Samstag, 5. Dezember 2020
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KfW-Mittelstandspanel 2020: KMU erwarten weiter holprige Entwicklung

Frankfurt. (kfw) Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren bei den kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Deutschland (KMU), Betroffenheit und Unsicherheit sind noch immer hoch. Die Umsätze brechen stärker ein als in der Finanzkrise. In der Folge befürchten viele Unternehmen einen weiteren Druck auf die Beschäftigung. Auch die Eigenkapitalquoten der Unternehmen werden belastet. Dank seiner Erfolge in den vorangegangenen Jahren verfügt der Mittelstand in der Breite aber über ein solides Fundament. Dies zeigt das neue KfW-Mittelstandspanel 2020.

Der historische Einbruch der Wirtschaftsleistung und die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Pandemie prägen die Erwartungen des Mittelstands für das Gesamtjahr 2020. Mehr als jedes zweite KMU – rund 2 Millionen Unternehmen – geht von sinkenden Umsätzen im laufenden Jahr aus. Die erwarteten Rückgänge belaufen sich insgesamt auf etwa 12 Prozent der Vorjahresumsätze, was rund 545 Milliarden Euro entspricht. Die hohen Umsatzverluste dürften auch die Beschäftigung weiter unter Druck setzten: Auf Basis der von den KMU gemeldeten Erwartungen könnte sich der Beschäftigungsabbau im Mittelstand bis Jahresende auf bis zu 3,3 Prozent belaufen. Dies entspräche einem Verlust von insgesamt fast 1,1 Millionen Arbeitsplätzen für das Gesamtjahr. Bis zum Ausbruch der Pandemie haben die Mittelständler ihre Beschäftigung jedoch kräftig ausgeweitet. Ende 2019 erreichte der Erwerbstätigkeit in KMU mit 32,3 Millionen einen neuen Höchststand. Der Anteil des Mittelstands an der gesamtwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit lag zuletzt bei 71,3 Prozent.

Repräsentative Sonderbefragungen im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels zeigen aber auch, dass sich die Liquiditätslage der KMU seit dem Tiefpunkt der Pandemie im April merklich entspannt hat. Im Falle eines erneuten Lockdowns sähe sich aktuell rund jeder dritte Mittelständler mit ausreichenden Liquiditätsreserven gewappnet – 12 Prozentpunkte mehr als noch Anfang April. Weitere 28 Prozent hätten Liquiditätsreserven für zwischen 6 und 12 Monate.

Mittelstand vor der Pandemie auf solidem Fundament

Die erwarteten Verluste im Jahr 2020 zehren jedoch an den Eigenmitteln der Unternehmen. Ein gutes Drittel der KMU rechnet im laufenden Geschäftsjahr daher mit sinkenden Eigenkapitalquoten. «Insgesamt verfügt der Mittelstand in Deutschland aber über eine hohe finanzielle Widerstandskraft.» sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. «Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren einen hohen Bestand an Eigenkapital aufgebaut, wovon sie nun profitieren. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote erreichte mit 31,8 Prozent.im Jahr 2019 sogar einen neuen Rekordwert.» Dazu beigetragen haben die wiederholt positive Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr sowie ein Anstieg der Profitabilität. Der Mittelstand verzeichnete 2019 aufgrund einer kräftigten Binnenkonjunktur ein Umsatzplus von 3,5 Prozent. Gleichzeitig kletterte die durchschnittliche Umsatzrendite auf 7,5 Prozent.

Die Corona-Pandemie schlägt sich auch auf das Investitionsverhalten der KMU nieder. Bis September wurden deutlich seltener als in den Vorjahren Investitionsvorhaben planmäßig umgesetzt. Viele Unternehmen legen anscheinend ihre Investitionsprojekte aufgrund hoher Unsicherheiten und knapper Mittel für dieses Jahr auf Eis. Für 2020 muss daher mit einem merklichen Rückgang des Investitionsvolumens im Mittelstand gerechnet werden. Damit käme der seit sechs Jahren anhaltende Expansionskurs bei der mittelständischen Investitionstätigkeit vorerst zu einem Halt. Das Volumen der Neuinvestitionen erreichte 2019 noch eine neue Höchstmarke von 187 Milliarden Euro.

Auch mittelfristig könnte sich die Corona-Pandemie als hemmend für Investitionen und Innovationen erweisen. «Trotz der komfortablen Ausgangslage der meisten mittelständischen Unternehmen in Deutschland wird die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen. Nicht nur in den Bilanzen der KMU, sondern auch in den Köpfen der Unternehmerinnen und Unternehmer. Vorsicht und Zurückhaltung könnten das Handeln Vieler in der kommenden Zeit bestimmen,» sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib. «Es ist wichtig, dem entgegenzuwirken – durch gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen, die zum einen Unsicherheit reduzieren und zum anderen Impulse setzen, die in der Pandemie liegenden Chancen zu nutzen.»