Sonntag, 13. Juni 2021
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Edeka Minden-Hannover: Backwaren entwickeln sich stabil

Minden. (ez) Das Pandemie-Jahr 2020 ist das Jahr, in dem backende Betriebe jeder Größenordnung ihre Stärken und Schwächen neu kennenlernten. Von jetzt auf gleich waren die Spielregeln verändert. Zeit zum Zurücklehnen blieb kaum. Welchen Einfluss hat Covid-19 auf welches Standbein? Wie berechenbar ist die neue Situation? Auch für die Schäfer’s Brot- und Kuchenspezialitäten GmbH, Produktionsgesellschaft der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover, führte die Corona-Pandemie zu weitreichenden Veränderungen – wie dem Geschäftsbericht 2020 der Regionalgesellschaft zu entnehmen ist.

Besonders zu Beginn stellten stark schwankende Absatzmengen die Backwarenproduktion vor neue Herausforderungen. Im Zuge des ersten Lockdowns zwischen März und Mai 2020 wandelte sich das Konsumverhalten der Verbraucher spürbar. Die Kundenfrequenz an den Backwaren- Bedientheken und in den SB-Marktbäckereien ging spürbar zurück. Somit wurden tagesfrische Backwaren deutlich weniger nachgefragt – die Einschränkung respektive Schließung der Sitzbereiche verstärkte dies noch. Verpackte Backwaren hingegen, besonders aus SB-Regalen, sowie tiefgekühlte Produkte rückten in den Vordergrund. Trotz leichter Erholung des Bedientheken-Geschäfts sowie bei den SB-Marktbäckereien bis Ende Oktober waren ab November, im Verlauf des zweiten Lockdowns, vergleichbar negative Absatz-Entwicklungen festzustellen. Der Backwarenumsatz der Schäfer’s-Produktionsgesellschaften entwickelte sich in der Gesamtbetrachtung aber nahezu stabil. Er belief sich 2020 auf 151 Millionen Euro, ein leichter Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, heißt es im Bericht.

Bereits zu Beginn der Pandemie hatte Schäfer’s den sich abzeichnenden Trend zu verpackter Ware erkannt und das Sortiment verpackter Brötchen und Kuchen – besonders für die SB-Marktbäckereien – deutlich ausgeweitet. Zudem wurden die Verpackungen optimiert und damit die Produktsicherheit erhöht und die Frische verbessert. Durch die eigene Produktion der Brotmengen für die SB-Marktbäckereien, die zuvor durch den Wettbewerb geliefert wurden, sowie durch konsequentes Kostenmanagement in der Backwaren-Produktion und -Logistik konnten Umsatzverluste zu großen Teilen kompensiert werden.

Gezielte Impulse im Backwarensortiment

Das Erreichen der vollen Leistungsfähigkeit im Schäfer’s- Werk in Lehrte trug im zurückliegenden Geschäftsjahr ebenfalls dazu bei, dass sich die Backwarensparte gut im weiterhin umkämpften Wettbewerb behaupten konnte. Mit optimierten Prozessen und Verpackungen konnte eine verbesserte Frische erreicht werden, die Brot- und Kuchenmengen und daran geknüpft die Warendistribution für SB-Marktbäckereien wurde deutlich erhöht.

Ein weiterer Schwerpunkt des letzten Jahres lag auf der Neuentwicklung von mehr als 30 Produkten aus allen Warengruppen (Brot, Brötchen, Kuchen/Gebäck). So wurden zum Beispiel neue Artikel wie die Laugenecke, das Kartoffelbrötchen, der Marmorkuchen oder auch der Berliner Himbeer-Glitter erfolgreich im Sortiment gelistet, um zusätzliche Kaufimpulse bei tagesfrischen Kuchen und Gebäcken zu setzen sowie bestehende Wettbewerbsartikel im Bereich Tiefkühl-Brötchen abzulösen.

Parallel dazu initiierte Schäfer’s verschiedene Projekte mit dem Ziel, das Dienstleistungsangebot für die Einzelhandelsstandorte im Absatzgebiet der Edeka Minden-Hannover stetig zu optimieren. So werden im Rahmen der Sortimentsoptimierung die Sortimentswechsel jetzt effizienter gestaltet und Top-Artikel rücken stärker in den Fokus der Verbraucher, wovon die Warenpräsentation insgesamt profitiert.

Zudem zielt die automatische Bestellprognose darauf ab, potenzielle Regallücken sowie Retouren und Abschriften zu reduzieren. Und das bei gleichzeitig geringerem Aufwand für die Disposition im Einzelhandel. Auf Basis erfolgreicher Testläufe in beiden Projekten wird im laufenden Geschäftsjahr mit der flächendeckenden Umsetzung der Sortimentsoptimierungen sowie der Vorbereitung der Umsetzung der automatisierten Bestellprognose angefangen.

Prozesskette wird insgesamt transparenter …

Mit Einführung des mobilen Personal Digital Assistant (PDA) für Lkw-Fahrer in der Schäfer’s-Logistik werden seit dem vergangenen Geschäftsjahr die Bewegungen verschiedener Transportmittel wie zum Beispiel Stikkenwagen mit Backwarenblechen oder Brotkörben systemisch abgebildet. Durch diese schon von der Edeka-Logistik bekannte Lösung erhöhen sich sowohl die Prozesssicherheit als auch die Transparenz der Abläufe deutlich.

Flankierend dazu wurde auf Grundlage einer erfolgreichen Konzeption im IT-Bereich die Einführung von »Backpro« bis Ende 2022 beschlossen. Dabei handelt es sich um ein neues, ganzheitlich angelegtes Warenwirtschaftssystem, das die Leistungsfähigkeit und Transparenz innerhalb der gesamten Schäfer’s-Prozesskette erhöhen und zugleich die Kosteneffizienz weiter steigern wird.

