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GMF: Sinkender Backwarenkonsum gefährdet Nährstoffbilanz

Bonn. (gmf) Über 90 Prozent der Bundesbürger essen täglich Brot und Backwaren, was die Wertschätzung der Deutschen für die Produkte aus den Backöfen unserer «Brot-Weltmeister» zeigt. Nach den Jahresproduktionszahlen für Backwaren auf der Grundlage von Brotgetreide-Mahlerzeugnissen im Backgewerbe und verwandten Bereichen ergibt sich für das Getreidewirtschaftjahr 2009/2010 eine durchschnittliche Backwarenmenge von 82,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Mit dem leichten Rückgang von zwei Prozent (gegenüber dem Vorjahr: 84,2 Kilo) liegt dieser Wert erstmals seit den 1990er-Jahren unter dem langjährigen Mittel des «gesamtdeutschen» Backwarenverbrauchs von 83,6 Kilo, berechnet für die 20 Jahre seit der Wende.

Zu den Backwaren zählen nach der Systematik der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) die beiden Untergruppen «Brot» (einschließlich Kleingebäck) und «Feine Backwaren» (einschließlich so genannter «Kombinations- und Dauerbackwaren»).

Neue Europäische Referenzwerte für die Nährstoffaufnahme

In einem gesunden Ernährungsplan sollen Kohlenhydrate die Hauptrolle spielen. Ein Anteil von durchschnittlich 52,5 Prozent an der täglichen Nahrungsenergie ist das neue Planziel für Europa. Die für gesunde Ernährung in der EU zuständige Expertengruppe hat die Forschungsergebnisse von weltweit über 250 relevanten Studien gesichtet, kritisch geprüft und bewertet. Damit gibt es nun eine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage für Ernährungsempfehlungen, die erstmals als «Europäische Referenzwerte für die Aufnahme von Nährstoffen» veröffentlicht wurden.

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Beim Hauptnährstoff Kohlenhydrate gilt danach eine Bandbreite von 45 bis 60 Energieprozent als gesundheitsförderlich und ernährungswissenschaftlich empfehlenswert – unter Berücksichtigung des individuellen Energiebedarfs und unterschiedlicher Verzehrgewohnheiten in den EU-Staaten. Fast überall in Europa liegt der Kohlenhydratanteil bislang zu niedrig, obwohl der Zuckerverbrauch meist unerwünscht hoch ist. Auch in Deutschland erreichen drei Viertel der Männer und die Hälfte der Frauen bei den Kohlenhydraten nicht einmal die 50-Prozent-Marke.

Mehr Stärke, weniger Zucker

In der täglichen Ernährungspraxis ist stärkereichen Lebensmitteln der Vorzug gegenüber zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken zu geben. Damit werden Getreide und Mahlerzeugnisse zu Schlüsselprodukten für die Umsetzung der EU-Empfehlung: mehr Brot, Kleingebäck und Getreideflocken sowie Pasta, Pizza und Polenta. Insofern ist der aktuelle Rückgang beim Backwarenkonsum der Bundesbürger aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ein Schritt in die falsche Richtung!

… plus 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe

Auch zur täglichen Ballaststoff-Portion geben die neuen Referenzwerte eine Empfehlung: 25 Gramm pro Tag sind notwendig, um ein problemloses Funktionieren der Verdauung zu gewährleisten. Das ist ein zusätzliches Argument für «reichlich Getreideprodukte», denn sie sind die wichtigste Ballaststoffquelle auf unserem täglichen Speisezettel. Vor diesem Hintergrund bereitet in Deutschland besonders der Rückgang bei Mahlerzeugnissen aus Roggen eine gewisse Sorge, denn diese Getreideart weist den höchsten Ballaststoffgehalt auf.

Produktvielfalt für Nährstoffvielfalt

Ein wesentlicher Beitrag zur bedarfsgerechten Nährstoffversorgung der Bundesbürger stammt aus den «Korn-Kraftwerken» Weizen und Roggen. Die vielfältigen Mahlerzeugnisse aus diesen beiden Brotgetreide-Arten liefern eine wichtige Grundlage für die tägliche Sicherung des Bedarfs bei einer Vielzahl unverzichtbarer Nährstoffe.

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Deshalb können sie als Schlüssel-Lebensmittel dabei helfen, die Ernährung optimal zu gestalten. Denn Getreideprodukte sind unverzichtbare Lieferanten von komplexen Kohlenhydraten (Stärke), Ballaststoffen und pflanzlichem Eiweiß sowie von B-Vitaminen (zum Beispiel Thiamin, Niacin), Mineralstoffen (Kalium, Magnesium und andere) und Spurenelementen (zum Beispiel Eisen oder Zink). Rund ein Drittel des täglichen Bedarfs von Stärke-Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen stammt aus der täglichen «Portion» von Mahlerzeugnissen, die von den Deutschen vorzugsweise als Brot und Backwaren verzehrt werden.

Einfacher Tipp für «Gesundheit mit Geschmack»

Um mit den täglichen Konsumgewohnheiten in Richtung der Ernährungsempfehlungen umzusteuern, genügt bereits eine Steigerung des Kohlenhydratanteils aus Getreideprodukten um fünf Prozentpunkte – mit einem jährlichen Backwarenkonsum von durchschnittlich 90 Kilogramm als Ziel. Das kann in der Praxis als «Gesundheit mit Geschmack» leicht umgesetzt werden, denn es bedeutet: Einfach täglich eine halbe Scheibe Brot mehr essen … (Quelle: VDM + GMF).

Vom Feld auf den Teller: Mühlen und Mehl sind zentraler Teil der Ernährungskette

600 deutsche Mühlen vermahlen Jahr für Jahr rund acht Millionen Tonnen Weizen und Roggen. Ihre Mahlerzeugnisse – Mehl, Schrot, Kleie, Vollkornprodukte – sind die Grundlage für die unerreichte Vielfalt von Brot und Backwaren in Deutschland. Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaften die Mühlen einen Jahresumsatz von nahezu zwei Milliarden Euro. Der Verband Deutscher Mühlen (VDM) mit Sitz in Bonn vertritt ihre Interessen.