Donnerstag, 18. Juli 2024
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DBV: Getreideernte 2023 immer noch Zitterpartie für die Bauern

Berlin. (dbv) Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht in einer vorläufigen Erntebilanz in diesem Jahr von einer unterdurchschnittlichen Getreideernte aus. Nach jetzigem Stand sei es fraglich, ob die 40 Millionen Tonnen-Marke beim Getreide noch erreicht werden kann. Dies wäre deutlich weniger als im letzten Jahr (43 Millionen Tonnen). Die Mengen und Qualitäten haben unter dem wochenlangen Regen teilweise stark gelitten. Nach den bisher vorliegenden Zahlen werden die Erträge beim Weizen, der bedeutendsten Kultur, deutlich unter denen des Vorjahrs liegen. Nur bei der Wintergerste, die noch vor der Regenperiode eingebracht werden konnte, liegt die Erntemenge mit 9,5 Millionen Tonnen deutlich über der des Vorjahrs (8,7 Millionen Tonnen). Die diesjährige Winterrapsernte liegt mit einem geschätzten Ertrag von 35,1 Doppelzentner je Hektar deutlich unter dem Niveau des Vorjahrs (39,6 Doppelzentner je Hektar). Trotz der Ausweitung der Flächen um rund 80 Tausend Hektar sinkt die Gesamterntemenge auf 4,07 Millionen Tonnen (Vorjahr 4,28 Millionen Tonnen).

Aus Sicht von DBV-Präsident Joachim Rukwied ist die Ernte 2023 eine echte Zitterpartie: «Ein nasses Frühjahr, gefolgt von Trockenheit im Mai und Juni und eine ständig durch Niederschläge unterbrochene Ernte stellen Deutschlands Bauern in diesem Jahr vor gewaltige Herausforderungen. Die Bauern haben in den letzten Tagen und Wochen enorm viel geleistet, um ihre Ernte einzubringen. Nach derzeitigem Stand erwarten wir auf Grund der schwierigen Wetterbedingungen in diesem Jahr eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Durch die lange Regenperiode müssen wir deutliche Mengen- und Qualitätsverluste hinnehmen. Der diesjährige Witterungsverlauf zeigt aufs Neue die deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. Wir müssen alles dafür tun, um zukünftig unsere Erträge und die Ernährung sichern zu können. Dafür brauchen wir verschiedene Möglichkeiten zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen. Dazu gehören unter anderem die Züchtung resilienter Pflanzensorten, eine breite Palette an Wirkstoffen für den Pflanzenschutz, wassersparende und konservierende Bodenbearbeitung und die gezielte Förderung einer Bewässerungsinfrastruktur.»

Die Getreideernte ist bis zuletzt durch die ergiebigen und häufigen Regenfälle in weiten Teilen des Lands immer wieder ausgebremst worden. Noch immer steht in einigen Regionen Weizen auf dem Halm, der längst hätte geerntet werden müssen. Regen und Sturm haben teils deutlich sichtbare Schäden in den Beständen hinterlassen, was zu einer Minderung der Erntemengen und der Qualitäten führt. Den Herbstkulturen hingegen, wie etwa Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Gemüse haben die Regenfälle gut getan. Beim Wein wird ein guter Jahrgang erwartet.

Kritisch blickt Rukwied auch auf die derzeitige Marktlage: «Die russische Blockade ukrainischer Getreidelieferungen schafft eine paradoxe Situation: Zum einen ist die Versorgungslage am Weltmarkt nach wie vor angespannt – darunter leiden vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer in Afrika, im Nahen Osten und in Asien. Zum anderen drängt die Ware in die angrenzenden europäischen Länder und sorgt für starken regionalen Preisdruck. Wir müssen alles dafür tun, dass der Transit durch Europa funktioniert und der Seeweg wieder in Gang kommt, damit das ukrainische Getreide dort ankommt, wo es gebraucht wird.»

Der DBV-Erntebericht ist eine Hochrechnung und basiert auf Meldungen aus den 18 Landesverbänden über die tatsächlich geernteten Flächen und erzielten Erträge (Foto: pixabay.com).