Samstag, 6. März 2021
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«Bayerisches Brot»: Die politische Aufarbeitung beginnt

Hamburg. (usp) Die politische Aufarbeitung der Vorgänge rund um das «Bayerische Brot», wie es Foodwatch darstellt, kommt ins Rollen. Wobei man nicht oft genug betonen kann, dass die skandalisierenden Ausführungen der Verbraucherschutzorganisation den tatsächlichen Sachverhalten nicht zu hundert Prozent gerecht werden. Bevor das auch nur irgendjemanden auffallen konnte, war die sprichwörtliche Sau schon längst durchs Dorf getrieben – auf allen Kanälen. Die Sensationslust hatte gesiegt und sachliche Gegendarstellungen fanden erst gegen Abend den Weg in die Medien. Aber da war der Tag schon gelaufen, die Wellen der Empörung abgeebbt und die Wahrheit? Wen interessiert in postfaktischen Zeiten noch die ganze Wahrheit?

Das alles hätte nicht passieren müssen, gäbe es endlich auch in Deutschland – bundesweit – ein stichhaltiges Transparenzsystem. Gäbe es eine (Verbands-) Politik, die nicht nur vor «Schikanen» warnt sondern anerkennt, dass Transparenzsysteme in unserer Zeit wichtig und richtig sind, um nicht zuletzt den Betrieben unter die Arme zu greifen als vertrauensbildende Maßnahme. Systeme, auf die man sich im Fall des Falls zurückziehen kann und drohenden «Skandalen» von vornherein die Grundlage entzieht.

«Die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen müssen endlich auch in Bayern grundsätzlich veröffentlicht werden, so wie es in Nordrhein-Westfalen, in Dänemark und Großbritannien praktiziert wird. Das ist der stärkste Antrieb für mehr Hygiene und die Einhaltung von Vorschriften!», sagt Florian von Brunn, verbraucherschutzpolitischer Sprecher im bayerischen Landtag. Man möchte hinzufügen, dass dies auch der stärkste Antrieb für mehr Wahrheit und Klarheit beim Aufdecken vermeintlicher Skandale wäre.

Der Verbraucherpolitiker fordert zudem mehr Personal und einen bundeseinheitlichen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen das Lebensmittelrecht. Das alles dürfe nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden. Das mit dem Personal ist so eine Sache, doch wer möchte ihm darüber hinaus widersprechen? Ein Fazit des jüngsten «Skandals» lautet jedenfalls, dass für ein gut durchdachtes Transparenzsystem mehr Gründe sprechen, als wir vor gut einer Woche noch gedacht hätten, meint Ihre Ute Speer.
 


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