Dienstag, 26. Oktober 2021
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Kultiviertes Fleisch: Givaudan, Migros und Bühler gründen Pilotanlage

Vernier / Uzwil / Zürich. (mgb) Die drei Unternehmen Givaudan, Migros und Bühler haben in Kemptthal bei Zürich den Cultured Food Innovation Hub gegründet, um die Entwicklung und den Marktanteil von Produkten aus kultivierter Landwirtschaft voranzutreiben. Für die Massentauglichkeit von kultiviertem Fleisch spricht vieles: Fleisch ohne Schlachtung oder Massentierhaltung, eine deutlich bessere Klimabilanz, kein Antibiotika-Einsatz, und eine sichergestellte Ernährungssicherheit. Der Cultured Food Innovation Hub wird im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnehmen.

Der Cultured Food Innovation Hub wird ein eigenständiges, unabhängiges Unternehmen, das sich zu 100 Prozent im Besitz von Givaudan, Bühler und der Migros befindet. Es wird seinen Sitz im «Valley» in Kemptthal haben, einem Zentrum für Innovation und Technologie in der Nähe von Zürich. Das neue Unternehmen wird Technologie-Einrichtungen und Wissen bereitstellen, um andere Unternehmen auf ihrem Weg zu kultiviertem Fleisch, kultiviertem Fisch und Meeresfrüchten sowie Präzisionsfermentation zu unterstützen. Der Cultured Food Innovation Hub wird sowohl mit einem Produktentwicklungslabor als auch mit Zellkultur- und Biofermentationskapazitäten ausgestattet sein, um Start-ups bei der Entwicklung und Markteinführung des richtigen Produkts bestmöglich zu unterstützen.

Die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis weltweit hat gezeigt, dass sich die Konsumenten um die Umwelt sorgen und gesunde, ethisch vertretbare und nachhaltige Lebensmittel von den Produzenten verlangen. In einer Welt, die durch den Klimawandel vor großen Herausforderungen steht und deren Bevölkerung bis 2050 auf gut zehn Milliarden Menschen wachsen wird, ist der Bedarf an nachhaltigem Anbau und Beschaffung von Lebensmitteln entscheidend.

Fleisch aus dem Bioreaktor bietet die Möglichkeit, tierische Produkte herzustellen, ohne Tiere zu züchten. Als Ausgangspunkt dienen tierische Zellen. Technologien wie die Fermentation können dann für die Züchtung von Fleischprodukten eingesetzt werden. Das Ergebnis ist Fleisch, das sowohl in seiner Struktur als auch geschmacklich mit tierischem Fleisch identisch ist. Es hat jedoch erheblich geringere Auswirkungen auf die Umwelt und kommt ohne Massentierhaltung oder Schlachtung aus.

«Die zelluläre Landwirtschaft bietet eine Lösung für viele Bereiche: von der Verringerung des Flächen- und des Wasserverbrauchs über den Tierschutz bis hin zur Sicherheit und Qualität der Lebensmittelkette. Die drei Partner in diesem neuen Projekt haben sich als Unternehmen der Nachhaltigkeit verpflichtet. Gemeinsam haben sie eine Vision für eine nachhaltige Lebensmittelzukunft», sagt Ian Roberts, Chief Technology Officer bei Bühler.

Fabio Campanile, bei Givaudan Global Head of Science and Technology, Taste + Wellbeing, ergänzt: «Bühler bringt branchenführende Lösungen ein, die in der Skalierung und Produktion von tausenden von Lebensmitteln auf der ganzen Welt eingesetzt werden. Givaudan bringt jahrhundertelange Erfahrung und Wissen in allen Aspekten des Geschmacks in die Produktentwicklung ein, inklusive aller Arten von Fleischalternativen, sowie sein fundiertes Fachwissen in der Biotechnologie. Die Migros ist bekannt für ihre Kompetenz in der Interaktion mit ihren Kundinnen und Kunden und in der Marktbearbeitung. Die Kombination dieser drei Partner ist bemerkenswert.»

«Diese einzigartige Partnerschaft hat bahnbrechendes Potenzial, einen unglaublichen, positiven Einfluss auf die Welt zu haben», sagt Matthew Robin, Geschäftsleiter Elsa-Mifroma bei der Migros-Industrie: «Die Konsumentinnen und Konsumenten beginnen, die Idee der zellulären Landwirtschaft zu begreifen und die Vorteile, die sie bieten kann. Der Markt ist bereit für außergewöhnliches Wachstum. Wenn wir dies alles zusammenführen, haben wir eine gewinnbringende Kombination für den Planeten.»

Der Cultured Food Innovation Hub wird 2022 in Betrieb gehen (Foto: BühlerGroup).