Donnerstag, 8. Dezember 2022
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Küchenhersteller muss wegen Serverausfall Insolvenz anmelden

Melle / Osnabrück. (pluta) Die Rational Einbauküchen Solutions GmbH, ein bekannter Küchenhersteller aus Melle im Osnabrücker Land, hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen gestellt. Das Amtsgericht Osnabrück ordnete am 16. September 2022 das vorläufige Verfahren an und bestellte RA Stefan Meyer von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Die Küchenproduktion ruht derzeit aufgrund eines Totalausfalls entscheidender Teile der Serversysteme, mit der Planung und Produktion der Küchen und wesentliche weitere Unternehmensprozesse gesteuert werden. Der Vorfall ereignete sich um den Monatswechsel nach einem Stromausfall in der Region, der zu einer erheblichen Beschädigung der IT-Server und einem irreparablen Datenverlust geführt hat, nachdem auch die Notstromversorgung aufgrund technischer Defekte zeitgleich ausgefallen ist. Das Unternehmen kann daher aktuell keine Aufträge bearbeiten und keine Daten zu existierenden Aufträgen an die Produktion weiterleiten. Nach intensiver Prüfung durch die IT-Abteilung und externe Fachfirmen ist eine Wiederherstellung der Daten jedenfalls kurzfristig technisch unmöglich. Dies bedeutet, dass zurzeit keine genaue Aussage möglich ist, ab wann die Produktion der Küchen wieder aufgenommen werden kann. Aus diesem Grund hat die Geschäftsführung wegen des unvermeidbaren Umsatzausfalls und damit einhergehender drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Osnabrück die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Das Unternehmen beschäftigt 64 Mitarbeiter, die noch am Freitag vor Ort von den Verantwortlichen über den aktuellen Stand informiert wurden. Lohn- und Gehaltsrückstände bestehen nicht. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind bis einschließlich August 2022 bezahlt. In den kommenden Tagen wird zunächst alles daran zu setzen sein, den Beteiligten die Situation umfassend und transparent zu erläutern und bestmögliche Lösungen für sämtliche Bestandsaufträge zu finden, die aufgrund der irreparablen Datenverluste von rational einbauküchen derzeit nicht ausgeführt werden können. Daneben wird der vorläufige Insolvenzverwalter die Zustimmung zur Insolvenzgeldvorfinanzierung bei der Agentur für Arbeit beantragen. Denn es ist in jedem Fall geplant, trotz der aktuell sehr kritischen Lage für alle Verfahrensbeteiligten das Unternehmen zu erhalten, eine Liquidation zu vermeiden und schnellstmöglich eine Fortführungslösung für rational zu finden. Hierzu wird der vorläufige Insolvenzverwalter auch einen offenen Investorenprozess (M+A-Prozess) einleiten, bei dem neben den aktuellen Gesellschaftern auch alle in Frage kommenden in- und ausländischen strategischen Investoren sowie auch interessierte Finanzinvestoren motiviert werden sollen, rational Küchen trotz des sehr schwierigen Momentums gleichwohl zu übernehmen und in eine gute und stabile Zukunft zu führen.

Lösungen finden trotz schwieriger und belastender Momentaufnahme

«Wir waren am Freitag unmittelbar nach der Beschlussfassung des Insolvenzgerichts vor Ort, verschaffen uns derzeit einen umfassenden Überblick über die sehr schwierige Situation und arbeiten mit aller Kraft an einer Stabilisierung der Lage, was aufgrund der sehr außergewöhnlichen Umstände eine enorme Herausforderung darstellt. Zudem werden wir gemeinsam mit der Geschäftsführung und der sehr guten und hochqualifizierten Belegschaft schnellstmöglich nach Lösungen suchen, damit für das Traditionsunternehmen nach der unumgänglichen Unterbrechung von Vertrieb, Planung, Produktion und Verkauf eine Zukunftslösung gefunden werden kann», so der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer von Pluta, der im Verfahren unter anderem von Rechtsanwalt Dr. André Wehner unterstützt wird. Zudem fügt Meyer hinzu: «In enger Abstimmung mit der Geschäftsführung mussten wir uns leider auch dazu entschließen, die Teilnahme an der am Wochenende beginnenden Küchenmesse abzusagen, weil es wenig Sinn macht, Kunden und Geschäftspartner zu empfangen, denen aktuell nicht belastbar aufgezeigt werden kann, wann es mit rational operativ weitergeht und der Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen wird.»

