Sonntag, 25. September 2022
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Autonome Shops: «Das Interesse war noch nie so groß»

Köln. (rg) Kassenlose Stores werden immer beliebter. Warum das so ist, erläutern die Lekkerland-Verantwortlichen Mehmet Tözge und Michael Mayer-Sonnenburg im Interview – und stellen vier Lösungen vor, die derzeit unter der Marke «Rewe To Go» entwickelt und getestet werden. Tözge ist Director Smart Store Development bei der Lekkerland SE. Mayer-Sonnenburg ist Director Franchise + Convenience Stores bei Lekkerland SE. Das Interview stammt aus der Feder der PR-Abteilung der Rewe Gruppe in Köln.

Welche Vorteile bieten autonome Shops für Verbraucher?

Mehmet Tözge: Diese Shops können jederzeit geöffnet sein und einen besonders schnellen Einkauf ermöglichen. Darüber hinaus können sie helfen, Kontakte zu reduzieren. Infolge der Corona-Pandemie ist das vielen Konsumenten wichtig.

Sind Konsumenten offen für die Technologien, die mit den Shops verbunden sind?

Mehmet Tözge: Studien zeigen, dass die Offenheit stetig zunimmt, über alle Generationen hinweg. Zudem wollen Konsumenten 24/7 einkaufen können. Das Interesse an autonomen Shops war noch nie so groß.

Michael Mayer-Sonnenburg: Wir sehen das in der Praxis. Im «Rewe To Go»-Store am Kölner Hauptbahnhof ist die Nutzung von SB-Lösungen, wie Kaffee und frische Backwaren, sowie der Self-Checkout-Kassen in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen. Heute nutzen bis zu 50 Prozent aller Kunden diesen Weg.

Wie will Lekkerland das steigende Interesse an autonomen Shops im AHM bedienen?

Mehmet Tözge: Der Außer-Haus-Konsum ist vielfältig. Konsumenten wollen sich zu unterschiedlichen Anlässen und an verschiedenen Orten unterwegs versorgen, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause. Deshalb denken wir, dass auch die autonomen Shops vielfältig sein müssen. «Eine Lösung für alles» funktioniert nach unserer Auffassung nicht. Stattdessen entwickeln und testen wir unter der Marke «Rewe To Go» gleich vier Lösungen für autonome Shops.

Was zeichnet diese Lösungen aus und wodurch unterscheiden sie sich?

Mehmet Tözge: Die Konzepte unterscheiden sich unter anderem durch die konkrete Ausgestaltung des Einkaufs, den Umfang der Sortimente und die verwendeten Technologien, die vom Self-Checkout bis zur künstlichen Intelligenz reichen. Letztere ermöglicht es, dass Konsumenten bei ihrem Einkauf die Ware einfach aus dem Regal nehmen und den Shop verlassen können, ohne an einer Kasse bezahlen zu müssen. Kameras erfassen ihre Einkäufe, die Abrechnung erfolgt über eine App.

Weshalb haben Sie für Ihre Aktivitäten die Marke «Rewe To Go» gewählt?

Michael Mayer-Sonnenburg: Zunächst einmal zählt «Rewe To Go» zu den führenden Convenience-Formaten in Deutschland und ist schon heute an Hochfrequenzstandorten präsent und erfolgreich. Da ist es naheliegend, auf diese starke und bei Verbraucher:innen bekannte Marke zu setzen.

Hinzu kommt, dass die Aktivitäten im Bereich autonome Shops eine konsequente Fortsetzung des Weges sind, den «Rewe To Go» in den letzten Jahren an Hochfrequenzstandorten eingeschlagen hat. Wir haben die Stores stetig weiterentwickelt, um die Wünsche der Konsumenten bestmöglich zu erfüllen.

Zum Beispiel bieten wir unseren Kunden zahlreiche Möglichkeiten der Selbstbedienung, etwa bei Backwaren und Kaffee. Damit tragen wir dazu bei, dass sie ihren Einkauf schnell erledigen und die Zahl der Kontakte reduzieren können. Unser Markenversprechen «Fast. Fresh. Food.» passt perfekt zu den Smart-Store-Konzepten und den Erwartungen der Endverbraucher:innen im Außer-Haus Konsum.

Außer-Haus-Konsum ist vielfältig. Für welche Kanäle sind die Lösungen gedacht?

Michael Mayer-Sonnenburg: Wir entwickeln und testen diese Lösungen unter der Marke «Rewe To Go» für Hochfrequenzstandorte – wie Bahnhöfe und Flughäfen – und für sogenannte semi-öffentliche Bereiche wie Krankenhäuser und Universitäten.

