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Je mehr Vollkorn, desto weniger Wohlstandskrankheiten

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Bonn. (bzfe / eb) Für die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die neuseeländische Otago-Universität unzählige Studien in einer Breite ausgewertet, die weltweit wohl einmalig ist. Hintergrund: Die empirische Forschung der Uni soll die Entwicklung neuer WHO-Empfehlungen für eine optimale tägliche Ballaststoffzufuhr unterstützen. Erste Ergebnisse präsentierten wir Ihnen an dieser Stelle erst vor wenigen Wochen unter dem Titel «Je mehr Vollkorn, desto gesünder». Im Laufschritt eilt seither die Studie um die Welt, die nichts anderes sagt (oder stark vermuten lässt), als dass Vollkornprodukte und die darin enthaltenen Ballaststoffe geeignet sind, Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Auch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) hat die Ausführungen aus Dunedin gelesen. Mit seinem Sachverstand hat es wichtige, zentrale Ergebnisse noch einmal auf den Punkt gebracht wie folgt:

Wer reichlich Ballaststoffe und Vollkornprodukte mit der Nahrung aufnimmt, kann chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Schlaganfall und Herzinfarkt entgegenwirken. Zu diesem Resultat kommt eine große Übersichts-Studie aus Neuseeland. Die Wissenschaftler der University of Otago hatten 185 Beobachtungsstudien und die Ergebnisse von 58 klinischen Untersuchungen mit über 4.600 Teilnehmern ausgewertet. Die zu Beginn gesunden Probanden machten detaillierte Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten und wurden für den Studienzeitraum medizinisch begleitet. In den klinischen Untersuchungen analysierten die Wissenschaftler, wie sich eine ballaststoffreiche Ernährung auf verschiedene Parameter wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette auswirkt.

Ein hoher Ballaststoffverzehr (mindestens 25 bis 29 Gramm täglich) verringerte die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Leiden im Vergleich zu einem geringen Verzehr (weniger als 15 Gramm täglich) um 15 bis 30 Prozent. Das Auftreten von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2 und Darmkrebs war um 16 bis 24 Prozent reduziert.

Eine weitere Auswertung der klinischen Studien zeigte, dass sich durch eine ballaststoffreiche Kost Körpergewicht, Cholesterin- und Blutdruckwerte senken lassen. Für manche Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Darmkrebs konnten die positiven Effekte durch einen höheren Ballaststoffverzehr als 30 Gramm täglich noch gesteigert werden. Generell gaben die Autoren allerdings zu bedenken, dass Beobachtungsstudien keine ursächlichen Beziehungen nachweisen können. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann mit einer insgesamt gesünderen Lebensweise verbunden sein. Daher sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Hintergründe besser zu verstehen.

Laut Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten Erwachsene mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag verzehren. Vielen Menschen fällt es schwer, diesen Richtwert zu erreichen. «Mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten lässt sich der Ballaststoffverzehr ganz einfach steigern», erklärt Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). «Greifen Sie bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln und Reis öfter mal zur Vollkornvariante», sagt Seitz. «Der etwas herbere Geschmack von zum Beispiel Vollkornpasta ist nur zu Beginn etwas ungewohnt.» Ballaststoffe haben auch andere positive Wirkungen auf die Gesundheit. Sie erhöhen zum Beispiel das Sättigungsgefühl und helfen dadurch bei der Gewichtskontrolle. Zudem fördern sie eine gesunde Darmflora (Foto: pixabay.com).