Mittwoch, 5. Oktober 2022
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20200306-EUROPA

Eurostat: über das BIP pro Kopf in den Regionen der EU

Luxemburg / EU. (eurostat) Im Jahr 2018 reichte das regionale Pro-Kopf-BIP, ausgedrückt in Kaufkraftstandards (KKS), von 30 Prozent des EU-Durchschnittswerts in der französischen Übersee-Region Mayotte bis zu 263 Prozent in Luxemburg. Wie die Karte zeigt, dass erhebliche Unterschiede sowohl zwischen als auch innerhalb der Mitgliedstaaten bestehen. Diese Informationen sind Daten zu entnehmen, die von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht wurden.

20200305-EUROSTAT
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Die Regionen mit dem höchsten BIP pro Kopf waren 2018 nach Luxemburg (263 Prozent des EU-Durchschnitts), der Süden (225 Prozent) und Osten und Midland (210 Prozent) in Irland, die Brüsseler Region (203 Prozent) in Belgien, Hamburg in Deutschland (197 Prozent) und Prag in Tschechien (192 Prozent). 20 Prozent der EU-Bevölkerung und 32 Prozent des EU-BIP entfallen auf 39 Regionen, in denen das BIP pro Kopf bei mindestens 128 Prozent des EU-Durchschnitts liegt.

Im Gegensatz dazu lagen nach der französischen Übersee-Region Mayotte (30 Prozent des EU-Durchschnitts) die drei Regionen mit dem niedrigsten Prozentsatz in Bulgarien: Nordwestbulgarien (34 Prozent), Nördliches Mittelbulgarien (35 Prozent) und Südliches Mittelbulgarien (36 Prozent). Was Mayotte betrifft, so lässt sich das niedrige BIP pro Kopf hauptsächlich durch demografische Faktoren erklären, da 42 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt sind. 21 Prozent der EU-Bevölkerung und 12 Prozent des EU-BIP entfallen auf 57 Regionen mit einem BIP pro Kopf von höchstens 67 Prozent des EU-Durchschnitts. Die anderen drei in der Karte dargestellten Gruppen von Regionen mit einem BIP pro Kopf von 105 bis 127, 84 bis 104 und 68 bis 83 des EU-Durchschnitts machen 25 Prozent, 18 Prozent bzw. 14 Prozent des BIP der EU aus.

In Bezug auf die Arbeitsproduktivität bestehen regionale BIP-Unterschiede von 35 Prozent bis 235 Prozent

Im Jahr 2018 reichte das regionale BIP je Beschäftigtem, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, von 35 Prozent des Durchschnittswerts in der Europäischen Union (EU) im Südlichen Mittelbulgarien bis zu 235 Prozent des Durchschnitts in der irischen Region Süden. Nach dem Süden (235 Prozent des Durchschnitts) und der Region Osten und Midland (205 Prozent) in Irland waren 2018 Luxemburg (165 Prozent), die Brüsseler Region (161 Prozent) in Belgien, Île de France (158 Prozent) in Frankreich und drei weitere Provinzen in Belgien – Wallonisch-Brabant (157 Prozent), Flämisch-Brabant (144 Prozent) und Antwerpen (143 Prozent) – die führenden Regionen beim BIP je Beschäftigtem.

In vielen dieser Regionen ist das BIP pro Kopf höher als das BIP je Beschäftigtem. Ein höheres BIP pro Kopf im Vergleich zum BIP je Beschäftigtem kann auf viele Faktoren zurückzuführen sein. Häufig liegt dies in Regionen, in denen das BIP pro Kopf besonders hoch ist, am Netto-Pendlerzustrom. Dadurch erhöht sich in den Regionen, in denen diese Pendler beschäftigt sind, tendenziell das BIP pro Kopf, während es in den Regionen ihres Wohnsitzes abnimmt. Weitere Ursachen sind eine höhere Erwerbsbeteiligung, niedrigere Arbeitslosenquoten und ein höherer Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Die Auswirkungen dieser Faktoren lassen sich anhand eines Vergleichs zwischen dem Pro-Kopf-BIP und dem BIP je Beschäftigtem untersuchen. Die größten Unterschiede zwischen einem hohen Pro-Kopf-BIP und einem niedrigen BIP je Beschäftigtem in Prozent des EU-Durchschnitts wurden 2018 in Luxemburg (263 Prozent im Vergleich zu 165 Prozent) festgestellt, gefolgt von Prag (192 Prozent gegenüber 121 Prozent) in Tschechien und Budapest (145 Prozent im Vergleich zu 75 Prozent) in Ungarn.

