Donnerstag, 18. Juli 2024
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Bäckerinnungsverband: Die Herausforderungen sind aktuell sehr hoch

Hannover. (biv) Bürokratieabbau und Strompreissenkung sind die wichtigsten Forderungen des Bäckerhandwerks in Niedersachsen und Bremen an die Politik. So lautet das Fazit der Landestagung des Bäckerinnungsverbands Niedersachsen-Bremen (BIV) in Cuxhaven Ende April, an der rund 70 Delegierte der in den Innungen organisierten Handwerksbäckereien teilnahmen. Die Zahl der produzierenden Betriebe ist in Niedersachsen/Bremen zwar absolut von 862 auf 821 Bäckereien im vergangenen Jahr zurückgegangen – es gab aber auch 25 Neugründungen. «Das macht durchaus auch Mut», sagt Landesinnungsmeister Dietmar Baalk.

Die Herausforderungen sind aber sehr hoch – vor allem für die kleineren Betriebe. «Der Dreiklang aus steigenden Energie-, Rohstoff- und Personalkosten hat uns zu Preiserhöhungen von durchschnittlich zehn Prozent gezwungen. Bei über der Hälfte der Betriebe hat sich trotzdem die wirtschaftliche Situation erheblich verschlechtert», sagt Baalk. «Unsere Forderung an die Politik: Die Preise für unsere Produktionsfaktoren Energie und Rohstoffe müssen wieder runter, nur dann können wir den Kunden weiter handwerkliche Qualität zum vernünftigen Preis anbieten.»

Der aktuellen Verbandsumfrage (siehe Anhang) unter über 600 norddeutschen Betrieben nach sind die Energiekosten noch gar nicht final bei den Betrieben angekommen. Viele Versorgerverträge bestanden noch in 2022 und müssen in 2023 neu verhandelt werden. Trotz Strom- und Gaspreisbremse rechnen die Mehrzahl der Bäckereien mit weiteren Energiepreisanstiegen von wenigstens 20 Prozent.

Die Betriebe kritisierten besonders die aus ihrer Sicht immer höher werdenden bürokratischen Hürden. «Die Liste der zusätzlichen Auflagen, die sich die Politik neu ausdenkt, ist lang,» kritisiert Landesgeschäftsführer Jan Loleit. «Allein in den vergangenen Monaten kamen hinzu: Ein Nachweisgesetz für Arbeitsverträge, ein Hinweisgeberschutzgesetz, ein neues Arbeitszeiterfassungsgesetz und umständliche elektronische Krankschreibungen.» So gerate das gebetsmühlenartige Versprechen der Politik zum Bürokratieabbau zur Makulatur.

Beispiel Mehrwegbecher-Pflicht: Unsere Umfrage hat ergeben, dass weniger als zwei Prozent der Kunden die Becher überhaupt nutzen. «Es ist wie immer: Die Politik scheut die Auseinandersetzung mit dem Wähler: Statt Einwegbecher völlig zu verbieten, vergattert sie die Wirtschaft unter dem Mäntelchen von Umwelt- oder Verbraucherschutz zu hohen Investitionen, die dann völlig ins Leere laufen», sagt Babette Lichtenstein van Lengerich, Landesbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit. «Wenn man hier wirklich messbare Erfolge will, muss der Einwegbecher vom Markt verschwinden. Anders geht es nicht, das zeigen unsere Ergebnisse leider eindeutig.»

«Ein großes Plus hat das Bäckerhandwerk aufzuweisen», sagt Dietmar Baalk. «Die Verbraucher schätzen stärker als noch vor einigen Jahren qualitativ hochwertige und regional gefertigte Lebensmittel. Die Politik muss nur dafür sorgen, dass sich die Menschen diese auch leisten können» (Foto: Archivfoto).


Anhang | Download: Zur Situation des norddeutschen Bäckerhandwerks

20230426-BIV-BAECKER.