Freitag, 23. April 2021
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Bestanden mit Bravour: Junger Afghane glücklich über Gesellenbrief im Bäckerhandwerk

Wertingen. (hwk / eb) Zafar Moradi hat sein großes Ziel erreicht. Der 22-jährige Flüchtling aus Afghanistan hat nach drei Jahren Lehrzeit die Gesellenprüfung im Bäckerhandwerk erfolgreich abgelegt und den Arbeitsvertrag seines Ausbildungsbetriebs, der Bäckerei Wagner in Zusamaltheim, in der Tasche. Für Bäckermeister Anton Wagner ist das keine Frage, denn der sieht in dem jungen Mann nicht den Flüchtling, sondern einen tüchtigen Mitarbeiter, den er in seinem Unternehmen gut einsetzen kann. Dass Handwerksunternehmen passende Fachkräfte zur Verfügung haben, ist auch das Anliegen der Handwerkskammer für Schwaben (HWK). Sie möchte Unternehmen, die jungen Menschen mit Asylhintergrund eine Tätigkeit oder eine Ausbildung anbieten, fachmännisch unterstützen. Volker Zimmermann, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Personal bei der HWK Schwaben unterstreicht dies: «Für die Handwerkskammer steht die Unterstützung der Betriebe im Vordergrund. Das haben wir auch im Fall der Bäckerei Wagner und Herrn Moradi so gehandhabt».

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Nachdem die Bäckerei Wagner dem jungen Mann einen Ausbildungsplatz angeboten hatte, wurde ein Fachmann der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) eingeschaltet, der im Oktober 2013 ein Beratungsgespräch mit Zafar Moradi führte, der zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre in Deutschland war. Die Ausländerbehörde erteilte die Genehmigung für eine Ausbildung, die dann am 15 November 2013 begann. Bäckermeister Anton Wagner ist auch voll des Lobes über seinen frischgebackenen Gesellen, der sich sehr gut in das Team der Bäckerei Wagner einfügt. «Wir brauchen in unserem Betrieb tüchtige Fachkräfte und da spielt die Nationalität keine Rolle. Wichtig ist, dass die Kenntnisse, die Arbeitsweise und das Verhalten stimmen», betont Wagner. Der Unternehmer hofft daher, dass Moradi nun von der Agentur für Arbeit die Zustimmung erhält, weiter bei ihm zu arbeiten. Sämtliche Papiere liegen nun mit der bestandenen Prüfung vor. In die Belegschaft von Bäckermeister Wagner hat sich der Afghane gut integriert. «Zafar hat eine Unterkunft bei uns im Haus, mein Sohn hat ihm das Schwimmen beigebracht und er ist gut integriert», sagt der Bäckermeister.

Für die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) ist das Beispiel von Zafar Moradi ein schöner Erfolg. «Es ist auf jeden Fall sinnvoll Flüchtlinge durch Ausbildung und Arbeit in unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem zu integrieren. Allerdings müssen diese Menschen Voraussetzungen mitbringen, die es den Unternehmen ermöglichen sie erfolgreich auszubilden und zu beschäftigen. Daher muss schnell entschieden werden, ob die Flüchtlinge auch hier bleiben dürfen. Außerdem müssen genauso rasch die vorhandenen Kompetenzen ermittelt werden. Sprachkenntnisse, vor allem berufsbezogen, sind hier das A und O», sagt Volker Zimmermann. So muss, wer im Handwerk arbeiten möchte einfach wissen, wie die notwendigen Werkzeuge und Materialien heißen und verstehen, welche Arbeitsaufträge er zu erfüllen hat. «Eine Ausbildung ist keinesfalls ein Auffangbecken oder eine Zwischenstation, sondern hat immer das Ziel Fachkräfte hervorzubringen, die anschließend auch eingesetzt werden können», erklärt Zimmermann. Flüchtlinge, die eine Ausbildung machen möchten, brauchen daher Schulkenntnisse zum Beispiel in Mathematik, die ausreichen, um die Prüfung am Ende der Ausbildung zu bestehen. «Da gibt es keinerlei Kompromisse», sagt Zimmermann entschieden. «Eine Absenkung der Standards in den Prüfungen oder auch Prüfungen in der Muttersprache führen zu nichts».

Auch Zafar Moradi hat nichts geschenkt bekommen und seine Gesellenprüfung mit einem Notenschnitt von 2,5 absolviert. Besonders stolz ist Bäckermeister Wagner auf die Note «Gut» seines Schützlings im Schulfach Deutsch. Bleibt zu wünschen, dass Zafar Moradi aus Afghanistan, der schon so viel erlebt hat in seinem jungen Leben, jetzt die Chance erhält, sich als Bäckergeselle eine dauerhafte Existenz aufbauen zu dürfen – nach der Duldung nun endlich eine Aufenthaltsgenehmigung erhält (Foto: HWK Schwaben).