Samstag, 27. Februar 2021
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Bäcker Lang: strebt «schwarze Null» schon in diesem Jahr an

Stuttgart. (usp) Wie geht es dem Bäcker Lang? Sie erinnern sich: Vor gut einem Jahr mussten die damalige Max Lang Bäckerei-Konditorei GmbH + Co. KG und die Bäckerschmiede GmbH – der Stefansbäck – vor dem Amtsgericht Ludwigsburg Insolvenz anmelden. Zwei Traditionsmarken, die so recht nicht zueinander passen wollten und deren gedeihliche Entwicklung innerhalb einer Gruppe unter anderem auch daran scheiterte, weil das Management für 550 Mitarbeitende, die 150 Filialen bewirtschafteten, nicht recht passte.

Die Insolvenz bot die Chance für den Neuanfang. Es musste ein tragfähiges Konzept her und vor allem ein Investor. Die Max Lang Bäckerei-Konditorei GmbH + Co. KG und die Bäckerschmiede GmbH verschmolzen zur Bäckerei Lang GmbH und mit der Münchener Quantum Capital Partners fand das neue Unternehmen einen soliden Investor. Zum Prozess der Gesundung gehörte auch, dass die heutige Bäcker Lang GmbH insgesamt «nur noch» 106 Filialen zählt und um die 400 Mitarbeitende. «Eine schwierige Zeit voller Unsicherheiten besonders für die Beschäftigten», sagt Geschäftsführer Wolfgang Steib.

Der Optimismus verfestigt sich

Auch heute laufe noch nicht wirklich alles rund, doch man sei auf einem guten Weg und der Optimismus verfestige sich, dass 80 Jahre Bäckertradition eine Zukunft haben. «Der neue Bäcker Lang besinnt sich auf seine Werte und Kernkompetenzen», sagt Wolfgang Steib. Dank der neuen gesunden Finanzstruktur durch den neuen Eigentümer entwickele sich das Unternehmen wieder sehr gut. Das wird jetzt auch nach außen sichtbar. Den Prototypen für die zu modernisierenden Bäcker-Lang-Filialen stellte Geschäftsführer Steib in dieser Woche an der Königsstraße vor – vis-a-vis zur Tourismusinformation und zum Hauptbahnhof.

Vertriebswege und Wachstumspläne

Während die Marke «Bäcker Lang» ausschließlich Stuttgart bedient, bedient die Marke «Stefansbäck» das Umland. Beiden gemeinsam ist das Sortiment aus Freiberg am Neckar, wo die Bäcker Lang GmbH nach wie vor ihren Hauptsitz hat. Von «Sparback» redet heute keiner mehr. Sofern es noch Filialen unter diesem Label gibt, sollen die bald vom Markt verschwinden. Wolfgang Steib weiß, dass ihm und seinem Team angesichts des Wettbewerbs der Erfolg nicht in den Schoß fällt. Als zusätzliches Standbein baut er ein Großkundengeschäft auf, das derzeit rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht und gerne mehr werden kann. «Wir können nicht billig», betont er mehrfach. Die Bäcker Lang GmbH soll im Südwesten wieder als das wahrgenommen werden, was sie jahrzehntelang war: eine Traditionsbäckerei mit Wurzeln in Stuttgart. Vorkassenbäcker möchte Steib nicht werden. Denkt er an Expansion, dann eher an Bäckerei-Cafés und klassische Filialen in Wohngebieten. Zudem kann er sich vorstellen, kleine Bäckereien zu übernehmen.

Unternehmensführung ist branchenneutral

Wolfgang Steib, der von Quantum Capital Partners eingesetzte Geschäftsführer, ist gelernter Automanager. Er arbeitete unter anderem für Porsche und leitete das Deutschlandgeschäft von Jaguar. Geschäftsführer beim Küchenmöbel-Hersteller Bulthaup war er ebenfalls. «Ich habe Freude an dieser Aufgabe», sagt der 54-Jährige, der im Bäcker Lang eine neue, packende Mission gefunden hat. Seine Dynamik und umfangreichen Erfahrungen werden helfen, den Traditionsbäcker wieder auf Kurs zu bringen. Das Geschäftsjahr 2016 will Steib mit einer schwarzen Null abschließen und ab 2017 wieder profitabel arbeiten. Oder um es mit Steibs Worten zu sagen: «Wir wollen wieder unseren Platz einnehmen». Betrug der Jahresumsatz 2015 rund 36 Millionen Euro, sollen es in diesem Jahr trotz des «reinigenden Gewitters» und des temporären Abbaus von Filialen immer noch 35 Millionen Euro sein.

Investitionsstau auflösen und Energien freisetzen

Steib ist kein Mann, der den Wettbewerb fürchtet. Als Traditionsbäcker kann er nicht «billig» und setzt daher konsequent auf Qualität auf allen Ebenen. Einen siebenstelligen Betrag hat er bereits in Produktion und Vertrieb investieren können, sagt er in Stuttgart. Sicher sei noch viel zu tun. Wichtig sei aber auch, dass sich eine Aufbruchstimmung verbreite, dass man Zuversicht wecken und Beschäftigte mitnehmen kann. Steib lobt das finanzielle Engagement des neuen Eigentümers und zählt dann Maßnahmen auf, mit denen ein modernes Bäckereiunternehmen nicht nur in Maschinen und Anlagen, Filialen und Sonstiges investiert, sondern auch und gerade ins Team. Sicher, auch hier laufe noch nicht alles rund. Steib weiß, dass es dauern wird aufzuholen, was sich über Jahre mangels finanzieller Spielräume aufgestaut hat. Produktionsabläufe ändern sich, Teige bekommen lange Ruhezeiten, Tiefkühlung gibt es nur noch dort, wo sie nicht vermieden werden kann. Ein Backtrainer ist beim Auffrischen des Fachwissens behilflich und gibt neue Anregungen. Ähnlich dürfte es im Verkauf laufen.

Noch ein Wort zum Stefansbäck: Mit den Pächtern hat Steib einen neuen Vertrag ausgehandelt. Leistung soll sich besser lohnen und auf diese Weise dazu anregen, weitere Filialen zu eröffnen. Kein Zweifel: Die Bäcker Lang GmbH hat noch viel vor (Foto «Bäcker Lang»: usp / Foto «Stefansbäck»: baecker-lang.de).

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