Home > Markt + Unternehmen > Münsterland: Holly Back in Schwierigkeiten

Münsterland: Holly Back in Schwierigkeiten

20180105-LIFEBELT-YELLOW

Gronau / Westfalen. (ag / bag) Über die Holly Back GmbH aus dem Landkreis Borken, vertreten durch Geschäftsführer August Hollekamp aus Gronau, hat das Amtsgericht Münster am 24. August um 12:57 Uhr das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte das Amtsgericht den Rechtsanwalt Michael Mönig aus Münster (AZ:85.IN.53/18).

Der erfahrene Fachanwalt für Insolvenzrecht hat erste Maßnahmen zur Erhaltung des Unternehmens bereits eingeleitet. Die Belegschaft wurde mit als erstes informiert. Alle gut 300 Mitarbeitenden des Unternehmens sollen weiter beschäftigt werden. Es sind keine personellen Anpassungen geplant. Auch die Filialen bleiben erhalten. Die Zuversicht des vorläufigen Insolvenzverwalters geht weit über den üblichen Zweckoptimismus hinaus: «Die vorgefundenen Ausgangspositionen sind nicht schlecht, um das Unternehmen fortzuführen».

Für August den III. Hollekamp wurde die Antragstellung nach einigen wirtschaftlichen Rückschlägen unumgänglich. Die Konkurrenz aus dem Lebensmittel- Einzelhandel ist für ihn nachhaltig spürbar. Hollekamp fasst die Situation wie folgt zusammen: «Oftmals ist es Bequemlichkeit, vom Einkauf im Discounter gleich die Brötchen aus dem Backshop dort mitzunehmen. Auch wenn die Kunden wissen, dass die gute Bäckerqualität eben nur beim Bäcker zu bekommen ist». Ein Problem, das vorher schon andere Branchen beschäftigt hat. «Vor einigen Jahren hat es das Metzgerhandwerk hart getroffen, jetzt scheinen die Bäckereien dran zu sein», sagt Hollekamp III.

Der Geschäftsbetrieb wird ohne Abstriche fortgeführt. Alle Kunden können sich auf die gewohnt gute Qualität und handgefertigten Waren verlassen. Seit 90 Jahren sind diese Tradition im Familienunternehmen, das in der dritten Generation geführt wird.

Die Holly Back GmbH wurde 1928 von August den I. Hollekamp gegründet. Heute bietet das familiengeführte Unternehmen seine Backwaren, Snacks und die Kaffee-Spezialitäten in mehreren Filialen «in ganz Nordrhein-Westfalen» an, wie es in der Mitteilung heißt. Laut Homepage sind es zwölf Verkaufsstätten in der Region Steinfurt-Emsland-Borken. Allerdings hat Holly Back ein traditionell starkes Liefergeschäft. Oder anders herum: Die Bäckerei wurde zwar 1928 gegründet, die erste Filiale aber erst 1979 eröffnet. Oder wir verwechseln was, denn an anderer Stelle heißt es auf der Homepage, dass die erste HollyBack-Filiale 2002 eröffnet und damit ein weiterer Vertriebsweg erschlossen wurde.

Wie auch immer: Die letzte große Investition erfolgte 2008 mit dem Ausbau der Backstube auf 2’000 Quadratmeter. Der Nachwuchs – Lisa und August der IV. Hollekamp – hegen in Marita und August III. die Hoffnung, dass die Geschäfte zu einem geeigneten Zeitpunkt an die jüngere Generation übergehen können. Vorher müsste das Unternehmen vielleicht noch mal seine Vertriebswege prüfen, bereinigen und dabei langfristige Trends berücksichtigen, die zumindest derzeit unumkehrbar scheinen (Foto: pixabay.com).