Dienstag, 27. September 2022
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20170623-MEHL

Karlchens Backstube: geht unter die Müller

Löhne. (eb) Die Karlchens Backstube GmbH in Ostwestfalen geht unter die Müller. Dafür übernimmt sie die C. Hahne Mühlenwerke GmbH + Co. KG aus Löhne. Damit ist den Geschwistern Karsten Krüger und Simone Böhne, Geschäftsführer von Karlchens Backstube, binnen kürzester Zeit ein zweiter bedeutender Coup gelungen – der sich (ähnlich wie beim ersten Coup) schlicht aus der sich bietenden Gelegenheit ergab.

Hahne-Werke schlitterten Anfang 2016 in die Insolvenz

Seit 2016 betreut die Rechtsanwaltsgesellschaft Walterscheid aus Bad Oeynhausen die Löhner Hahne-Werke (spezialisiert auf Cerealien), die Insolvenz beantragen mussten. Ein von Walterscheid betreutes Sanierungskonzept sollte den Fortbestand des Unternehmens sichern. Als Gründe für die wirtschaftliche Krise nannte Nikolaus Hahne den Wegfall eines Millionen- Großauftrags für einen russischen Großkunden und das anhaltende Preisdumping vieler Discounter. Der große Bestand vieler ausländischer Kunden stimmte Hahne jedoch zuversichtlich. Walterscheid riet Hahne daher, den Insolvenzantrag rechtzeitig zu stellen, die Eigenverwaltung zu beantragen und ein erfolgreiches Sanierungskonzept aufzustellen. Das gelang.

Hahne führte das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durch und restrukturierte das Unternehmen unter veränderten Bedingungen. Dabei war der Personalabbau um 70 auf 140 Beschäftigte mit Blick auf die Rettung des Unternehmens unvermeidbar. Das Gericht machte deutlich, dass es dem Unternehmen die erfolgreiche Umsetzung der Restrukturierung zutraut und den von Walterscheid begleiteten Sanierungsprozess vertraut. Die teils verkrusteten Strukturen des Traditionsbetriebs wurden zielführend durch neue marketingstrategische Entscheidungen verändert.

Wie jetzt die «Neue Westfälische» schreibt, zieht sich die Familie Hahne aus dem Mühlenwerk zurück und Karlchens Backstube übernimmt. Deren Inhaber Karsten Krüger und Simone Böhne haben die Gesellschafteranteile von Axel und Dietrich Hahne übernommen. Die Gläubigerversammlung hat dem Insolvenzplan – auch mit Zustimmung der Brüder Hahne – bereits zugestimmt. Insolvenzberater Joachim Walterscheid ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden – nachzulesen in «Großbäckerei übernimmt die Hahne-Mühlenwerke» bei der «Neuen Westfälischen».

Vertrauensverhältnis entstand beim «Fall Bäckerjunge»

Die Bäckerei Zimner GmbH + Co. KG aus Spradow hatte Anfang April 2016 einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dem Unternehmen – besser bekannt als «Ihr Bäckerjunge» – machten seinerzeit unter anderem hohe Energiekosten und einige, durch Straßenbaustellen negativ beeinflußte Filialgeschäfte zu schaffen. Im Rahmen der von der Walterscheid Rechtsanwaltsgesellschaft begleiteten Eigenverwaltung bleibt das Unternehmen berechtigt, die Insolvenzmasse zu verwalten und über sie zu verfügen, unterlag aber der Aufsicht eines Sachwalters, der die wirtschaftliche Lage des Unternehmens prüfte und in Zusammenarbeit mit der Unternehmungsführung ein tragfähiges Konzept für die Zukunft entwickelte.

Ende Januar 2017 fiel dann die Investorenentscheidung zugunsten von Karlchens Backstube.

Mit der Genehmigung des neuen Gesellschafters durch die Gläubigerversammlung war damit aus Sicht des Sachwalters unter das Kapitel «Sanierung Bäckerjunge» ein Schlussstrich gezogen. Dass der Insolvenzplan vollständig angenommen wurde, brachte vor allem Rechtssicherheit für die Mitarbeiter, denn durch die Übernahme blieben die Arbeitsverträge beim selben Rechtsträger. Betroffen waren 81 Mitarbeiterinnen in 21 Bäckerjunge-Filialen. Im Prozess der Insolvenz wurden vier von ursprünglich 21 Bäckerjunge-Filialen geschlossen. 13 Filialen übernahm Karlchens Backstube und vier weitere wurden an andere Mitbewerber verkauft.

Nicht ohne Stolz heißt es heute auf Karlchens Homepage: Das Unternehmen wurde im Jahr 1934 durch Karl Krüger gegründet. Was mit neun Broten pro Tag und der Auslieferung per Fahrrad begann, blickt in dritter Generation auf über 50 eigene Filialen.

Und neuerdings eine Mühle.

Aus der Zusammenarbeit im «Fall Bäckerjunge» sei ein Vertrauensverhältnis entstanden, sagt Joachim Walterscheid, das seine Kanzlei ermutigt hätte, in Sachen Hahne Werke mit Karsten Krüger und Simone Böhne Kontakt aufzunehmen. Wie in der «Neuen Westfälischen» nachzulesen ist, haben Krüger und Böhne bereits viele gute Ideen, wie es mit dem Mühlenwerk vorwärts gehen kann. Wenn es die Zeit erlaubt, fällt ihnen vielleicht noch auf, welche bemerkenswerte Entwicklung «Karlchens Gruppe» in diesem Jahr genommen hat (Foto: pixabay.com).

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