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20180124-KOELNMESSE

BDSI: 2017 für Süßwarenindustrie eher durchwachsen

Bonn. (bdsi) Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) blickt für die Branche mit ihren genussbringenden Produkten auf ein durchwachsenes Jahr 2017 zurück. Während die Entwicklung im gesättigten Inlandsmarkt stabil blieb, entwickelte sich der Exportumsatz leicht rückläufig. Insbesondere das Geschäft mit Großbritannien blieb 2017 durch die Brexit-Entscheidung deutlich hinter dem Vorjahr zurück.

Die hohen Energie- und Transportkosten, ein zunehmender Konkurrenzdruck im harten nationalen und internationalen Wettbewerb sowie Kosten und Verfügbarkeit einiger Rohstoffe belasten darüber hinaus die Ertragslage vieler der über 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel. Die Preise für Butter, Mandeln, Eier und Kakaobutter befinden sich auf einem hohen Niveau.

Staatliche Vorgaben für Produktrezepturen nicht zielführend

Die deutsche Süßwarenindustrie erteilt staatlich vorgeschriebenen Rezepturvorgaben eine klare Absage. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte in einer Debatte im Deutschen Bundestag Mitte Januar staatliche Vorgaben zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln gefordert.

Der BDSI tritt für unternehmerische und geschmackliche Freiheit ein und wendet sich gegen staatliche Verbraucherbevormundung. Schon heute entwickeln die Hersteller von Süßwaren und Knabberartikeln das Produktangebot stetig fort und reagieren auf neue Verbraucherbedürfnisse. Neben den klassischen Produkten gibt es eine Reihe von Varianten mit reduziertem Zucker-, Fett- respektive Salzgehalt. Der Reformulierung von Süßwaren, das heißt der Änderung der Rezepturen, sind aufgrund bestehender gesetzlicher Bestimmungen, aus technologischen Gründen und unter Aspekten der Produktqualität und -sicherheit Grenzen gesetzt. Bei allen Bemühungen um neue Rezepturen und Produkte gilt aber auch weiterhin, dass letztendlich die Verbraucher entscheiden, ob eine Produktinnovation Erfolg hat, denn sie werden nur das kaufen, was ihnen auch schmeckt.

«Bei Süßwaren steht für den Verbraucher der Genuss im Vordergrund. Dass sie Zucker und Kalorien enthalten, weiß jeder», sagt Bastian Fassin, Präsidiumsmitglied im BDSI und Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwarenmesse (AISM).

Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unter Druck

Die Süßwarenindustrie ist in allen Regionen Deutschlands ein bedeutender und stabiler Arbeitgeber und leistet gerade im ländlichen Raum einen wichtigen Beitrag für Wohlstand und Beschäftigung. Die Branche steht jedoch vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Trotz der insgesamt guten wirtschaftlichen Lage ist die Ertragslage in den Betrieben seit Jahren angespannt. Zu den zentralen Herausforderungen gehören die im internationalen Vergleich sehr hohen Unternehmenssteuern. Gerade nach den massiven Steuersenkungen für Unternehmen in den USA droht der Wirtschaftsstandort Deutschland an Attraktivität einzubüßen, wenn die Bundesregierung nicht zügig gegensteuert.

Ein großes praktisches Problem für die Hersteller ist der zunehmende Mangel an Berufskraftfahrern in Europa und die daraus resultierende Verknappung von Laderaum. Erschwerend kommt die teilweise marode Verkehrsinfrastruktur in Deutschland hinzu, die zu langen Stauzeiten und in Folge auch zu deutlich gestiegenen Logistikkosten für die Unternehmen der Süßwarenindustrie führt.

Konjunkturentwicklung der deutschen Süßwarenindustrie 2017

Nach Schätzungen des BDSI blieb die Produktion der über 200 industriellen Hersteller deutscher Süßwaren und Knabberartikel im Jahr 2017 mit zirka 3,8 Millionen Tonnen stabil (0,2 Prozent). Wertmäßig stieg die Produktion um etwa 1,5 Prozent auf rund 12 Milliarden Euro. Den Schätzungen des BDSI liegen die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die Marktdaten der einschlägigen Marktforschungsinstitute zugrunde.

Das Inlandsangebot (= Produktion + Einfuhr – Ausfuhr) legte im Jahr 2017 mengenmäßig um etwa 0,8 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Tonnen zu, der Inlandsumsatz stieg im gleichen Zeitraum um schätzungsweise 2,0 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Das Inlandsangebot wird ohne Halberzeugnisse und Rohmassen errechnet.

Der Brexit wirft seine Schatten voraus

Das Exportgeschäft mit Süßwaren und Knabberartikeln entwickelte sich 2017 erstmalig seit Jahren im Wert leicht rückläufig. Insgesamt wurden schätzungsweise 2,1 Millionen Tonnen Süßwaren und Knabberartikel exportiert. Dies ist gegenüber dem Vorjahr ein leichter Zuwachs von 0,3 Prozent. Der Exportumsatz sank im Jahr 2017 hingegen um 1,5 Prozent auf rund 7,9 Milliarden Euro. Insbesondere wurden weniger industrielle Vorprodukte (Kakaohalberzeugnisse und Rohmassen) produziert und exportiert.