Mano Bakhtiari, Geschäftsführer der Rational Einbauküchen Solutions GmbH, sagt: «In den vergangenen 14 Tagen haben wir alles versucht, um die IT-Probleme zu lösen. Dies ist kurzfristig leider technisch nicht möglich. Der Antrag war daher unumgänglich. Die Situation ist für alle Beteiligten, insbesondere die Kunden und Mitarbeiter, extrem belastend. Aber wir werden alles daran setzen, um gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Lösungen für unser Unternehmen zu finden. Wir sind in Kontakt mit unseren Kunden und werden diese laufend über die Entwicklungen informieren.»


Kommentar: Wie kann das passieren?

Bremerhaven. (eb) Wie kann eine Notstromversorgung aufgrund technischer Defekte zeitgleich ausfallen? Ohne firmeneigene IT oder IT-Netzwerke geht heute so gut wie nichts mehr in den Unternehmen. Entsprechend bedürfen firmeneigene Rechenzentren oder Einzelserver einer gezielten Vorsorge, um die Datensicherheit und Datenverfügbarkeit zu gewährleisten. Geräte, Netzwerke und Anlagen sind regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit unter Stress zu prüfen. Soll heißen: Nicht immer muss die neuste Modellreihe angeschafft werden. Doch bei softwareseitigen Updates und besonders Upgrades bietet es sich an, zur eigenen Sicherheit Stresssituationen auszulösen und die durchgängige Funktionsfähigkeit zu prüfen.

Lieber eine Datensicherung zu viel als zu wenig anlegen. Während die Sicherungswege manuell auszutüfteln und strategisch einzurichten sind, sollten die Datensicherungen an sich mindestens einmal am Tag vollautomatisch aktualisiert werden. Am besten eignen sich dafür RAID-Systeme – «Redundant Array of Independent Disks», also eine «redundante Anordnung unabhängiger Festplatten». Fast jeder Haushalt verfügt heute über einen NAS-Server mit RAID-System. Fast jede FritzBox lässt sich entsprechend erweitern. Weshalb sollten Unternehmen daran sparen?

Neben der internen Pflege von Datensicherungen auf unterschiedlichen Festplatten ist außerdem die externe Pflege in der Cloud empfehlenswert – für den Fall, dass der Betrieb plötzlich unter Wasser steht oder abbrennt und die Festplatten im NAS-Server nicht mehr zu gebrauchen sind. Die Miete für einen entsprechend zertifizierten Webspace kostet nicht die Welt und ist auf jeden Fall günstiger, als aus Unachtsamkeit die komplette Verwaltung zu verlieren.

Drei Kreuze macht, wer auf seine externe Sicherung, die natürlich ebenfalls täglich aktualisiert wird, nie zurückgreifen muss. Doch sollte irgendwann der Strom vor Ort so unglücklich ausfallen, dass die folgenden Kurzschlüsse selbst die Bits und Bytes auf lokalen Sicherungssystemen unbrauchbar machen, dann ist die parallele Sicherung in der Cloud die Rettung in der Not. Sie kostet nur eine Handvoll Euro, kann aber über Existenzen entscheiden.

Dasselbe gilt für den Fall eines kriminellen Angriffs auf digitale Infrastrukturen. Drei Kreuze macht dann, wer ein Sicherheitskonzept hat und gestaffelte Backups pflegt. Also [1.] Erpressungsversuchen standhält, [2.] flugs die zweite Hardware-Garnitur aus dem Lager holen kann und [3.] das Backup aufspielt, von dem anzunehmen ist, dass es noch nicht infiziert ist. Freilich kostet das alles Zeit und Energie, ist aber in jedem Fall günstiger, als alles zu verlieren.

Einer der bedeutendsten Schritte in einem umfassenden Sicherheitskonzept: Vergessen Sie die fehleranfälligen proprietären Erzeugnisse von Microsoft und gewöhnen Sie sich an die Schwarmintelligenz quelloffener europäischer Linux-Systeme. [1.] ist das deutlich kostengünstiger, [2.] ohne ablenkenden Firlefanz angenehm übersichtlich und [3.] in der Anwendung für Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeitenden deutlich sicherer in der Handhabung.

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