Freitag, 7. Oktober 2022
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ifo Institut: Viele Branchen planen Jobabbau

München. (ifo) Die Coronakrise wird in vielen Branchen Jobs kosten. Beschäftigte zu entlassen oder befristete Verträge nicht zu verlängern, beschlossen im April schon 58 Prozent der Betriebe in der Gastronomie, 50 Prozent in Hotels und 43 Prozent der Reisebüros. Das ergibt sich aus der Konjunkturumfrage des ifo Instituts. In der Autobranche sind es 39 Prozent der Betriebe. «Von nun an schlägt die Krise auf den deutschen Arbeitsmarkt durch», sagt dazu der Leiter der ifo-Befragungen, Klaus Wohlrabe.

Auch in anderen Branchen werden überdurchschnittlich viele Kündigungen ausgesprochen: Dies tun 57 Prozent der Unternehmen, die andere Arbeitskräfte vermitteln, 48 Prozent der Hersteller von Leder, Lederwaren und Schuhen, 30 Prozent der Druckereien und 29 Prozent der Hersteller von Metallerzeugnissen. Im Schnitt haben 18 Prozent der Betriebe in Deutschland Arbeitsplätze gestrichen. Bei der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln sind es zwölf Prozent.

Weniger stark von Kündigungen bedroht sind Beschäftigte in Rechtsanwalts-, Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterkanzleien mit fünf Prozent, Beschäftigte im Grundstücks- und Wohnungswesen mit zwei Prozent, auf dem Bau mit drei Prozent sowie in der chemischen Industrie mit fünf Prozent und in der pharmazeutischen Industrie mit null Prozent.

Auch regional gibt es Unterschiede: Besonders viele Betriebe in Baden-Württemberg streichen Jobs (22 Prozent der Firmen) und in Bayern (20 Prozent). Besonders wenige sind es im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit elf Prozent.

Kurzarbeit erfasste schnell fasst alle Branchen

Die Kurzarbeit trifft Beschäftigte in fast allen Branchen und griff nach dem Lockdown schnell um sich. Spitzenreiter ist die Gastronomie mit 99 Prozent und das Beherbergungsgewerbe mit 97 Prozent. Das geht aus den Umfragen des ifo Instituts im April hervor. Besonders betroffen ist auch die Schlüsselbranche Automobilbau mit 94 Prozent der Firmen. Der Durchschnitt liegt bei 50 Prozent. «Das schlägt alle Zahlen aus der Finanzkrise von 2009», sagt der Leiter der ifo Befragungen, Klaus Wohlrabe.

«Kurzarbeit ist für die Betriebe eine Brücke über eine Zeit niedriger Umsätze. Sollten die Umsatzausfälle aber länger andauern, werden auch Arbeitsplätze ganz wegfallen», sagt Wohlrabe weiter.

In der Luftfahrt fahren 91 Prozent der Betriebe Kurzarbeit, bei den Reisebüros und Reiseveranstaltern 90 Prozent der Betriebe. 98 Prozent der Lederwarenhersteller haben Kurzarbeit und 96 Prozent der Hersteller von Bekleidung. Aber auch kreative, künstlerische und unterhaltende Betriebe stecken mit 82 Prozent drin, Betriebe des Sports (Bäder, Golfclubs, Fitness-Studios, Freizeit- und Vergnügungsparks) zu 81 Prozent.

Gleichzeitig wird in einigen wenigen Branchen vergleichsweise wenig kurzgearbeitet. In der Chemie sind es 30 Prozent, bei den Herstellern von Nahrungs- und Futtermitteln 21 Prozent, im Gesundheitswesen 14 Prozent, in Anwaltskanzleien, bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern 3 Prozent. Gar keine (0 Prozent) Kurzarbeit melden die Energieversorger, Betriebe der Abwasserentsorgung und die Hersteller von Medikamenten.

Ein Vergleich der Bundesländer zeigt Unterschiede beim Anteil der Kurzarbeit. Am stärksten betroffen sind Bayern mit 54 Prozent und Baden-Württemberg mit 53 Prozent. Am Ende der Skala liegen die drei mitteldeutschen Länder Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit 43 Prozent sowie Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 39 Prozent.

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