Zu den Ursachen für den Exportrückgang gehört eine Abschwächung der Nachfrage im europäischen Binnenmarkt. Vor allem das für die Branche wichtige Exportgeschäft mit Großbritannien blieb in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 sowohl in der Menge (-6,1 Prozent) wie auch im Wert (-5,1 Prozent) deutlich hinter der Vorjahresentwicklung zurück. Der Grund für den Rückgang liegt in dem Kurssturz des britischen Pfundes nach der Brexit-Entscheidung. Rund 7 Prozent der in Deutschland produzierten Süßwaren mit einem Exportumsatz von fast 800 Millionen Euro wurden 2017 in das Vereinigte Königreich exportiert.

Die Qualität von Süßwaren «made in Germany» wird dennoch weiterhin im Ausland sehr geschätzt. Mit einem Exportanteil in der Menge von über 50 Prozent geht jede zweite Tonne deutscher Süßwaren in den Export. Rund 80 Prozent aller Süßwarenausfuhren werden in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union geliefert.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Süßwaren, Knabberartikeln und Markeneis lag im Jahr 2017 schätzungsweise bei 30,89 Kilo im Wert von 96,62 Euro. Damit blieb er im Zehnjahresvergleich in der Menge stabil (2007: 30,88 Kilo). Jeder Deutsche verzehrt pro Jahr statistisch 670 Kilo Lebensmittel (ohne Getränke). Der Anteil an Süßwaren beträgt hieran weniger als 5 Prozent.

Beschäftigtenzahl: Die deutsche Süßwarenindustrie beschäftigte als viertgrößte Branche in der Ernährungsindustrie im Jahr 2017 stabil rund 50.000 Mitarbeiter.

Ausblick 2018: Süßwarenindustrie verhalten zuversichtlich

Die Süßwarenbranche sieht im Jahr 2018 Chancen, aber auch Herausforderungen. Positiv bewertet die Branche die Beschäftigungssituation und die insgesamt gute Konsumstimmung in Deutschland. Die größten Herausforderungen stellen für die Hersteller weiterhin die volatile Situation auf wichtigen Rohstoffmärkten und die starke Handelskonzentration dar. Sorge bereitet der Branche aber auch die Unsicherheit im wichtigen Exportgeschäft. Die deutsche Süßwarenindustrie zeigt sich daher zu Jahresbeginn verhalten optimistisch.

Produkte für die kleinen Freuden im Alltag – Trends 2018

Die in Deutschland produzierten Süßwaren und Knabberartikel sind weltweit beliebt bei Jung und Alt, bei Männern und Frauen – für die kleinen Freuden im Alltag. Die Süßwarenindustrie gehört zu den besonders innovativen Branchen und wird auch in diesem Jahr eine große Vielzahl von Produktneuheiten auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln vorstellen.

Zu den Trends im Süßwarenmarkt zählen Produkte mit Pflanzenproteinen, exotischen Beeren oder Gewürzen. Im Trend liegen weiterhin Süßwaren und Knabberartikel für Vegetarier oder Veganer.

Passgenaue Produkte für individuelle Verbraucherbedürfnisse werden im Süßwarenmarkt immer wichtiger. Hierzu gehören zuckerfreie/zuckerreduzierte respektive fett- oder salzreduzierte Süßwaren und Knabberartikel, sowie Produkte in Bioqualität oder mit nachhaltig angebauten Rohstoffen. Die Verbraucher finden somit ein sehr breites Angebot an unterschiedlichsten Produkten, so dass sie ihre Ernährung nach ihren individuellen Wünschen gestalten können.

Eine große Vielzahl von Süßwaren und Knabberartikeln ist in verschiedensten Portionsgrößen erhältlich. Im Trend liegen 2018 vor allem einzeln verpackte Produkte für Single-Haushalte oder für den Genuss unterwegs.

Starkes Engagement für Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist seit langem ein zentrales Thema für die deutsche Süßwarenindustrie. Ein verantwortungsvoller und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen ist eine wichtige Säule, um die Lebensgrundlage künftiger Generationen zu erhalten. Dies gilt vor allem für den für die Branche so wichtigen Rohstoff Kakao. Ziel ist es, mehr Kakao nachhaltig zu erzeugen, nicht zuletzt, um den weltweit steigenden Bedarf auch in Zukunft decken zu können. Die Professionalisierung des Kakaoanbaus und eine damit einhergehende Verbesserung der Lebensverhältnisse von Millionen Kakaobäuerinnen und -bauern und ihren Kindern, insbesondere in Westafrika, stehen dabei im Vordergrund.

Noch vor wenigen Jahren mussten Verbraucher in Deutschland, die Schokolade aus nachhaltig angebautem Kakao kaufen wollten, lange suchen. Nur drei Prozent betrug der Anteil bei der ersten Erhebung des BDSI bei seinen Mitgliedsunternehmen im Jahr 2011. Die Situation hat sich seitdem erheblich verbessert. Derzeit liegt der Anteil an nachhaltig erzeugtem Kakao in den in Deutschland verkauften Süßwaren bereits bei 45 Prozent.

