Sonntag, 2. Oktober 2022
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20170330-WEIZEN

Glyphosat: Wie als Bäcker mit dem Thema umgehen?

Hamburg. (eb) Bei Herbiziden kann man sich Marktmechanismen mit einfachen Worten so vorstellen wie bei Medikamenten für die Humanmedizin: Ein Konzern investiert viel Geld und viele Ressourcen in die Forschung, um der Welt einen Nutzwert zu präsentieren, auf den sie schon immer gewartet hat. Um bei geglückter Produktentwicklung die Investition refinanzieren zu können, erhält der Konzern dafür zunächst ein Patent – das es ihm erlaubt, seine Erfindung konkurrenzlos teuer vermarkten zu können.

Irgendwann läuft das Patent aus und sogenannte Generika fluten den Markt. Die lassen die Preise in den Keller sacken und mancher Großhändler und/oder Anwender neigt plötzlich zu der Annahme: «Viel hilft viel». Das führt – am Beispiel Humanmedizin – dann dazu, dass in der Publikumspresse plötzlich landesweit vor Ibuprofen gewarnt wird und gewarnt werden muss, denn: Man soll das Zeugs nicht haufenweise in sich hineinkippen, sondern vielleicht doch besser gleich zum Zahnarzt gehen.

In der Landwirtschaft ist das ähnlich: Monsanto entwickelte ein hoch wirksames Herbizid, ließ es sich 1971 patentieren und warf es als Pflanzenschutzmittel Roundup Ready auf den Markt. Längst ist das Patent abgelaufen und Glyphosat bekommt man heute an jeder Ecke. Großflächig wird Glyphosat beim Anbau von Winterraps, Hülsenfrüchten und Getreide verwendet. Selbst die Deutsche Bahn verspritzt großflächig unzählige Tonnen des Wildkräuter- Vernichters zwecks Pflege ihrer Gleisanlagen.

Landwirte bringen Glyphosat vor der Aussaat auf die Felder, um «Unkraut» zu vernichten. Vor der Ernte soll ein Schuss Glyphosat noch mal die Reifung der Kulturpflanzen beschleunigen. Nach der Ernte werden – ein drittes Mal – die übrig gebliebenen Stoppeln besprüht, um den Bewuchs des Bodens vor seiner weiteren Bearbeitung zu unterbinden. Was für eine Landwirtschaft ist das, die gedankenlos zulässt, dass bei dieser Intensität Rückstände von Glyphosat in die Lebensmittelkette gelangen müssen?

Die Sensibilität für das Thema Glyphosat steigt. Allerdings wird es nicht ausreichen, mit dem Finger auf «die da» bei Monsanto, in Brüssel, Berlin oder auf dem Acker zu zeigen. Erzeuger, Verarbeiter und Konsumenten müssen an einem Strang ziehen. Auch wenn «Europa» und die bundesdeutsche Politik noch nicht so weit sind: Es gibt hierzulande eine breite zivilgesellschaftliche Basis, die sich eine andere Erzeugung unserer Lebensmittel wünscht: weniger Agrarindustrie, mehr in Einklang mit der Natur und natürlichen Kreisläufen.

Bäcker Bosselmann: Glyphosat – nein danke!

Verarbeitenden Betrieben steht es frei, sich zu positionieren und zu erklären. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung schreibt, hat zum Beispiel der Bäcker Bosselmann kürzlich gegen Glyphosat mit Plakaten in seinen Filialen und auf Facebook protestiert. Er erwartet von seinen Lieferanten, dass sie darauf verzichten. Damit löste der Landwirt und begeisterte Bäcker Gerhard Bosselmann im sozialen Netzwerk eine kontroverse Diskussion aus. Für sich wird der Unternehmer das als Erfolg verbuchen können. Andererseits wird er derzeit kaum einen Lieferanten finden, der ohne Glyphosat auskommt. Das müssen die bundesdeutschen Agrarbetriebe erst wieder lernen, wie man das macht.

Hinzu kommt, dass Landwirte für die kommenden fünf Jahre (mindestens) noch frei über den Einsatz des Wildkräuter- Vernichters entscheiden dürfen. Sie werden zudem geneigt sein darauf zu warten, dass es um das Thema wieder ruhiger wird. Lassen Sie das nicht zu: Schließen sich sich auf ihre Weise dem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis an, das bessere Rohstoffe für Lebensmittel fordert. Entwickeln Sie Ideen und Wege gemeinsam mit ihren Lieferanten, mit denen Sie bei Ihren Kunden punkten können (Foto: pixabay.com).

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