Mittwoch, 7. Dezember 2022
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Japan: Ungewisse Aussichten auf dem Nahrungsmittelmarkt

Tokio / JP. (gtai) Japans Nahrungs- und Getränkemarkt steht angesichts der Wirtschaftskrise vor einem unsicheren Jahr 2009. Eine Reihe heimischer Unternehmen bemüht sich um neue Partnerschaften, um mit den vielen Problemen besser fertig zu werden. Auch der Markt für Verpackungen steht unter Druck. Vor allem wegen der großen demografischen Veränderungen müssen Nahrungsmittelverpackungen viele Verbraucherwünsche erfüllen – berichtet Germany Trade and Invest.

Japans Markt für Nahrungsmittel und Getränke zeigt nur wenig Bewegung. Die allgemeine Wirtschaftskrise wirkt sich negativ auf das Konsumklima aus. Wachstumshemmend wirken zudem die Alterung der Gesellschaft, niedrige Geburtenraten sowie die angesichts zahlreicher Skandale großen Zweifel an der Nahrungsmittelsicherheit. Für einen gewissen positiven Ausgleich sorgt aber die Tatsache, dass viele Verbraucher unter anderem wegen der Meldungen über gesundheitsgefährdende Chemikalien in chinesischer Gefrierkost beim Einkauf vermehrt auf «sichere» heimische Nahrungsmittel zurückgreifen.

Vor diesem Hintergrund ist für 2009 mit einem weitgehend stagnierenden Markt zu rechnen. Nach den Prognosen der Fachzeitschrift «Beverage and Food Statistical Monthly» des Verlags Nikkan Keizai Tsushinsha wird Japan 2009 Nahrungsmittel und Getränke im Wert von knapp 23,38 Billionen Japanischer Yen (JPY) produzieren (ungefähr 201,5 Milliarden Euro, wenn ein Euro mit 116 JPY zugrunde gelegt wird). Im Vergleich zum Vorjahr wäre dies ein Zuwachs um 0,5 Prozent.

Das Land steigerte 2008 seine Nahrungsmittel- und Getränkeerzeugung gegenüber 2007 um 1,7 Prozent auf rund 23,3 Billionen JPY. Alkoholfreie Getränke bildeten mit 16,2 Prozent das größte Segment, gefolgt von Bier und anderen alkoholischen Getränken (15,8 Prozent), Mehl, Brot und Teigwaren (10,4 Prozent) sowie Süßwaren mit 10,2 Prozent. Der Anteil der Gefrierkost ging von 2,9 auf 2,8 Prozent zurück. Die Gesundheitskost verzeichnete mit 11,1 Prozent wie schon in den Vorjahren das größte Wachstum. Mit absolut 800,0 Milliarden JPY wurde dabei trotz der Skandale das Niveau der weiterhin stark nachgefragten Gefrierkost weit übertroffen (2007: 657,5 Milliarden JPY). Die Gefrierkost soll 2009 erneut zweistellig zulegen.

Aufgrund der vielen strukturellen und konjunkturellen Probleme kommt es im Nahrungsmittelsektor zu neuen Zusammenschlüssen von Unternehmen. Zeitungsmeldungen von Mitte Dezember 2008 zufolge verhandeln der viergrößte Süßwarenproduzent Morinaga Co. und die Nummer zwei bei Milcherzeugnissen, Morinaga Milk Industry, über eine Fusion zum Herbst 2009. Die neue Firma würde zum neuntgrößten heimischen Nahrungsmittelproduzenten aufsteigen.

Im September 2008 kündigte der größte inländische Hersteller von Milcherzeugnissen, Meiji Dairies, an, bis April 2009 den zweitgrößten Süßwarenproduzenten Meiji Seika übernehmen zu wollen. Die neue Firma erhält den Namen Meiji Holdings und belegt künftig Platz fünf auf dem Nahrungsmittelmarkt.

Ferner plant Yamazaki Baking, seine Firmenanteile am Süßwarenproduzenten Fujiya von bisher 35 auf 51 Prozent aufzustocken. Die Umwandlung in eine Tochtergesellschaft soll dazu beitragen, Fujiya wieder in die Gewinnzone zu bringen. Yamazaki, größter heimischer Hersteller von Backwaren, strebt längerfristig einen Jahresumsatz von einer Billion JPY an. Dieser Betrag gilt im japanischen Nahrungsmittelsektor als Untergrenze für die Ausübung von Markt- und Einkaufsmacht, heißt es in Zeitungsberichten.

