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Glyphosat in Eiskrem: echte Gefahr oder Wichtigtuerei?

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Brüssel / BE. (eb) «Hat Monsanto Wissenschaftler gekauft?», «EU-Parlament berät erneut über Glyphosat», «Monsanto hat Vertrauen zerstört», «Eis mit Schokolade und Glyphosat», «Untersuchungsausschuss zu Glyphosat gefordert» – die negativen Berichte zu Monsanto (damit auch Bayer) und Roundup Ready reißen nicht ab. Für Monsanto steht viel auf dem Spiel und die EU-Kommission muss bis Ende des Jahres entscheiden, ob sie das meistverkaufte Pflanzenschutzmittel in der Europäischen Union weiter zulassen will oder nicht.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatten Glyphosat in der Vergangenheit mehrfach bescheinigt, eher nicht in bedenklichem Maße krebserregend zu sein. BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel hat das in dieser Woche noch einmal klar bestätigt – siehe «Europäische Glyphosatbewertung erfolgte qualitätsgesichert und unabhängig» auf dem BfR-Server. Während sich Frankreich bereits gegen eine Verlängerung der Zulassung ausgesprochen hat und Österreich sowie Italien diesem Beispiel folgen wollen, kann die bundesdeutsche Entscheidung erst verbindlich fallen, wenn die kommende Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen hat.

ECHA und EFSA bestätigten in dieser Woche bei der Anhörung zu Glyphosat im Europaparlament die korrekte Vorgehensweise bei der europäischen Glyphosat-Bewertung. Andererseits tauchte zur gleichen Zeit und anlässlich der gleichen Anhörung eine Medienmitteilung der US-amerikanischen Organic Consumers Association (OCA) auf. Die handelt davon, dass in zwölf von 14 Stichproben «Ben + Jerry’s» Speiseeis bis zu 1,228 ng/mL Glyphosat habe nachgewiesen werden können – in Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien.

Die Untersuchungen deuten nach OCA-Angaben darauf hin, dass die Glyphosatmenge der meisten seiner gezogenen Stichproben höchstwahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellten. Die in der EU und den USA geltenden Grenzwerte basierten auf überholten Toxikologie-Modellen, welche die Eigenschaften von Hormongiften wie glyphosathaltigen Herbiziden nicht berücksichtigen würden, was auf sehr niedrigem Niveau gesundheitsschädlich sein könne.

BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, der in der oben genannten Veröffentlichung überzeugend seine Untersuchungsergebnisse und wissenschaftliche Bewertung vertritt, lässt Verfahrensfragen eher außen vor und stellt die etablierten, international anerkannten toxikologischen Standardverfahren ins Zentrum seiner Betrachtung und zählt die ISO-Zertifizierungen auf, nach denen am BfR und den angeschlossenen Instituten gearbeitet wird (und vor Fehlleistungen schützen soll).

Die 14 Stichproben «Ben + Jerry’s» Eiskrem, in denen mehr oder weniger Glyphosat gefunden wurde, können natürlich nicht an den riesigen Apparat und die unzähligen Versuchsreihen heranreichen, über die Behörden verfügen. Andererseits ist das Thema Glyphosat viel zu ernst, als dass man die Handvoll Stichproben einfach außen vor lassen kann. Manchmal sieht es auch so aus, als seien BfR und EFSA die einzigen, die Glyphosat für unbedenklich halten. Es ist gar von Plagiaten die Rede: Sowohl BfR als auch EFSA hätten wesentliche Passagen ihrer Berichte aus Monsanto-freundlichen Stellungnahmen abgeschrieben, ist hier und da zu lesen. Schon wird auf europäischer Ebene ein Untersuchungsausschuss gefordert und es steht in den Sternen, ob die EU-Kommission bis Ende dieses Jahrs überhaupt zu einem schlüssigen Ergebnis kommen kann.

Angesichts dessen haben wir uns entschlossen, die Ausführungen der Organic Consumers Association wie folgt zu veröffentlichen. Die US-amerikanische OCA ist eine gemeinnützige Organisation, die – nach eigenen Angaben – im Namen von mehr als zwei Millionen US-amerikanischer Verbraucher spricht und gerade Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um bei europäischen Verbrauchern Gehör zu finden.


Organic Consumers Association: «Ben + Jerry’s» Eiskrem wurde in vier EU-Staaten positiv auf Monsanto Roundup-Inhaltsstoff getestet

Brüssel / BE. (12.10. / oca) EU- und US-Organisationen unter Führung der in den USA ansässigen Organic Consumers Association (OCA) haben in dieser Woche auf einer Pressekonferenz bestätigt, dass Stichproben von Unilever’s «Ben + Jerry’s» Eiskrem in Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien Glyphosat, Hauptinhaltsstoff des Herbizids Roundup, aufwiesen.

John Fagan zufolge, leitender Wissenschaftler bei HRI Labs, wo die Tests durchgeführt wurden, enthielten zwölf von 14 Stichproben Glyphosat, zum Teil bis zu 1,228 ng/mL.

Ronnie Cummins, internationaler Direktor von OCA, sagte: «’Ben + Jerry’s’ jüngste Meldung, von nun an sechs Prozent ökologisch erzeugte Milchprodukte zu verwenden, ist positiv zu bewerten. Allerdings beziehen sie immer noch 94 Prozent ihrer Lieferungen aus herkömmlichen Molkereien, die eine enorme Menge an GVO-Futtermitteln verwenden. Wir werden eine Umstellung auf Produkte aus 100 Prozent ökologischem Anbau fordern, durch einen rechtskräftigen Vertrag unterstützt».

Sprecher der Pressekonferenz waren unter anderem Michelle Rivasi und Philippe Lamberts, Mitglieder des EU-Parlaments, Dr. Gilles-Eric Séralini, Verfasser zahlreicher Studien zu Roundup/Glyphosat, Dr. John Fagan, leitender Wissenschaftler bei HRI Labs sowie Pat Thomas, Gründer/Direktor von Beyond GM.

Bezüglich der Ergebnisse sagte Séralini: «Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Glyphosatmenge der meisten Stichproben höchstwahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellen. Die in der EU und den USA geltenden Grenzwerte basieren auf überholten Toxikologie-Modellen, die die Eigenschaften von Hormongiften wie glyphosathaltigen Herbiziden nicht berücksichtigen, was auf sehr niedrigem Niveau gesundheitsschädlich sein kann».

Vor der Konferenz erklärte Rivasi: «Den Untersuchungen Séralinis und anderen zufolge sollte Europa Roundup sowie alle weiteren Verwendungsformen von Glyphosaten in gifthaltigen Formulierungen umgehend verbieten».

Thomas fügte hinzu: «Nur durch das Hinarbeiten auf ein vollständig ökologisches System kann gewährleistet werden, dass Produkte keinerlei Spuren endokrinschädlicher und krebserregender Glyphosate enthalten».

Beyond GM, Sustainable Pulse (Bulgarien), das Monsanto Tribunal (NL) sowie die Soil Association (UK) schlossen sich OCA mit ihrer Bitte an «Ben + Jerry’s» nach einem 100-prozentigen Umstieg auf Bio an. 150 Organisationen und Unternehmen unterzeichneten ein Schreiben an «Ben + Jerry’s» mit demselben Anliegen.

Über die Organic Consumers Association erhältlich sind nach eigenen Angaben Analysebescheinigungen, Relevanz-Statement sowie eine Beschreibung der Analysemethode.

Organic Consumers Association ist eine gemeinnützige 501(c)3, öffentliche Interessensgemeinschaft, die im Namen von mehr als zwei Millionen Verbrauchern spricht (Foto: pixabay.com).