Dienstag, 26. Oktober 2021
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DRV: Ernte 2021 weitgehend auf der Zielgeraden

Bremerhaven. (eb) An der Küste sind die Menschen «wildes Wetter» gewohnt. Das heißt, dass drei Jahreszeiten an einem Tag nichts Besonderes sind. Zum Repertoire des unbeständigen Nordseewetters gehören auch plötzliche Temperaturschwankungen von zehn bis 15 Grad binnen Minuten – und dann wieder retour. Nicht zu vergessen das laue Lüftchen, das unversehens auffrischen kann und in orkanartigen Böen die Straßen unsicher macht. Zieht sich ein Sturm über Tage, müssen kleine Hunde unbedingt beschwert werden oder an der Leine geführt, weil sie sonst davon geweht würden.

An diesem Montag streifte ein Sturm den Nordwesten der Republik, der in Erinnerung bleibt. In Bremerhaven brachten orkanartige Böen so viel Wasser vom Himmel, wie das kaum zu glauben war. Sturzregen über viele Stunden. Brummend und mit Druck aufs Land gepresst bei 15° Celsius. Beunruhigend ist das nicht, so lange man ein Dach über den Kopf hat und die Fluttore in Sichtweite sind – die ja nicht nur vor Fluten schützen, sondern als Ventile in beide Richtungen wirken können. Weniger Glück hatten die Menschen im nördlichen Kreis Aurich, wo ein vom Deutschen Wetterdienst bestätigter Tornado seine Bahn zog und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. 50 solide Backsteinhäuser sind nun teils schwer beschädigt, manche unbewohnbar. Es bleibe abzuwarten, wie viele Häuser nach statischer Prüfung abgerissen werden müssten – berichtete der Norddeutsche Rundfunk am 17. August 2021.

Ebenfalls am 17. August veröffentlichte der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine jüngste Schätzung zur Ernte 2021. Für die backenden Branchen von besonderem Interesse: Wie geht es dem Brotgetreide? Nichts Genaues weiß auch der DRV-Getreideexperte nicht. Doch er scheint sicher zu sein, dass sich die Ernte 2021 nunmehr auf der Zielgeraden befindet. Seine Beurteilung vom 17. August:

Ernte 2021 auf der Zielgeraden

«Die warme und trockene Witterung der letzten Tage hat für einen zügigen Fortschritt bei der Ernte gesorgt», erklärt Guido Seedler, Getreidemarktexperte des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Die Ernte befindet sich auf der Zielgeraden, nur in Höhenlagen und in Spätdruschgebieten stehen noch nennenswerte Mengen auf dem Halm. Die Erträge bleiben allerdings in vielen Fällen hinter den Erwartungen zurück. Das kalte Frühjahr hemmte zunächst das Pflanzenwachstum und wurde in weiten Teilen Deutschlands von einer Hitzeperiode abgelöst. Diese traf die Bestände in der sensiblen Kornfüllungsphase. «Die hohen Temperaturen nahezu ohne Niederschläge haben besonders im Osten zu kleinen Ähren und Getreidekörnern geführt», ergänzt Seedler. Vor diesem Hintergrund hat der DRV seine Ernteprognose beim Getreide auf 42,9 Millionen Tonnen und beim Raps auf 3,5 Millionen Tonnen nach unten angepasst. «Damit erzielen wir beim Getreide ein knapp durchschnittliches Ergebnis, beim Raps erreichen wir das Vorjahresniveau», schätzt der DRV-Experte.

Auch in Europa und anderen wichtigen Getreideanbaugebieten der Welt werden die erwarteten Erntemengen nicht erreicht. Besonders Kanada und Russland haben ihre Prognosen witterungsbedingt zum Teil deutlich reduziert. Zum fünften Mal in Folge dürfte die weltweite Getreideproduktion die laufend steigende Nachfrage nicht decken können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lagerbestände in den letzten Jahren als Folge der starken Nachfrage ebenfalls gesunken sind. Anlass zur Sorge um eine ausreichende Versorgung mit Getreide am heimischen Markt besteht allerdings nicht. Mit der vorliegenden Meldung beendet der DRV seine Ernteschätzungen für das Jahr 2021.

Ergänzung vom Deutschen Bauernverband

Nach der Flutkatastrophe im Juli, die auch Landwirte im Westen Deutschlands hart getroffen hat, hat der Deutsche Bauernverband gemeinsam mit der Schorlemer Stiftung einen Spendenaufruf initiiert. Gemeinsam mit dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband und den Hilfsorganisationen LandsAid und ADRA wird nun mit den ersten Auszahlungen an die schwerstbetroffenen Betriebe begonnen. Es stehen derzeit insgesamt über 5 Millionen Euro für die Soforthilfe zur Verfügung. Für die Auszahlung der Hilfen gibt es klare Regeln und Kriterien. Die Betriebe stellen einen Antrag auf Soforthilfe bei ihren zuständigen Kreisbauernverbänden (Foto: pixabay.com).