Freitag, 27. Januar 2023
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Energiekrise zwingt Infarm zu radikalem Kurswechsel

Amstelveen / NL. (eb) Sofern die vertikale Landwirtschaft die von ihr benötigte Energie nicht selbst erzeugen kann, steht sie angesichts der hohen Preise gerade ziemlich unter Druck. Nicht anders ergeht es der Infarm – Indoor Urban Farming B.V. von Erez Galonska (CEO), Osnat Michaeli (CBO), und Guy Galonska (CTO). Das ehemalige Berliner Start-up brauchte irgendwann mehr Platz oder konnte sich steuerlich besser stellen oder beides und residiert deshalb heute in den Niederlanden bei Amsterdam.

Der Geschäftsleitung ist klar, dass ihr Unternehmen in der aktuellen Konstellation den Marktbedingungen nicht standhalten kann, besonders mit Blick auf die eskalierenden Energiepreise und die schwierigen Finanzmärkte. Infarm muss seine ehrgeizigen Wachstumsziele anpassen und die Effizienz steigern, um das Geschäft rentabel zu machen – Voraussetzung dafür, die langfristige Mission weiter verfolgen zu können.

Deshalb nimmt Infarm jetzt einen bedeutenden Strategiewechsel vor und beschleunigt sein Streben nach Rentabilität. «Wir konzentrieren uns auf wachsende Zentren, bei denen wir einen klaren Weg zur Rentabilität im Jahr 2023 sehen, und konsolidieren diejenigen, bei denen dies in naher Zukunft nicht möglich ist,» sagen Galonska, Michaeli und Galonska in einem Blogeintrag auf ihrer Webseite. Die räumliche Verlagerung und die Verringerung der Anzahl an Produktionsstandorten werde erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der Mitarbeitenden haben. Die genauen Zahlen müssten noch ermittelt werden. Doch die derzeitigen Vorschläge würden bedeuten, dass mehr als die Hälfte der Belegschaft – rund 500 Mitarbeitende – das Unternehmen wird verlassen müssen. Infarm will den Schritt im Guten vollziehen. Alle Betroffenen sollen eine Entschädigung und eine Abfindung erhalten und werden in der Zeit des Übergangs von ihrem Vorgesetzten und der Personalabteilung unterstützt.

Gründe für den radikalen Kurswechsel

In letzter Zeit haben sich einige kritische Marktfaktoren verschlechtert, die sich direkt auf die vertikale Landwirtschaft und ihre Tätigkeit auswirken. Die Energiepreise sind eskaliert (sie haben sich in ganz Europa verdoppelt), was das Geschäft zusätzlich unter Druck setzt und die Produktionskosten in den betroffenen Märkten erheblich beeinträchtigt. Hinzu kommen die Inflation, Unterbrechungen der Lieferkette und steigende Materialkosten. Wirtschaftlich gesehen ist dies weltweit eine schwierige Zeit, und viele Menschen und Unternehmen sind davon betroffen.

«In diesem Jahr haben wir schon Anpassungen vorgenommen, inklusive der Konsolidierung von Produktionsstandorten, Instore-Farm-Clustern und der Reduzierung unserer Belegschaft. Allerdings gingen diese Maßnahmen von einer schnellen Markterholung aus, und wir müssen zugeben, dass unsere Einschätzung zu optimistisch war. Dafür übernehmen wir die volle Verantwortung. Auf der Grundlage der uns jetzt vorliegenden Daten prognostizieren wir ein langsameres Wachstum, das durch einen erheblichen Abschwung verursacht wird. Wir haben unsere Teams vergrößert, um eine globale Wachstumsstrategie zu unterstützen, doch heute ist klar, dass eine Konsolidierung und ein konzentriertes Wachstumsdenken erforderlich sind, um die Herausforderungen zu bewältigen,» sagen Galonska, Michaeli und Galonska.

Rentabilität muss jetzt an erster Stelle stehen

Folglich müsse Infarm einen noch strikteren Weg zur Rentabilität einschlagen, um in den nächsten 18 Monaten die finanzielle Selbstständigkeit zu erreichen und die langfristige Stabilität des Unternehmens zu sichern. Die Geschäftsleitung hat daher mit Unterstützung von Fachberatern und dem Vorstand den Geschäftsplan überarbeitet, um genau dies zu ermöglichen. Zum Strategiewechsel gehören:

  • Die Konsolidierung der Anbaukapazitäten der Growing Centres in den Kernmärkten Frankfurt (Deutschland), Kopenhagen (Dänemark) und Toronto (Kanada). In diesen Märkten hat Infarm starke Beziehungen zu Einzelhändlern aufgebaut und sich Verträge mit erheblichem Volumen gesichert, so dass die vertikalen Farmer 2023 die Rentabilität erreichen können. Darüber hinaus wird Infarm sein Growing Centre in Baltimore (Maryland, USA) eröffnen, um das Dreistaatengebiet zu bedienen.
  • Dafür will Infarm die Aktivitäten in Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden verkleinern.
  • Das InStore-Anbaunetz soll auf die wichtigsten Cluster optimiert werden.
  • Darüber hinaus will das Unternehmen die Produktionskosten und den Ressourcenverbrauch weiter senken, indem es seinen ertragsstarken industriellen Anbaubetrieben (ACREs) den Vorrang gibt, was zu günstigeren und nachhaltigeren Produkten für die Verbraucher führt. Infarm hat schon Erträge von mehr als 100 Kilogramm je Quadratmeter und Jahr bei Kräutern und 150 Kilo bei Salat erzielt und kann eine rekordverdächtige Ernteleistung von mehr als 95 Prozent vorweisen.
  • Infarm wird seine modularen ACRE-Anbaueinheiten in die neu definierten Kernmärkte verlagern.
  • In Japan werden die Aktivitäten derzeit noch geprüft.

Ausblick auf die kommende Zeit

Das Führungsteam ist der festen Überzeugung, dass die vertikale Landwirtschaft das Potenzial hat, in einer sich erwärmenden, von Klimaschocks und Instabilität geplagten Welt für mehr Sicherheit in der Ernährung zu sorgen. Und dass Infarm eine entscheidende Rolle für die Zukunft der Ernährung spielen kann/soll/wird. Abschließend versichert das Unternehmen, dass Infarm seinen Zielen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Klima und Ernährungssicherheit verpflichtet bleibt:

  • Die vertikalen Farmer werden ihren Weg zu einer Netto-Null-Produktion weiterverfolgen, in Übereinstimmung mit den SBTi-Emissionszielen, die sie kürzlich vorgelegt haben.
  • Das Unternehmen hat gerade seine B-Corp-Zertifizierung erhalten und wird weiterhin seine hohen Standards in Bezug auf Transparenz, Verantwortung und Nachhaltigkeit aufrechterhalten.
  • Infarm hat erfolgreich bewiesen, dass es in der Lage ist, Weizen in Innenräumen anzubauen, um das Ziel zu erreichen, die Ernährungssicherheit zu verbessern.
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