mit einer Arbeitsagentur zusammengearbeitet, die nicht darauf geachtet hat, ob Immigranten über die nötigen Papiere verfügen. Das hatte zur Folge, dass das Werk Cloverhill Knall auf Fall rund 800 gut angelernte Mitarbeiter verlor, was etwa 35 Prozent der Belegschaft entspricht. Die nicht näher bezeichnete Personalvermittlung hatte sich Anfang 2017 einer Bundesprüfung unterziehen müssen, wodurch das immense Wegbrechen der Belegschaft ausgelöst wurde. Aryzta USA steht seither vor der großen Herausforderung, für die 800 abgeschobenen Mitarbeiter Ersatz zu finden. Der Ersatz muss natürlich neu angelernt werden. Zudem steigen die Arbeitskosten in schwindelerregende Höhen, denn Beschäftigte mit legalem Aufenthaltsstatus sind deutlich teurer als Illegale. Den inflationären Anstieg der Arbeitskosten muss Aryzta USA früher oder später an den Handel und die Gastronomie in den USA weitergeben, was zu höheren Verbraucherpreisen führen wird. Inwiefern sich Konkurrenten diese Situation zunutze machen können oder im Kielwasser des Konzerns die eigenen Produktpreise erhöhen wollen, muss sich noch herausstellen.

Geschäftsbereich Rest der Welt

Der Umsatz von Aryzta Rest of World stieg im Berichtszeitraum um 2,5 Prozent auf 65,0 Millionen Euro, angeführt von einem starken organischen Umsatzwachstum in der Region von 7,8 Prozent. Das organische Umsatzwachstum wurde durch eine Verbesserung der Absatzmengen um 2,7 Prozent und einen positiven Effekt von 5,1 Prozent aus dem verbesserten Preis/Mix erzielt.

Ausblick

Die geschäftlichen Themen bleiben gegenüber September 2017 unverändert. In Anbetracht der Bandbreite der internen und externen Herausforderungen geht das Management derzeit davon aus, dass das Ebitda des Geschäftsjahrs 2018 im Großen und Ganzen mit dem Ebitda 2017 übereinstimmen wird (Foto: pixabay.com).