Samstag, 15. Juni 2024
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Gesetzlicher Mindestlohn: Arbeitsplatzabbau wahrscheinlich

München. (ifo) Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro erhöht das Einkommen bedürftiger Arbeitnehmer kaum, gefährdet aber bis zu 900.000 Arbeitsplätze. «Besonders stark negativ betroffen sind die heutigen Aufstocker», sagt Ronnie Schöb vom ifo Institut. Sie würden von der Lohnerhöhung kaum etwas mit nach Hause nehmen und seien einem viel höheren Risiko ausgesetzt: Steigt der Stundenlohn eines alleinstehenden Aufstockers von 5,00 Euro auf 8,50 Euro, erhöht sich sein Netto-Einkommen nur um 60 Euro im Monat oder 6,1 Prozent – weil das zusätzliche Einkommen mit dem ALG II verrechnet wird. Für den Arbeitgeber erhöhen sich die Arbeitskosten allerdings um 70 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die neue ifo Studie «Der flächendeckende Mindestlohn». Die gesamten Beschäftigungsverluste belaufen sich demnach auf bis zu 900.000 Arbeitsplätze. Dabei ist auch der Verlust von 660.000 geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen mitgezählt. In Vollzeit-Stellen entsprechen die gesamten Verluste etwa 340.000 Arbeitsplätzen. Bei den Aufstockern arbeiten bisher zwei Drittel zu einem Lohn unterhalb von 8,50 Euro. Stark betroffen sind auch Arbeitnehmer in den ostdeutschen Bundesländern. Potenziell sind bundesweit rund fünf Millionen Arbeitnehmer vom Mindestlohn betroffen; das sind 14 Prozent aller Beschäftigten, im Osten sogar 20,4 Prozent. Bei den Vollzeitbeschäftigten sind es rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer (5,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten). Vergleiche mit dem Mindestlohn in anderen Ländern seien irreführend, heißt es in der Studie. In Großbritannien wurde 1999 ein Mindestlohn von 3,60 Pfund eingeführt. «Nur fünf Prozent der Beschäftigten waren damals davon betroffen. Würde man in Deutschland ähnlich vorsichtig beginnen, dürfte er in Deutschland nicht höher als 6,22 Euro sein», sagt Marcel Thum, Geschäftsführer von ifo Dresden. Im Westen entspräche das 6,47 Euro, im Osten 4,62 Euro. Ein Mindestlohn Marke USA müsste noch niedriger liegen …