Daher hat der BDSI seine bisherigen Nachhaltigkeitsziele heraufgesetzt und empfiehlt seinen Mitgliedern, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren auf 60 Prozent im Jahr 2020 zu erhöhen. Bis zum Jahr 2025 sollte der Anteil 75 Prozent betragen. Diese Zielvorstellung ist ambitioniert und von bester Absicht der deutschen Süßwarenhersteller getragen. Sie kann aber nur durch das Zusammenwirken aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten – von den Anbauländern bis zum Verbraucher – erreicht und nicht von den Herstellern allein gewährleistet werden. Der BDSI weist auch nachdrücklich darauf hin, dass Nachhaltigkeit nicht zum Nulltarif zu haben ist.

Unterschiedliche Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen

Schokoladewaren

Die mengenmäßige Produktion von Schokoladewaren entwickelte sich nach Schätzungen des BDSI im Jahr 2017 leicht positiv. Insgesamt wurden in Deutschland zirka 1,1 Millionen Tonnen Schokoladewaren produziert. Dies entspricht einem Mengenzuwachs von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Wert stieg die Produktion um etwa 2,1 Prozent auf insgesamt 5,40 Milliarden Euro. Der Export von Schokoladewaren entwickelte sich 2017 in der Menge positiv (3,1 Prozent). Der Exportwert von Schokoladewaren stieg um zirka 2,4 Prozent. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schokoladewaren betrug 2017 schätzungsweise 9,48 Kilo.

Feine Backwaren

Die Hersteller von Feinen Backwaren verzeichneten 2017 ein leichtes Wachstum. In der Menge stieg die Produktion von Feinen Backwaren auf Basis der Schätzungen des BDSI um 1,1 Prozent. Insgesamt wurden etwa 721.000 Tonnen Feine Backwaren produziert. Im Wert konnte die Produktion einen Zuwachs um 1,2 Prozent auf gut 2,0 Milliarden Euro verbuchen. Das Saisongeschäft mit Herbst- und Weihnachtsgebäck lief September und Oktober 2017 aufgrund der Wetterbedingungen gut an und konnte insgesamt eine positive Entwicklung verzeichnen. Die Entwicklung der Exporte blieb 2017 bei den Feinen Backwaren mit einem Rückgang von 0,4 Prozent in der Menge und 1,0 Prozent im Wert hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Feinen Backwaren lag im Jahr 2017 bei schätzungsweise 7,52 Kilo.

Bonbons und Zuckerwaren

Die Hersteller von Zuckerwaren verzeichneten 2017 eine leicht positive Entwicklung. Die mengenmäßige Produktion stieg im Vergleich zu 2016 um schätzungsweise 0,4 Prozent auf 592.000 Tonnen, im Wert um 1,8 Prozent auf zirka 1,6 Milliarden Euro. Die Entwicklung der Exporte war 2017 bei den Bonbons und Zuckerwaren mit einer Zuwachsrate von 1,6 Prozent in der Menge und 3,0 Prozent im Wert deutlich positiv. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zuckerwaren lag im Jahr 2017 bei schätzungsweise 5,86 Kilo.

Knabberartikel

Die Hersteller von Knabberartikeln konnten die positive Entwicklung der Vorjahre fortsetzen und erneut leichte Zuwächse verzeichnen. Die Produktionsmenge stieg nach Schätzungen des BDSI um 1,6 Prozent auf rund 295.000 Tonnen. Im Wert konnte die Produktion ein Wachstum von 1,9 Prozent auf etwa 995 Millionen Euro verzeichnen. Die Kategorie der Salzigen Snacks gilt im deutschen Markt bereits seit Jahren als Wachstumssegment innerhalb der Süßwarenbranche. Von den großen Sportereignissen im Jahr 2018 (Olympische Winterspiele und Fußball-Weltmeisterschaft) erwarten die Hersteller von Knabberartikeln zusätzliche Impulse. Die Exporte entwickelten sich 2017 bei den Knabberartikeln mit einer Zuwachsrate von 1,8 Prozent in der Menge und 1,5 Prozent im Wert positiv. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Knabberartikeln betrug 2017 schätzungsweise 4,06 Kilo.

Kaugummi

Kaugummi erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit bei den Deutschen: Mit einer Steigerung des Verkaufsvolumens um 2,9 Prozent auf 619 Millionen Euro konnte nicht nur an den Erfolg der vergangenen Jahre angeknüpft, sondern dieser auch übertroffen werden. Kaugummikauen bringt nicht nur Freude, sondern kann auch Karies vorbeugen. Daher empfiehlt die Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) in ihrer Leitlinie zur Kariesprophylaxe, nach den Mahlzeiten zuckerfreien Kaugummi zu verzehren. Durch das Kauen wird der Speichelfluss angeregt – dieser neutralisiert kariesfördernde Plaque-Säuren und verringert die Demineralisierung des Zahnes. Somit werden gleich zwei Risikofaktoren für die Entstehung von Karies minimiert (Foto: Koelnmesse).