Donnerstag, 1. Dezember 2022
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Forschung: über den Ursprung der Milchverträglichkeit in Europa

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Weltweite Verteilung der Laktoseintoleranz
(Quelle: Rainer Zenz 2008 | Verein für Laktoseintoleranz | Die Zeit)
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Mainz. (div) Die «Laktoseintoleranz» wird hierzulande oft frei als «Unverträglichkeit von Milch» übersetzt. Tatsächlich ist sie der humanbiologische Normalzustand: Erwachsene Menschen können Milch nach dem Kleinkindalter nicht mehr verdauen. Sie verlieren die Fähigkeit, die in der Milch enthaltene Laktose aufzuspalten. Sie können das dafür nötige Enzym Laktase nicht mehr ausreichend bilden. Dadurch können sie zwar oft Käse und Joghurt verdauen, nicht aber reine Milch. Weltweit gibt es nur wenige Ausnahmen, wo diese Fähigkeit erhalten bleibt, heißt es im Fachjournal «PLoS Computational Biology»: Einige Bevölkerungsgruppen in Afrika und – als zahlenmäßig weitaus größte Gruppe – Europäer und deren Nachkommen auf anderen Kontinenten. Diese dürften die so genannte Laktasepersistenz unabhängig voneinander entwickelt haben. Dem Ursprung der europäischen Variante gingen Forscher jetzt auf den Grund. Dabei wurde sichtbar, dass die Milchverträglichkeit wahrscheinlich vor 7.500 Jahren in Zentraleuropa erstmals aufkam. Das widerspricht der bisherigen Annahme, der Milchkonsum habe in Nordeuropa begonnen. Laktasepersistenz bildete sich bei den europäischen Siedlern der Jungsteinzeit durch eine Genmutation aus. «Dieses Merkmal hat sich demografisch so schnell durchgesetzt wie kaum ein anderes», sagt der an der Studie beteiligte Mainzer Anthropologe Joachim Burger. Möglicher Grund: Vor rund 7.500 Jahren übernahmen die Europäer das Hausrind nach anatolischem Vorbild. Von nun an war Milch stets verfügbar und ihr Konsum deutlich erhöht – nicht zuletzt durch den ernährungsphysiologischen Nutzen.
Info: The Origins of Lactase Persistence in Europe

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