Samstag, 10. Dezember 2022
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Diebstahl: 1,30 Euro reichen für fristlose Kündigung

Berlin. (wib) Arbeitnehmer dürfen fristlos gekündigt werden, auch wenn sie nur eine Kleinigkeit stibitzen. Das hat das Landesarbeitsgericht Berlin entschieden (LAG Berlin, Az. 7 Sa 2017/08). Demnach ist eine fristlose Kündigung wegen Vertrauensverlusts auch bei geringfügigem Schaden gerechtfertigt. Die Richter folgten damit der Auffassung des Bundesarbeitsgerichts, das in Fällen von Betrug, Diebstahl und persönlicher Bereicherung unnachgiebig sei: Auch bei geringfügigen Vermögensdelikten liege ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vor. Im konkreten Fall hatte eine Kassiererin, seit 1977 in einem Supermarkt beschäftigt, zwei Leergutbons im Wert von 0,48 Euro und 0,82 Euro entwendet. Sie wurde fristlos entlassen und klagte dagegen an wegen Geringfügigkeit. Die Richter hielten ihr daraufhin vor, dass von einer Kassiererin «unbedingte Zuverlässigkeit und absolute Korrektheit» zu erwarten seien. Zudem habe die Kassiererin versucht, ihre eigene Schuld auf Kollegen abzuwälzen. Damit habe die Arbeitnehmerin das Vertrauensverhältnis nicht nur zum Arbeitgeber, sondern auch zu den Kollegen zerstört. Ihnen sei eine weitere Zusammenarbeit nicht zuzumuten. Dieser Umstand habe verschärfend zum harten Urteil beigetragen – gegen das der Anwalt der Klägerin eine Beschwerde beim Verfassungsgericht ankündigte.

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