Samstag, 18. September 2021
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Deutschlands Bioökonomie wirtschaftet noch auf zu großem Fuß

Kassel. (uni) Für eine nachhaltigere Wirtschaft setzten Länder zunehmend auf die Förderung der Bioökonomie, die sich mit der Produktion, Verarbeitung oder dem Verbrauch von Produkten auf pflanzlicher und tierischer Basis befasst. Unklar ist bisher jedoch, wie nachhaltig diese wirklich ist. Das von der Universität Kassel koordinierte Forschungsprojekt Symobio entwickelte deshalb wichtige Bausteine für ein Monitoring.

Dafür ermittelte das Center for Environmental Systems Research (CESR) der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Bringezu in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung und dem Ökoinstitut die globalen ökologischen und sozioökonomischen Fußabdrücke der deutschen Bioökonomie von 2000 bis 2015. Weiterhin wurde eine Prognose der Entwicklung bis 2030 erstellt. Das Ergebnis: Der bioökonomische Fußabdruck Deutschlands ist zu hoch und belastet andere Staaten.

In der Landwirtschaft lag 2015 der deutsche Verbrauch an Biomasse 81 Prozent über dem globalen Durchschnitt. Auch fand der größere Teil der Ernte für die in Deutschland konsumierten Agrarprodukte im Ausland statt. Um den deutschen Verbrauch zu decken, wird im Ausland drei Mal so viel Acker- und Weidefläche benötigt, wie hierzulande bereits bewirtschaftet wird. Die Folge war die Abholzung von Wäldern für neue Agrarflächen in anderen Ländern. Dabei wird ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Produktion für Futtermittel verwendet. Bis zum Jahr 2030 sagen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einen Rückgang der weltweit von Deutschland belegten Agrarfläche voraus. Grund hierfür ist der leicht sinkende Fleischkonsum. Dennoch wird erwartet, dass 2030 ohne weitere Maßnahmen zum ressourcenschonenden Verbrauch die Inanspruchnahme von Ackerflächen über dem Weltdurchschnitt und einem nachhaltigen Niveau liegen dürfte.

Auch beim Wasserverbrauch belastet der deutsche Konsum ausländische Quellen. Dies betrifft die Bewässerung von Agrarflächen, auf denen Kulturen für den Export angebaut werden. Jedoch gehen die Wissenschaftler hier von einem Rückgang bis 2030 aus. Hauptsächlich liegt das an der sinkenden Nachfrage nach Baumwollprodukten, die 2000 noch 31 Prozent des Wasserverbrauchs ausmachten. 2015 lag dieser Anteil nur noch bei 14 Prozent. Zwar sinkt die Menge des Wasserfußabdrucks, doch wird der Anteil an Bezügen aus Regionen mit Wasserknappheit steigen. Dadurch trägt Deutschland indirekt zu dieser Wasserknappheit bei.

Im Bereich Klima liegt die Belastung durch den heimischen Verbrauch pro Person doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Der Anteil der deutschen Bioökonomie macht 18-20 Prozent des Klimafußabdrucks der gesamten Wirtschaft aus. Demgegenüber trägt sie nur 10 Prozent zur Beschäftigung und 8 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Die gesamte Publikation finden Interessenten hier auf dem Nature-Server. Weitere Informationen zur deutschen Bioökonomie gibt es auf den Webseiten der Universität Kassel.