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Fritz Nols: soll Burger King GmbH restrukturieren

Frankfurt / Main. (usp / fnag) «Die Fritz Nols AG erhält Restrukturierungsauftrag für Burger King Deutschland», lautet der Titel einer Mitteilung von Rechtsanwalt Ingo Voigt aus Norderstedt. Voigt fungiert einerseits als neuer Geschäftsführer der Burger King GmbH aus Stade, für die gerade die vorläufige Insolvenzverwaltung aufgehoben wurde. Andererseits arbeitet er eng mit der Investmentfirma Fritz Nols AG zusammen, die von Alexander Kolobov jetzt den Auftrag erhalten hat, die Burger King GmbH – 89 Restaurants mit 3.000 Beschäftigten – zu restrukturieren. Die Unterzeile zum eingangs genannten, faustdicken Patzer trifft den tatsächlichen Umfang des Auftrags schon eher: «Burger King GmbH leitet umfassenden Turnaround mit neuem Management ein». Inhalt der in Teilen gekürzten Mitteilung:

Burger King GmbH war gezwungen, Ende letzten Jahres einen Insolvenzantrag zu stellen, nachdem durch Presseberichte Missstände in einzelnen der 89 Filialen bekannt geworden waren. Zu den Missständen war es unter der Leitung des damaligen Betreibers der Restaurants gekommen, welcher inzwischen aus dem Betrieb sowie der Gesellschaft ausschied. Stattdessen hat der Finanzinvestor Kolobov nach der Aufdeckung der Missstände eine aktive Rolle übernommen.

Kolobov ist einer der größten Restaurantbetreiber Europas. So hat Kolobov über einen Zeitraum von gerade einmal zehn Jahren mit insgesamt mehr als 600 Coffee Shops nicht nur eine der größten Coffee Shop-Ketten in Russland gegründet, sondern hat darüber hinaus über die letzten fünf Jahre über 250 Burger King Filialen in Russland eröffnet.

In Folge der bekannt gewordenen Missstände in einzelnen deutschen Burger King Filialen sah sich Alexander Kolobov gezwungen, den früheren Betreiber zu ersetzen und eine aktivere Rolle zu übernehmen. Zu diesem Zweck hat er in den letzten Wochen den vorherigen Betreiber herausgekauft und ein Finanzpaket geschnürt, durch den der Fortbestand der Burger King GmbH ermöglicht wird und die über 3.000 Arbeitsplätze in den betroffenen Filialen gerettet werden können.

Um die Gesellschaft aus der Krise zu führen und den Restrukturierungsprozess erfolgreich umzusetzen, hat Kolobov die Sanierungsexperten von der Fritz Nols AG unter der Leitung des erfahrenen Sanierers Ingo Voigt an Bord geholt.

Darüber hinaus hat Alexander Kolobov ein Finanzpaket über EUR 15 Millionen Euro geschnürt, welches es der Burger King GmbH ermöglicht, die Forderungen der Gläubiger und Arbeitnehmer zu bezahlen, die während der Betriebsstillegungen aufgelaufen waren und zu der Insolvenzantragsstellung geführt hatten. Vor diesem Hintergrund konnte die Gesellschaft daher am 29. Januar 2015 den Insolvenzantrag zurücknehmen. Das vorläufige Insolvenzverfahren wurde aufgehoben.

Insgesamt sieht das Restrukturierungskonzept vor, dass die Gesellschaft alle ihre ausstehenden Verbindlichkeiten bei Fälligkeit bedienen wird. Alexander Kolobov und die Restrukturierungsexperten von Fritz Nols AG beabsichtigen zudem, in enger Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber Burger King Europe ein schlagkräftiges Management-Team für die Gesellschaft aufzubauen und dafür Sorge zu tragen, dass die höchsten Standards für den Restaurantbetrieb dauerhaft umgesetzt werden.

Die rechtliche Beratung von Alexander Kolobov erfolgte durch die Rechtsanwälte Hogan Lovells International LLP unter der Federführung von Rechtsanwalt Dr. Christian Herweg und durch Rechtsanwalt Dr. Dominik Ziegenhahn von der Kanzlei Graf von Westphalen.

So «eng», wie sich Alexander Kolobov und Experten die Zusammenarbeit mit Burger King Europe (BKE) die Zusammenarbeit wünschen, kann sie nicht sein. Erstens hat sich BKE zu dieser «Rolle rückwärts» überhaupt noch nicht geäußert. Zweitens hätte der «erfahrene Sanierer» Ingo Voigt aus Norderstedt beim Verfassen oder Diktieren, spätestens jedoch beim Autorisieren der vorliegenden Mitteilung mehr Sorgfalt walten lassen müssen – und vielleicht nicht ganz so dick auftragen sollen.

Mit Blick auf die augenblickliche geopolitische Wirtschaftslage, die Auswirkungen des Russland- Embargos und den im freien Fall befindlichen Rubel, ist der Schachzug Kolobovs leicht zu durchschauen: Seinen 250 Burger King Filialen in Russland kann es derzeit nicht gut gehen. Je tiefer der Rubel fällt, desto teurer wird der Einkauf. Er sucht dringend nach der Möglichkeit einer Mischfinanzierung. Die 89 Restaurants der Burger King GmbH in Deutschland böten ihm diese Möglichkeit.