Der Markt für Verpackungen und Behälter hatte 2007 nach Angaben des Japan Packaging Institute (JPI) ein Volumen von 6,23 Billionen JPY; dies waren drei Prozent mehr als 2006. Unter den Materialien entfiel auf Papier und Pappe ein Umsatzanteil von 40,4 Prozent (2,52 Billionen JPY). Dahinter folgten Kunststoffe (30,4 Prozent; 1,89 Billionen JPY) und Metall mit 17,1 Prozent (1,06 Billionen JPY). Abgesetzt wurden 20,8 Millionen Tonnen. Dies entsprach in etwa dem Ergebnis von 2006. Papier und Pappe hielten einen Anteil von 61 Prozent (12,75 Millionen Tonnen), gefolgt von Kunststoffen mit 19,3 Prozent (4 Millionen Tonnen) und Metall mit 9,3 Prozent (1,94 Millionen Tonnen).

Dank eines relativ guten Geschäfts bis September ist das Umsatzvolumen 2008 ähnlich wie 2007 ausgefallen. Der Absatz hingegen ist wahrscheinlich etwas zurückgegangen. Sehr stark schwankende Materialpreise sorgen bei den Hersteller für viel Verunsicherung. Die Aussichten für 2009 sind unklar. Die starken Produktionskürzungen in einer Reihe von Branchen dürften sich auch auf die Verpackungsindustrie auswirken. Bei Verpackungen für Nahrungsmittel fällt die Nachfrage wegen der im Vergleich zu anderen Branchen noch recht günstigen Lage wahrscheinlich relativ stabil aus.

Umweltfreundlichkeit ist ein wichtiges Kriterium bei Nahrungsmittelverpackungen in Japan. Dies soll unter anderem durch eine Reduzierung der verwendeten Mengen sowie durch ein geringeres Gewicht der Verpackungen erreicht werden. Eine andere Anforderung an die Verpackungen ist, dass Sicherheit und Qualität des Inhalts zum Beispiel durch Lichtundurchlässigkeit und antibakterielle Eigenschaften des Materials bewahrt werden. Ferner sollen sie leicht zu handhaben und mit gut lesbaren Aufklebern versehen sein. Ein Grund für diese Forderung ist der wachsende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung.

Nach einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Fuji Keizai nimmt unter anderem bei Getränken und Gewürzen die Verwendung von PET-Behältern generell zu, die von Glas dagegen ab. Als Reaktion hat zum Beispiel Asahi Soft Drinks 2008 insgesamt sieben Milliarden JPY in zwei Anlagen zur Herstellung von PET-Behältern investiert. Hierdurch will die Firma den Anteil der selbst produzierten PET-Flaschen von bisher 30 auf 40 Prozent anheben. Als Verpackungsmaterial für die aus Gesundheitsgründen sehr populären Gemüsegetränke wird vor allem Papier benutzt.

Die schweizerische Firma Nestle will 2009 drei Forschungs- und Entwicklungszentren in Japan errichten. Sie sollen sich mit den Themen Ernährung, Entwicklung neuer Getränke und Verpackungstechnologien befassen. Das Zentrum für Verpackungstechnik wird bei der japanischen Firmenzentrale in Kobe eingerichtet. Arbeitsschwerpunkte sind umweltfreundliche Verpackungen und Drucktechniken. Vorgesehen ist, die Forschungsergebnisse innerhalb des Konzerns weltweit einzuführen, berichtet Germany Trade and Invest.

Kontaktanschriften:

Japan Packaging Institute
10 F, Togeki Bldg., 4-1-1 Tsukiji, Chuo-ku, Tokio 104-0045
Telefon: 00813 / 35431189
Telefax: 00813 / 35438970
Internet: https://www.jpi.or.jp

Japan Dairy Industry Association
Nyugyo Kaikan Bldg. 4F, 1-14-19 Kudan-kita, Chiyoda-ku, Tokio 102-0073
Telefon: 00813 / 32619161
Telefax: 00813 / 32619175
Internet: https://www.jdia.or.jp

Brewers Association of Japan
2-8-18 Kyobashi, Chuo-ku, Tokio 104-0031
Telefon: 00813 / 35618386
Telefax: 00813 / 35618380
Internet: https://www.brewers.or.jp

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