Die größten Unterschiede zwischen einem hohen BIP je Beschäftigtem und einem niedrigen BIP pro Kopf in Prozent des EU-Durchschnitts waren dagegen in drei französischen Übersee-Regionen zu beobachten: Französisch-Guayana (105 Prozent gegenüber 48 Prozent), Mayotte (79 Prozent gegenüber 30 Prozent) und Guadeloupe (107 Prozent gegenüber 73 Prozent), gefolgt von Sizilien (90 Prozent gegenüber 59 Prozent) in Italien und die Provinz Hainaut (105 Prozent gegenüber 75 Prozent) in Belgien. Ein niedrigeres BIP pro Kopf im Vergleich zur Arbeitsproduktivität in Prozent des EU-Durchschnitts ist darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Erwerbstätigen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung geringer ist. Dies lässt sich durch eine geringere Erwerbsbeteiligung, höhere Arbeitslosenquoten, einen höheren Anteil der sich nicht im erwerbsfähigen Alter befindlichen Bevölkerung und/oder einen höheren Nettoabfluss von Pendlern erklären. Regionale Unterschiede bei der Arbeitsproduktivität sind erheblich geringer als beim BIP pro Kopf: In den EU-Mitgliedstaaten mit mehr als zwei NUTS-2-Regionen sind die höchsten Unterschiede zwischen den Regionen mit dem höchsten und niedrigsten BIP pro Kopf in Rumänien (ein Verhältnis von 3,6), Polen und der Slowakei (beide 3,3), Ungarn (3,2), Irland (3,1) und Tschechien (3,0) zu beobachten. Die niedrigsten Unterschiede sind dagegen in Portugal, Finnland (beide 1,5), Österreich, Schweden (beide 1,7), Spanien und den Niederlanden (beide 1,9) zu verzeichnen.

Diese auffälligen regionalen Unterschiede beim BIP pro Kopf werden erheblich kleiner, wenn das BIP je Beschäftigtem, also die Arbeitsproduktivität, betrachtet wird. Am deutlichsten wird dies in Ungarn (ein Verhältnis von 3,2 beim BIP pro Kopf gegenüber 1,1 beim BIP je Beschäftigtem), der Slowakei (3,3 gegenüber 1,8), Italien (2,8 gegenüber 1,6), Belgien (2,8 gegenüber 1,7) und Tschechien (3,0 gegenüber 1,9). Unter den EU-Mitgliedstaaten mit den größten regionalen Unterschieden bleibt das beim BIP pro Kopf zu verzeichnende Verhältnis lediglich in Rumänien (3,5) und Irland (3,0) auf einem ähnlichen Niveau, wenn es je Beschäftigtem ausgedrückt wird.

Methodik und Definitionen

Das BIP – und damit auch das BIP pro Kopf – ist ein Maß für die gesamte wirtschaftliche Aktivität in einer Region. Es kann deshalb für den Vergleich des wirtschaftlichen Entwicklungsstandes von Regionen verwendet werden. Das BIP ist keine Messgröße für das Einkommen, das den privaten Haushalten einer Region letztlich zur Verfügung steht. Die Arbeitsproduktivität in dieser Pressemitteilung wird als das BIP je Beschäftigtem berechnet. Die pro Arbeitsstunde gemessene Produktivität kann zu erheblich unterschiedlichen Ergebnissen führen, da die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Beschäftigtem von Land zu Land erheblich variieren. Der KKS (Kaufkraftstandard) ist eine Kunstwährung, die die Unterschiede zwischen den nationalen Preisniveaus berücksichtigt. Anhand dieser Einheit sind aussagekräftige Volumenvergleiche der Wirtschaftsindikatoren verschiedener Länder möglich. In KKS ausgedrückte Gesamtwerte werden abgeleitet, indem Gesamtwerte in jeweiligen Preisen und in Landeswährung durch die jeweilige Kaufkraftparität dividiert werden. Regionale Kaufkraftparitäten werden von den nationalen statistischen Ämtern in der EU nicht erstellt. Detailliertere Daten für andere Variablen und für NUTS-3-Gebiete bis 2018 sind in der Eurostat-Datenbank verfügbar. Im Text dieser Pressemitteilung sind die Namen der Regionen im Prinzip in deutscher Sprache genannt, während in den Tabellen im Anhang die Regionen wie in der NUTS in der Landessprache aufgeführt sind (Foto: pixabay.com).

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