… und immer nachhaltiger.

Der Standort Osterweddingen II wurde im November 2020 nach den RSPO-Richtlinien (Roundtable on Sustainable Palm Oil) für den Einsatz nachhaltigen Palmöls zertifiziert. Die Zertifizierung für das Lieferkettenmodell »Segregated« stellt sicher, dass das in den Produkten verarbeitete Palmöl aus einer Lieferkette stammt, die zu 100 Prozent RSPO-zertifiziert ist.

Energiemanagement weiterentwickelt

Ende November 2020 stellten die Schäfer’s-Produktionsbetriebe ihr Energiemanagement von der Norm ISO 50001:2011 auf ISO 50001:2018 Higher Level um. Am Produktionsstandort Osterweddingen II wurde darüber hinaus die Einführung des Lastmanagements erfolgreich abgeschlossen. Durch Verringerung von Lastspitzen um mindestens 20 Prozent konnten Netzentgelte eingespart und dadurch die Gesamtstromkosten reduziert werden. Weitere Optimierungsmaßnahmen wie zum Beispiel die Temperaturerhöhung im Tiefkühllager sorgten dafür, dass insgesamt 1.675 Kilowattstungen eingespart wurden, das entspricht dem CO2-Äquivalent von 671 Kilogramm pro Woche. Zugleich konnte der Wirkungsgrad der bereits 2017 installierten Anlage zur Wärmerückgewinnung durch Verbesserungen in der Steuerung um 25 Prozent gesteigert werden.

Durch die Anpassung von Verpackungseinheiten sowie die Optimierung von Reinigungs- und Rüstzeiten reduzierten sich im Berichtsjahr zudem die Produktionsabfälle, bezogen auf die produzierte Menge, noch einmal deutlich (minus 60,8 Prozent).

Verbrauchertrends fest im Blick

Sicher ist: Der Trend zu verpackter Ware wird im laufenden Geschäftsjahr anhalten. Vor diesem Hintergrund investiert die Schäfer’s-Produktion in zusätzliche Verpackungsanlagen. Diese Entwicklung macht sich auch in der Gestaltung des Sortiments bemerkbar: Das Angebot an vorverpackten, halbgebackenen Brötchen für die SB-Marktbäckereien sowie der neu zu erschließende Vertriebskanal Tiefkühltruhe wird ausgebaut. Hinzu kommt verpackter frischer Kuchen, dessen Verfügbarkeit erweitert und die Verpackungen sowie die Frischhaltung weiter optimiert werden.

Im Logistik-Bereich nimmt das Projekt Anlieferzeitfenster eine zentrale Rolle ein. Ziel ist die Flexibilisierung der Tourenplanung durch Öffnung der Anlieferzeitfenster besonders in die Nacht hinein.

Der 2020 temporär stillgelegte Standort Osterweddingen I wird im laufenden Geschäftsjahr zur Produktionsstätte für Bio-Brötchen, -Brote und -Baguettes umgebaut. Damit geht die Schäfer’s-Produktion verstärkt auch auf die Verbrauchertrends zu nachhaltigeren Lebensstilen und ausgewogener Ernährung ein. Bereits ab 2022 sollen alle Backwaren-Vertriebskanäle mit hochwertigen Bio-Backwaren beliefert werden. Schon jetzt bietet Schäfer’s hochwertige Bio-Produke in 131 Schäfer’s-Filialen, 227 Edeka-Märkten, 94 Edeka Centern und 25 Marktkauf-Häusern von externen Lieferanten an. Insgesamt gewinnt der Themenkomplex »Nachhaltigkeit« für Schäfer’s immer stärker an Bedeutung. Somit zahlt auch die Schäfer’s-Produktion auf das Jahresmotto der Edeka Minden-Hannover »Wir + Jetzt für mehr Nachhaltigkeit« ein.

Neues Konzept: DANIELS by Schäfers

Die Vertriebsgesellschaft Schäfer’s Brot und Kuchen entwickelte im letzten Geschäftsjahr ein neues Konzept, das die Stärken und Erfahrungen aus den Schäfer’s- Fachgeschäften mit einem hohen Anteil an Gastronomie kombiniert. Ganz neu dabei ist das zusätzliche Angebot eines Drive-in-Schalters, das am Standort Bitterfeld umgesetzt wurde – gerade vor dem Hintergrund von Kontaktbeschränkungen und Lockdown wurde dieser Service sehr gut angenommen. Ein Highlight aus dem Sortiment der Genussstation ist der eigens entwickelte DANIELS-Kaffee in 100-prozentiger FairTrade- und Bio-Qualität. Die handwerkliche Zubereitung am Siebträger rundet das Konzept ab.

DANIELS by Schäfers ging erstmals im Dezember 2020 mit dem Standort in Bitterfeld an den Start. Kurz darauf folgte Anfang Januar 2021 bereits die zweite Genussstation nach diesem Konzept in Hannover-Wettbergen. Beide DANIELS-Geschäfte sind sogenannte »Freestander«-Standorte an stark befahrenen Verkehrsknotenpunkten. Namensgeber für das neue Kaffeehaus-Konzept ist übrigens Daniel Rennekamp, der Begründer von Schäfer’s Brot und Kuchen. Dieser hatte 1898 in Porta Westfalica-Kleinenbremen nicht nur eine Bäckerei eröffnet, er schuf auch einen Treffpunkt im Ort. Wer wollte, konnte damals seinen Brot- und Kuchenteig dorthin mitbringen und backen lassen (Foto: pikrepo.com).