Samstag, 18. September 2021
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Brasilien: Die Arabica-Kaffee-Ernte sinkt um 42 Prozent

Bremerhaven. (eb) Für Investoren wird der Handel mit Rohkaffee immer attraktiver, weil die Nachfrage das Angebot zunehmend übersteigt. Die schlimmste Dürre seit mehr als 100 Jahren hat den Kaffeeproduzenten in Brasilien schwer zugesetzt, berichtet der «Foreign Agricultural Service» im United States Department of Agriculture (USDA FAS) in seiner Betrachtung für Juni 2021. Jetzt stelle sich die Frage, ob und wie die Preise aufgrund des mangelnden Angebots in die Höhe schnellen. Hinzu kommen die bekannten Einschränkungen auf den Plantagen im Zuge der Covid-19-Pandemie und weitere Stilllegungen im Zuge des sich weltweit ausbreitenden Delta-Stamms des Corona-Virus.

Nach Angaben von USDA FAS wird die Weltkaffeeproduktion für das Erntejahr 2021/2022 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Millionen Säcke auf insgesamt 164,8 Millionen sinken. Im Erntejahr 2020/2021 betrug die Menge demnach 175,8 Millionen Säcke von je 60 Kilogramm. In Prozent ausgedrückt wird die Rohkaffeeernte demnach um 9,37 Prozent fallen (164,8 : 1,758 = 9,37).

Die Verschiebungen in der Weltkaffeeproduktion haben 2021/2022 zur Folge, dass zwar ausreichend Robusta-Sorten zur Verfügung stehen werden. Das Angebot an edlen Arabica-Bohnen hingegen wird deutlich zurückgehen. Lässt man die (großen) Probleme außen vor, die Covid-19 in Brasilien verursacht, ergibt sich ein kombinierter Effekt für die Ernte 2021/2022 wie folgt:

Die Arabica-Bäume in Brasilien treten alle zwei Jahre in den Produktionszyklus ein und 2021 ist demnach in diesem Zyklus nicht das beste Erntejahr. Hinzu kommt eine (durch den Klimawandel verursachte) anhaltende Dürre in Brasilien, die nach USDA-FAS-Angaben zu den schlimmsten in diesem Jahrhundert gehört. Insgesamt sinkt dadurch die brasilianische Arabica-Kaffee-Ernte im Vergleich zur letzten Saison um 42 Prozent – während die Robusta-Kaffee-Ernte in Vietnam um 5,8 Prozent gestiegen ist und die Produktion in Äthiopien 2021 voraussichtlich um 2,0 Prozent steigen wird.

Gleichzeitig berichtet USDA FAS, dass der weltweite Kaffeekonsum in der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und in Brasilien im Jahr 2020 um 1,1 Prozent gestiegen ist.

Alles deutet darauf hin, dass Kaffee teurer wird. Das bedeutet aber nicht, dass der Kaffeepreis im Einzelhandel ungeahnte Höhen erreichen muss. Er wird schlicht «höher» sein. Er wird aber nicht so hoch sein, wie vielleicht vor gut zehn Jahren. Vietnam als Kaffeeproduzent hat heute ein anderes Gewicht als noch vor zehn Jahren. Auch Indien gehört heute zu den erwähnenswerten Exporteuren sowie Äthiopien. Verlierer ist in dieser Saison eindeutig Brasilien und es bleibt abzuwarten, ob sich das Land verlorene Marktanteile in Zukunft wird zurückholen können.

Download: Coffee: World Markets and Trade – Juni 2021 – United States Department of Agriculture Foreign Agricultural Service – inklusive Tabellen wie folgt:

202106-USDA-FAS-COFFEE
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