Mittwoch, 7. Dezember 2022
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BIV-Tagung: zeigt Trends für zukunftsweisende Ausbildung

Hannover. (biv) Die Auszubildenden rücken immer mehr in den Fokus der Wirtschaft. Der Wettbewerb um «die besten Köpfe» unter den Schulabsolventen nimmt zu. Das niedersächsisch-bremische Bäckerhandwerk (BIV) hat das zum Thema seiner Berufsbildungstagung gemacht: «Ausbildung im Bäckerhandwerk in gemeinsamer Verantwortung von Betrieb und Berufsschule».

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Wilhelm Wolke erläuterte den rund 100 Teilnehmern – ausbildende Bäckermeister und Lehrkräfte aus Berufsschulen (BBS) – zusätzliche Fördermöglichkeiten in der Bäcker/innen- und Fachverkäufer/innen-Ausbildung. Schwächere Zwischenprüflinge können jetzt ein Nachhilfeangebot des Bäckerinnungs-Verbands (wahrnehmen. Sehr guten Lehrlingen werde eine zusätzliche Förderung ermöglicht. Die Leitung der Seminare liegt bei Wolfgang Becker von der BBS II Hildesheim. Sie stehen nur BIV-Mitgliedern offen.

Dass Schulnoten nicht mehr als Topkriterium bei der Auswahl guter Lehrlinge gelten, zeigte Winfried Fletschinger, Ausbildungsleiter der süddeutschen «K+U Stadtbäckerei». Der Großbetrieb (700 Filialen, 4.000 Mitarbeitende, 350 Azubis) erachtet soziale Kompetenz für wichtiger als Zeugnisse oder sorgsam gestylte Bewerbungsmappen. Die jährlich annähernd 2.000 Bewerber zeigen bei einem EDV-Test, über welches Potenzial sie zum Beispiel bei Motivation, Gewissenhaftigkeit, Arbeitsund sozialer Intelligenz verfügen. Die Computer-Analyse lasse zusammen mit einem knapp einwöchigen Praktikum gute Rückschlüsse auf nicht so offensichtliche, aber wichtige Eigenschaften wie Loyalität und Integrität zu. Wertschätzung und Vertrauen im gegenseitigen Miteinander stehe beim K+U-Ausbildungskonzept im Vordergrund.

Moderne Informationstechnologie setzt auch der Landesinnungsverband des Fleischerhandwerks Niedersachsen/ Bremen/ Sachsen-Anhalt für die Lehrlingsförderung ein. Der Verband hat die Prüfungsinhalte der Lehrlingsausbildung in einem Lehrfilm zusammengefasst. So können sich Azubis besser über die Abläufe in Prüfungen informieren und zudem eventuell vorhandenes Lampenfieber ablegen, sagte Lehrlingswart Franz Mandel. Dies gelte ebenso für die Prüfungsausschüsse, betonte der Lehrlingswart.

Einem optimierten Prüfungsablauf dient auch das Projekt «Prüfung 2000 plus», das Dr. Carl-Michael Vogt vorstellte, Abteilungsleiter Berufsbildung an der Handwerkskammer Hannover. Es wird mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Universität Köln von einem Expertenteam aus sechs Handwerkskammern entwickelt. Ziel ist es, mit speziellen Formularhilfen, Handlungstipps, Checklisten, Mustern und Verhaltensempfehlungen Prüfungsabläufe besser zu gestalten, wobei vor allem der Prüfling im Mittelpunkt stehen soll.

Weil die Persönlichkeitsentwicklung der Azubis fürs spätere Arbeitsleben immer wichtiger wird, setzt das Land Niedersachsen EU-Gelder zur Förderung interkultureller Kompetenz ein. Das «Netzwerk Mobilität» (NeMo) unterstützt junge Menschen bei Auslandspraktika während der Ausbildungszeit. Einziger handwerklicher Projektpartner auf Fachverbandsseite ist der BIV. Vier Handwerkskammern und 15 Berufsschulen engagieren sich ebenfalls. Barbara Paulmann vom Kultusministerium berichtete unter anderem, dass das derzeitige Projekt zur Förderung der Mobilität mit französischen und deutschen Berufsschülern noch bis zum 30. Juni 2010 läuft.

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