Dienstag, 26. Oktober 2021
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Hoher politischer Besuch beim niedersächsischen Bäckerhandwerk

Hannover. (biv) Zu den Aufgaben des Bäckerinnungsverbands Niedersachen / Bremen (BIV) gehört es, die Anliegen des Gewerks in der Politik zu vertreten. Mit Peter Altmaier und Dr. Bernd Althusmann, sowohl den Bundeswirtschaftsminister als auch seinen Landeskollegen aus Niedersachsen im Bäckeramtshaus in Hannover zum Gespräch zu haben, sei dann doch eher ungewöhnlich, leitet der BIV seine Mitteilung ein.

Umso mehr freute es den Innungsverband, seine Forderungen am 31. August 2021 auch auf diesem Wege an die Bundes- und Landespolitik adressieren zu können. «Unsere Forderungen sind klar, wir müssen in Deutschland endlich die bürokratischen Belastungen für die Betriebe spürbar verringern», sagte Landesinnungsmeister Dietmar Baalk (Baalk Backbord Verden). Exemplarisch nannte Baalk die überflüssige Pflicht, Kassenbons auszudrucken, die nach wie vor Bestand hat: «Hier gehört eine Bagatellgrenze von 10 Euro her, damit wir nicht weiter Bons produzieren, die kein Kunde haben will.» Auch bestehende Wettbewerbsverzerrungen durch das Arbeitszeitgesetz kritisierte Baalk.

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Die Anliegen auf der Landes- und Regionalebene adressierten die Bäckermeister und Vorstandsmitglieder der Bäckerinnung Region Hannover und des Landesinnungsverbands Kai und Axel Oppenborn (Calenberger Backstube, Pattensen). Themen hier waren unter anderem die statistischen Meldepflichten, die die Betriebe zu erfüllen haben. Mit den «Regelkontrollgebühren» sprachen sie eine Auflage an, die es nur in Niedersachsen und NRW gibt: «Uns ärgert schon lange, dass wir hier in Niedersachsen für amtliche Kontrollen bezahlen müssen, auch wenn der Betrieb tip top ist. Das ist, als wenn Sie in eine Verkehrskontrolle geraten, keine Mängel bestehen und der Polizist von Ihnen dann 20 Euro verlangt», erläutert Axel Oppenborn. Ein eher gesamtwirtschaftliches Problem schilderte Kai Oppenborn: «Der Arbeitsmarkt – nicht nur in der Region – scheint wie leergefegt zu sein. Es gibt bereits Kollegen, die ihre Filialen wegen Mitarbeitermangels zeitweise schließen müssen.»

Baalk zieht ein ernüchterndes Resümee: «Ich kenne einige Kollegen, die ihre Betriebe aufgeben und sagen, bei den ganzen Auflagen und Hindernissen, die uns die Politik in den Weg legt, macht es weder Sinn noch Spaß ein Unternehmen zu führen. Und diese Kollegen sind oft noch weit vom Renteneintrittsalter entfernt. Hier muss die Politik etwas tun, sonst sterben uns die kleinen und mittelständischen Betriebe weg.»

Passend zum Politikerbesuch nahmen die norddeutschen Innungsbäcker zum 01. September eine Plakatkampagne in ihren Filialen auf. Die Forderung lautet «Wir wollen backen statt Akten!» (Foto: BIV).


Korrektur: Es besteht keine »Bonpflicht«, sondern eine Belegausgabepflicht. Der digitale Beleg ist nicht im Nachhinein vom Himmel gefallen. Der Gesetzgeber hat ihn von vornherein vorgesehen. Das lässt sich alles nachlesen. Die Kampagne, die 2019/2020 versucht hat, ein ganzes Land in die Irre zu führen, verfängt nicht mehr. Viele Bäckereien bieten heute digitale Belege an und freuen sich, nicht mehr so viel Geld für Bonrollen ausgeben zu müssen. Die Pandemie wirkt wie ein Katalysator und die Zeiten ändern sich. Wir schreiben nicht mehr 2019/2020, sondern gehen stramm auf 2022 zu. Strategische Digitalisierung ist jetzt das Gebot der Stunde und vornehme Pflicht. Nicht zuletzt, um gutes Handwerk zu erhalten – meint Ihre Ute Speer.