Sonntag, 7. März 2021
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EHI: über die Inventurdifferenzen 2017

Köln. (ehi) Sicherheitsmaßnahmen und Ladendiebstahl beschäftigen den Einzelhandel so lange, wie es ihn gibt. Und das ist auch bitter nötig, denn trotz Warensicherung und Personalschulungen wird im Handel nach wie vor alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Rechnet man den Schaden durch organisatorische Mängel hinzu, summieren sich die gesamten Inventurdifferenzen auf rund vier Milliarden Euro – schreibt das EHI Retail Institute zu seiner Studie «Inventurdifferenzen 2017».

Unehrliche Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter

Der Anteil der Verluste durch Diebstähle seitens der Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Servicekräfte beträgt rund 3,4 Milliarden Euro. Den Großteil davon verursachen mit 2,26 Mrd. Euro unehrliche Kunden. Die zweite Stelle im Diebstahlranking nehmen die Mitarbeiter mit rund 820 Mio. Euro ein und Servicekräfte entwenden Waren im Wert von ca. 300 Mio. Euro. Ein weiterer Posten der Inventurdifferenzen – 640 Mio. Euro – entsteht durch organisatorische Mängel wie falsche Produktauszeichnungen. Hinzu kommen Investitionen von jährlich rund 1,3 Milliarden Euro, das sind 0,3 Prozent vom Umsatz, in Präventions- und Sicherungsmaßnahmen, um seine Waren vor Diebstählen zu schützen. Insgesamt gehen dem Handel damit durch Inventurdifferenzen und Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen rund 1,3 Prozent seines Umsatzes verloren.

Statistisch gesehen bedient sich jeder Deutsche jährlich an Waren im Wert von 27 Euro im Einzelhandel, ohne zu bezahlen. Auf den Lebensmittelhandel projiziert bedeutet dies, dass nach wie vor rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert. Allein der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden durch Mehrwertsteuerausfälle beläuft sich auf rund 460 Millionen Euro im Jahr.

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Dramatischer Anstieg bei schwerem Ladendiebstahl

Die Zahl der einfachen Ladendiebstähle ist seit 1997 nahezu kontinuierlich gesunken, allerdings hat sich die der schweren Ladendiebstähle, bei denen Sicherheitsetiketten entfernt oder verschlossene Vitrinen aufgebrochen werden müssen, in den letzten neun Jahren fast verdreifacht. Die polizeiliche Kriminalstatistik mit einer Dunkelziffer von über 98 Prozent besitzt dabei nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Aus dem durchschnittlichen Schaden der angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich rechnerisch rund 26 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 83 Euro unentdeckt bleiben. Die Erfahrungen der Händler zeigen, dass Diebstähle immer häufiger in organisierter Form durchgeführt werden. Die Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor. Durch Diebesbanden entfällt nach EHI-Schätzungen wertmäßig rund ein Viertel aller Ladendiebstähle auf Bandendiebstähle und organisierte Kriminalität.

Diebstahlrenner

Am beliebtesten bei Dieben sind teure und leicht verstaubare Produkte oder Prestige-trächtige Markenartikel. Im LEH sind dies Parfüm, Kosmetik, Spirituosen, Rasierklingen, Tabakwaren. Der Textilhandel klagt in erster Linie über entwendete hochwertige Markenbekleidung, Accessoires, Lederjacken, oder Taschen. Und im Elektrohandel sind es Multimedia/Tonträger/Konsolenspiele, Smartphones und Zubehör sowie Speichermedien.

Datenbasis

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 97 Unternehmen respektive Vertriebsschienen mit insgesamt 23.511 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 85,6 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 985 Quadratmeter (Grafiken: ehi.org).