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Hunsrück: Großbäckerei Weinzheimer gibt auf

Stromberg. (div) Die Gebr. Weinzheimer Brot GmbH + Co. KG stellt ihren Betrieb ein. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die Geschäftsführer Bernd Westerhorstmann an die Lokalredaktionen versandte. Die Mitarbeitenden seien demnach zuvor in einer Belegschaftsversammlung informiert worden, dass die Großbäckerei stillgelegt und die Produktion per Ende September aufgegeben werde. Der Mitteilung zufolge ist Westerhorstmann nach langer Prüfung und Beratung zu dem Ergebnis gekommen, dass er den Betrieb aus persönlichen Gründen nicht fortführen kann. Die Beschäftigten sind darüber informiert, dass sämtliche Arbeitsverhältnisse unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfristen aufgelöst werden. Jedem der betroffenen 23 Mitarbeiter werde eine freiwillige Abfindung geboten.

Im ersten Halbjahr 2008 hatte der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff schwere Vorwürfe gegen die Großbäckerei in Bezug auf Verstöße gegen das Arbeits- und Hygiene-Recht erhoben (siehe WebBaecker 19/2008, 20/2008 und 42/2008). Westerhorstmann, der zu diesem Zeitpunkt noch 49 Leute beschäftigte, wies diese Vorwürfe immer zurück. Einer ernsthaften Prüfung durch die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach konnten die «Wallraffschen Erzählungen» in der Substanz dann auch nicht mehr standhalten. Aber da war der Ruf der Großbäckerei schon angekratzt frei nach dem Motto «Wo Rauch ist, da muss auch Feuer sein».

Die heutige «Gebr. Weinzheimer Brot GmbH + Co. KG» geht zurück auf die um 1400 herum gegründete freiadlige Mühle der Ritter von Zeysekem. 1679 erwarb Hans Martin Weinzheimer die Mühle. Nachfolgende Generationen passten das Unternehmen jeweils der Zeit an. 1965 übernahm Hans Westerhorstmann die Mühle und Bäckerei und baute besonders die Brotbäckerei aus. Bernd Westerhorstmann trat 1994 in die Fußstapfen seines Vaters und führt die Brotfabrik bis heute.

Nachtrag: Wallraff kündigte unterdessen im SWR an, seine ehemaligen Kollegen finanziell zu unterstützen. Er wolle ihnen den Großteil eines mit 5.000 Euro dotierten Preises überlassen, den er dieser Tage als Schriftsteller in Mainz verliehen bekam. Sich seiner Macht als Medienprofi wohl bewusst, tritt der Enthüllungsjournalist in Bezug auf die Betriebsschließung noch einmal nach mit der Bemerkung: «Damit will er sich (Westerhorstmann) scheinbar aus der Verantwortung stehlen» – zitiert die Allgemeine Zeitung Günter Wallraff.