Eine wichtige Kundengruppe von Lekkerland sind Mineralölgesellschaften. Entwickeln Sie auch autonome Shoplösungen für Tankstellen?

Michael Mayer-Sonnenburg: Wir werden das Know-how, das wir Zug um Zug gewinnen, auch in anderen Kanälen einsetzen. Wie das im Fall von Tankstellen konkret aussehen wird, können wir heute noch nicht beantworten. Klar ist: Wir werden uns gemeinsam mit unseren Kunden mit diesem Thema befassen.

Umfassen Ihre Aktivitäten im Bereich Smart Stores auch Ladeparks?

Michael Mayer-Sonnenburg: Ja. Wir befassen uns intensiv mit diesem Kanal und führen bereits Gespräche mit Anbietern/Betreibern solcher Parks.

Wann werden Konsumenten in Ihrem ersten autonomen Shop einkaufen können?

Mehmet Tözge: Das können sie bereits. Zusammen mit der Sana Kliniken AG testen wir in zwei Krankenhäusern in Süddeutschland eine Variante des «Smart Kiosk», also einen kleinen Shop mit Self-Checkout-Kasse: Mitarbeitende, Patient:innen und Besucher:innen können dort Snacks, Getränke, Drogerieartikel und Eis kaufen. Auch an drei Lekkerland-Standorten steht eine Variante des «Smart Kiosk» Mitarbeitenden und Besucher:innen zur Verfügung.

Darüber hinaus werden Verbraucher:innen ab dem Sommer im Rahmen der Pilotphase an einem gut frequentierten Ort den «Smart Automat» unter der Marke «Rewe To Go» nutzen können. Dann haben Sie die Möglichkeit, sich rund um die Uhr mit Snacks und Getränken zu versorgen.

Michael Mayer-Sonnenburg: Diese Lösung, die Lekkerland zusammen mit dem Unternehmen Latebird entwickelt hat, ist im März mit dem «reta award» in der Kategorie «Best Customer Experience» ausgezeichnet worden. Mit diesem Preis würdigt das EHI Retail Institute Handelsunternehmen für herausragende Technologie-Lösungen.

Auf welche der vier Lösungen setzen Sie größten Hoffnungen?

Mehmet Tözge: Wir sind von allen vier Lösungen absolut überzeugt. Aber letztlich sind die Wünsche und das Verhalten der Verbraucher:innen entscheidend. Sie bestimmen, wie die Zukunft von autonomen Shops im Außer-Haus-Konsum aussieht und welche Lösungen sich in welchen Kanälen durchsetzt. Wir sind sehr gespannt darauf, wie diese Zukunft aussieht (Foto: Rewe Gruppe).

Diese Lösungen entwickelt und testet Lekkerland

Smart Automat

Bietet: 24/7 Einkauf, schnell + kontaktlos, begehbarer Shop, transportabel
Technologie: Robotics
Sortiment: 300 bis 400 Artikel (alle Temperaturzonen), mit Alkohol und Tabakwaren
Geeignet für: öffentliche und semi-öffentliche Bereiche, Indoor + Outdoor
Status: Im Test; im Rahmen der Pilotphase ab Sommer an einem öffentlichen und gut frequentierten Ort verfügbar
Auszeichnung: Retail Award 2022 in der Kategorie «Best Customer Experience»

Smart BOX

Bietet: 24/7 Einkauf, schnell + kontaktlos, begehbarer Shop, transportabel
Technologie: Künstliche Intelligenz
Sortiment: Etwa 200 Artikel (alle Temperaturzonen), mit Tabakwaren, Kaffeemaschine
Geeignet für: öffentliche und semi-öffentliche Bereiche, Indoor + Outdoor
Status: Im Test

Smart Stop

Bietet: 24/7 Einkauf, schnell + kontaktlos
Technologie: Smart Vendings
Sortiment: Flexibel; gekühlte Produkte, Tabakwaren, alkoholische Getränke möglich
Geeignet für: öffentliche und semi-öffentliche Bereiche, Indoor + Outdoor
Status: In Entwicklung

Smart Kiosk

Bietet: 24/7 Einkauf, schnell + kontaktlos
Technologie: Self-Checkout
Sortiment: Etwa 230 Produkte (alle Temperaturzonen), Kaffeemaschine
Geeignet für: semi-öffentliche Bereiche, Indoor + Outdoor
Status: Live im Rahmen der Pilotphase – In Betrieb in zwei Krankenhäusern der Sana Kliniken AG

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