Freitag, 23. April 2021
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20161004-THREE-MONKEYS

Müller Brot: Staatsanwaltschaft will in Revision gehen

Hamburg. (div) Wie angekündigt, hat das Landgericht Landshut Ende letzter Woche sein Urteil in der Causa Müller Brot gefällt. Während die gesamte Republik immer noch von einem «Ekel-Skandal» spricht, hat das Gericht bei der Strafbemessung die Samthandschuhe angezogen und drei Ex-Manager zu Bewährungsstrafen von zwölf bis 22 Monaten sowie Geldstrafen zwischen 9.000 und 13.000 Euro verurteilt.

Günstig für die Beklagten hat sich den Berichten nach ausgewirkt, dass die Behörden die hygienischen Missstände nicht an den Lebensmitteln an sich, sondern an den Produktionsbedingungen festgestellt hatten. Gesundheitsgefährdende Lebensmittel seien nicht in Verkehr gebracht worden. Für das Strafmaß von größerer Bedeutung war demnach die Insolvenzverschleppung und der Betrug in 177 Fällen.

Während die Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und fünf Monaten gefordert hatte, trat die Verteidigung für Freisprüche und bei einem der Angeklagten für eine Bewährungsstrafe ein. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, in Berufung zu gehen.

Dem Gericht stand frei, den Strafrahmen ausschöpfen und ein stärkeres Zeichen für den Verbraucherschutz zu setzen. Andererseits ist bei einer Prozessdauer von rund zehn Monaten anzunehmen, dass die Materie nicht so einfach ist, wie sie von außen scheint. Auch die bayerischen Überwachungsbehörden waren überfordert und haben partiell schlicht versagt. Was der Fall Müller Brot für den Verbraucherschutz gebracht hat, skizziert kurz die Süddeutsche Zeitung (Foto: Anderson Mancini).