Donnerstag, 18. Juli 2024
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Bäko Workshop: «Er wird wohl kommen, der Klimawandel!»

Hamburg. (eb) «Gemischt» war das Urteil der rund 460 Teilnehmer über den 18. Bäko Workshop, der Mitte November 2006 in Dresden stattfand – hieß es vor exakt 364 Tagen an dieser Stelle. Eine ganze Woche nun hat die Redaktion darüber nachgedacht, wie wir dem 19. Bäko Workshop am besten gerecht werden, der dieser Tage in Fulda stattfand.

Er werde wohl kommen, der Klimawandel, hieß es in der Workshop-Ankündigung. Er ist schon da und wird zunehmend an Präsenz gewinnen – hatte sich das backnetz:eu im August verhalten mokiert. Natürlich würdigen wir Themen-, Referentenfindung und alle anderen Anstrengungen seitens der Bäko Marken und Service eG, auch im 19. Jahr eine möglichst attraktive Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Zudem sind Veranstalter bis zu einem gewissen Grad immer davon abhängig, wie gut sich Referenten vorbereiten.

350 Teilnehmer kamen (2006: 460 – 2005: 400)

Etwa 350 Teilnehmer kamen in diesem Jahr nach Fulda. Gegenüber 2006 ist das ein Minus von 24 bis 31 Prozent – je nach dem, was wir als 100 Prozent zugrunde legen wollen. Platz genug war vorhanden. Eine enge Begrenzung der Teilnehmerzahl als Ursache schließen wir daher aus. Fairerweise ist hinzuzufügen, dass die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr schwankt und 2005 zum Beispiel bei 400 lag. Mag sein, dass 2007 der eine oder andere unvorbereitete Redner von 2006 dem Workshop-Tross bis heute nachhängt. Oder die Erkenntnis, dass das Veranstalter-Team den komplexen bis komplizierten Zusammenhang zwischen Klimawandel und backender Branche durchaus herstellen wollte – den Nutzwert für die Branche aber nicht in der Weise herausarbeiten konnte, dass sich ein Gefühl der Bereicherung hätte einstellen können.

Zu würdigen ist die Themenfindung durch die Bäko Marken und Service eG allemal. Schließlich werden uns Rohstoffmärkte und Entwicklungen in Zukunft noch oft genug begegnen. Leider kam der Tross über grundsätzliches Allgemeingut zum Thema Klimawandel kaum hinaus. Es war eine gewisse Ratlosigkeit auszumachen, mit welchen Anpassungen die backende Branche hierzulande auf eine wachsende Weltbevölkerung, zunehmenden Wohlstand in Schwellenländern und dem Trend zu erneuerbaren Energien reagieren soll.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Unternehmensführung

Dabei haben Klimawandel und magere Ernten, explodierende Rohstoffpreise, veränderte Warenströme etc. längst Zeichen gesetzt in der Ausrichtung, Führung und Finanzierung von Unternehmen. Große Agrarbetriebe machen es vor: So gilt die Aktie des argentinischen Agrarkonzerns «Cresud» als eines der erfolgreichsten Wertpapiere an der Börse von Buenos Aires. In Frankfurt ist dieser Tage die «KTG Agrar AG» aufs Parkett gegangen und damit Deutschlands erster Agrarbetrieb. Am 15. November sind die Aktien zu einem ersten Kurs von immerhin 17,63 Euro und damit erfolgreich über dem Emissionspreis von 17,50 Euro im Open Market (Entry Standard) der Wertpapierbörse gestartet.

Auch Workshop-Referent Jan Peters – Infobroker für alles, was mit Agrarmärkten zu tun hat – erwähnte in Fulda beiläufig, dass er vor nicht allzu langer Zeit rund 800 Hektar Nordpolen (mit) erworben habe und angesichts der jüngsten Entwicklungen heute «ganz glücklich» darüber sei. Genau hier hätte der Vortrag nicht enden, sondern beginnen sollen. Kein Geheimnis ist, dass Private Equity Unternehmen wie Lion Capital oder Bridgepoint ehemalige Überschussmärkte der Agrarwirtschaft längst als renditesichere Zukunftsmärkte betrachten.

Neue Kooperationen und Netzwerke sind gefragt

Kurzum: Wenn sich der Kreislauf der Welt plötzlich anders herum dreht – zum Beispiel Australien Getreide importiert statt exportiert, eine wohlhabende Industrienation wie Japan daraufhin seine Rohstoffreserven angreifen muss und beinahe den Notstand ausruft – dann ist das nicht «weit weg» sondern ein Paukenschlag, den wir nicht überhören dürfen. Bevor uns die Schallwellen treffen, sollten wir besser darüber nachdenken, mit wem sich die Kooperation lohnt, um eventuelle Rohstoffmängel oder Preisspitzen abfangen zu können in unserem kleinen Mikrokosmos Bäckerei.

Das Schlagwort «From Farm to Fork» ist längst bekannt und kann in der aktuellen Misere sogar noch beflügeln. Ungebrochen ist schließlich der Bioboom in unseren Breiten. Nach Angaben verschiedener Studien könnten Produkte, die nach streng ökologischen Methoden hergestellt werden, in Deutschland bis 2020 insgesamt einen Marktanteil von 30 Prozent erreichen.

Das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll

Der ökologischen Wirtschaftsweise liegt das From-Farm-to-Fork-Prinzip seit jeher nahe, ist ihr aber nicht vorbehalten. Zukunftsweisende Modelle aus innovativen Bäckereibetrieben – von denen Deutschland nicht wenige hat – hätten die Teilnehmer am 19. Bäko-Workshop in Fulda konkret «erden» können. Berichte darüber, wie sich konventionell und ökologisch wirtschaftende Bäckereien angesichts der weltweiten Rohstoff-Hausse positioniert sehen und welche Schlussfolgerungen sie für sich daraus ziehen, hätten diesen und jenen Nutzwert weiter verdeutlichen können.