Dienstag, 4. Oktober 2022
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Destatis: Das horten die Deutschen in Krisenzeiten

Wiesbaden. (destatis) Aufgrund der hohen Nachfrage nach Speiseöl und Mehl seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 haben viele Einzelhändler die Abgabe dieser Produkte rationiert. Eine Sonderauswertung experimenteller Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt die stark steigenden Verkaufszahlen für Mehl und Speiseöl ab der 8. Kalenderwoche vom 21. bis 27. Februar 2022. So war die Nachfrage nach Speiseöl in der 10. Kalenderwoche (07. bis 13. März 2022) mehr als doppelt so hoch (+123 Prozent) wie ein knappes halbes Jahr zuvor im September 2021. Die Nachfrage nach Mehl hat sich im gleichen Vergleichszeitraum verdreifacht (+206 Prozent).

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Der Anstieg lässt sich mit Beginn des Krieges in der Ukraine in Verbindung bringen, weil solche Sprünge bei den Verkaufszahlen im vergangenen Halbjahr ausgeblieben sind. Die erhöhte Nachfrage nach Mehl im letzten Drittel des Jahres 2021 lässt sich auf die Vorweihnachtszeit zurückführen.

In der 11. Kalenderwoche (14. bis zum 20. März 2022) sanken die Verkaufszahlen für Mehl und Speiseöl im Vergleich zur Vorwoche. Die Menge an verkauftem Speiseöl ging um 22 Prozent zurück, während 19 Prozent weniger Mehl abgesetzt wurde. Ob dieser Rückgang mit einer gesunkenen Nachfrage in der Bevölkerung zu erklären ist, oder ob die Händler des Lebensmitteleinzelhandels die Regale nicht mehr befüllen konnten, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg in der Ukraine war der Absatz beider Produkte in der 11. Kalenderwoche aber noch deutlich erhöht. So setzten Lebensmittel-Einzelhändler knapp zweieinhalb Mal so viel Mehl (+148 Prozent) und knapp drei Viertel mehr Speiseöl (+73 Prozent) ab als im September 2021. Diese Zahlen sprechen gegen eine großflächige Unterversorgung in Deutschland. Als es zu Beginn der Corona Pandemie 2020 zu einer ähnlich erhöhten Nachfrage von Produkten wie Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Seife gekommen war, hatten die Schwankungen der Absatzmengen für die meisten «Krisengüter» etwa zehn Wochen angedauert (TitelFoto: pixabay.com).

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