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Frankreich: Der Absatz von «Bio» wächst weiter kräftig

Berlin. (gtai) Der französische Markt für Biolebensmittel wächst weiter kräftig. Immer mehr Produkte tragen Biolabels. Vielen Verbrauchern genügt dies jedoch nicht – berichtet Germany Trade + Invest (GTAI).

Im Jahr 2018 ist der Absatz von Biolebensmitteln in Frankreich wertmäßig um 15,7 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro gestiegen. Damit hat sich der Markt noch dynamischer entwickelt als der deutsche, der 2018 um 5,5 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro zulegen konnte. Im Jahr 2018 entfielen in Frankreich 5 Prozent der Lebensmittelausgaben der Haushalte auf Biolebensmittel. Die vom französischen Staat und der Europäischen Union unterstützte Förderagentur für die Biolandwirtschaft Agence BIO (Agence Française pour le Développement et la Promotion de l’Agriculture Biologique) erfasst jährlich die Daten zur Branchenentwicklung. Sie spricht für 2018 von einer neuen Etappe in der Entwicklung des Biolebensmittelabsatzes. Bioprodukte seien inzwischen für den Großteil der Bevölkerung leicht verfügbar.

Markt für Biolebensmittel nach Verkaufskanal

(Angaben in Millionen Euro) 2016 2017 2018 Veränderung 2018/2017
Lebensmittel- Einzelhandel 3.024 3.652 4.478 22,6%
Biofachgeschäfte 2.497 2.874 3.096 7,7%
Fachgeschäfte 326 390 430 10,3%
Direktverkauf 889 1.006 1.135 12,8%
Kantinen (Schulen, Betriebe) 2) 230 246 319 29,7%
Restaurants und Gaststätten 2) 182 206 236 14,6%
Gesamt 7.147 8.373 9.694 15,7%

1) Abweichungen durch Rundung; 2) ohne Steuern, ermittelt von Einkäufern und Großhandel – Quelle: Agence BIO

Lebensmittel- Einzelhandel wendet sich dem Biomarkt zu

Bis 2016 hatte der Biofachhandel überproportional vom Wachstum profitiert. In den letzten Jahren hat der klassische Lebensmittel- Einzelhandel aber immer mehr Bioprodukte in sein Sortiment aufgenommen und ist deutlich schneller gewachsen. Noch ist er in Frankreich mit einem Anteil von 49 Prozent im Biomarkt weniger stark vertreten als in Deutschland (59 Prozent). Der Biofachhandel kommt dafür auf 34 Prozent gegenüber 27 Prozent in Deutschland.

Die großen Ketten im Lebensmittel- Einzelhandel dürften in Frankreich gegenüber dem Biofachhandel weiter an Anteilen gewinnen. Neben der Sortimentserweiterung um Bioprodukte eröffnen sie auch eigene Biomärkte, allen voran E.Leclerc und Carrefour. Anfang 2019 hatte Carrefour 20 Bioläden. Bis 2022 soll deren Zahl auf 120 anwachsen. Auch hat das Unternehmen im Juli 2018 den Biofachhandel SoBio mit neun Etablissements übernommen. E.Leclerc zählte Anfang 2019 nur 2 Biomärkte. 2022 sollen es bereits 200 sein. Andere Ketten beteiligen sich an Biofachhändlern. So ist Intermarché bei der Kette Comptoirs de la Bio eingestiegen. Eine der größten Ketten Naturalia gehört bereits seit 2008 zur Casino Gruppe.

Den Biofachhandel in Frankreich dominieren große Bioketten (84 Prozent der Umsätze). Marktführer sind hier Biocoop, La Vie Claire, Naturalia und Bio c’Bon. Nach Informationen der Agence BIO sind 2018 etwa 300 Läden hinzugekommen. Laut Biomonde, eines Zusammenschlusses unabhängiger Biofachmärkte, mussten fast 100 Biomärkte 2018 ihre Pforten schließen, weil die Konkurrenz härter geworden ist. Angesichts der Bioambitionen des klassischen Lebensmittel- Einzelhandels stehen die Fachhändler unter Druck, sich stärker zu differenzieren, um weiter hohe Preise am Markt durchsetzen zu können.

Lebensmittelskandale und mehr Bioprodukte treiben Markt an

In den vergangenen Jahren haben Lebensmittelskandale vor allem bei Milch, Eiern und Fleisch und die größere Verfügbarkeit von Bioprodukten den Biomarkt in Frankreich angetrieben. Nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen sind 2018 in Hypermärkten durchschnittlich 492 Bioprodukte hinzugekommen. Damit ist deren Gesamtzahl auf 1.878 gestiegen. In Supermärkten waren es 223 (insgesamt 858), in Nachbarschaftsläden 89 (264) und in Drive-In-Märkten zusätzlich 31 Bioprodukte (301). Vor allem große Markenkonzerne bieten immer mehr Bioprodukte an. So gibt es seit 2018 eine Bioversion der Käsemarke La Vache qui rit der Firma Bel.

Der Absatz von Bioerzeugnissen ist 2018 nach Informationen von Agence BIO in einigen Segmenten besonders stark gestiegen, darunter bei Tierfutter, Bier, Kaffee, Zucker, Schokolade und Käse. Biomilchprodukte legten um 25,5 Prozent zu. Der Verkauf von Biowein (+9,9 Prozent) ist 2018 nach einer schlechten Weinernte 2017 schwächer gewachsen als der Gesamtbiomarkt.

Verbraucher achten stärker auf Umweltauswirkungen

Vielfach ist ein Bio-Label aber nicht genug um dem wachsenden Misstrauen unter den Verbrauchern in Frankreich zu begegnen und den über Bio hinausgehenden Erwartungen gerecht zu werden. “Das Bio-Label wird immer weniger ausreichen und schließlich zum Standard werden. Was den Unterschied ausmacht, sind die Werte, die damit verbunden werden können”, sagt Xavier Terlet vom Beratungsunternehmen XTC World Innovation. Dazu zählten etwa das Tierwohl und der Erhalt lokaler Industrien. Während die meisten Verbraucher bisher aus Gesundheitsgründen auf Bioprodukte zugegriffen hätten, spielen nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Kantar Worldpanel inzwischen die Umweltauswirkungen eine wachsende Rolle.

Nach Umfragen des Unternehmens sorgen sich 80 Prozent der Verbraucher in Frankreich um die Lebensmittelsicherheit, 73 Prozent um das Tierwohl und für 31 Prozent spielt die Herkunft bei der Produktauswahl eine große Rolle. Gleichzeitig misstrauen 56 Prozent dem Lebensmittel- Einzelhandel. Die anhaltend starke Gesundheitsorientierung spielt dem Markt für vegane und vegetarische Lebensmittel in die Hände. Nach Prognosen des Marktforschungsunternehmen Xerfi könnte der Absatz hier von 380 Millionen Euro 2018 bis 2021 um 57 Prozent wachsen. Das Unternehmen empfiehlt dem Biofachhandel sich angesichts der wachsenden Konkurrenz des klassischen Handels stärker auf dieses Segment zu stützen.

Ein Bio-Label, wie das in Frankreich genutzte AB-Siegel, das laut Agence BIO von 97 Prozent der Verbraucher erkannt wird, reicht nicht aus, weil immer wieder Zweifel an Bioprodukten in der französischen Öffentlichkeit laut werden. So wurde Mitte 2019 in der Presse die Nachhaltigkeit von Biolebensmitteln aus mit Gas beheizten Gewächshäusern diskutiert.

Nach Aussagen des Geschäftsführers von Agence BIO, Florent Guhl, weitet sich unter den vielen Labels im Handel die Kombination Bio und lokale Herkunft stark aus. Hier sind französische Herkunftssiegel vorherrschend (Viande Bovine Française, Made in France, Origine garantie fabriqué en France). 31 Prozent des Biolebensmittelabsatzes in Frankreich wurden 2018 importiert. Die Importe sind nach Informationen von Agence BIO von 1,64 Milliarden Euro 2017 auf 1,89 Milliarden Euro 2018 gestiegen.

Die Bedeutung der Produktherkunft und die Unterstützung im Rahmen der EU-Agrarhilfen treibt die Biolandwirtschaft in Frankreich an. 2018 sind die Flächen im Biolandbau um 17 Prozent auf 2 Millionen Hektar angewachsen. Damit kommt die Biolandwirtschaft auf 7,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen. Nach Informationen von Agence BIO wächst vor allem der Biogetreide- und -ölsaatenanbau. Hier hat sich nach Aussage des Präsidenten von Agence BIO, Philippe Henry, eine psychologische Wende vollzogen. Vor wenigen Jahren seien Landwirte, die zu Bio übergingen, unter ihresgleichen noch schief angesehen worden. Dies habe sich geändert.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Agence française pour le Développement et la Promotion de l’Agriculture biologique (Agence BIO) http://www.agencebio.org Förderagentur für Biolandwirtschaft
Syndicat des transformateurs et distributeurs bio (Synabio) http://www.synabio.com Verband der Hersteller und Händler von Bioprodukten
Fédération nationale d’AGriculture biologique (FNAB) http://www.fnab.org Verband der Biobauern