Donnerstag, 24. September 2020
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Neue Alternativen zu Fleisch wirbeln die Industrie durcheinander

Düsseldorf. (atk) «Wir stehen vor nichts weniger als dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen», sagt Dr. Carsten Gerhardt, Partner und Landwirtschaftsexperte von A.T. Kearney. «Bereits 2040 werden nur 40 Prozent der konsumierten Fleischprodukte von Tieren stammen.» Dies bedeute auch ein Schrumpfen der Massentierhaltung mit allen ihren Problemen. Gerhardt beruft sich dabei auf eine neue Studie der internationalen Unternehmensberatung mit dem Titel «How will Cultured Meat and Meat Alternatives disrupt the Agricultural and Food Industry?», die sich intensiv mit neuen Alternativen zu klassischen Fleischprodukten beschäftigt. Zwar gehen die Autoren von einem global insgesamt weiterhin wachsenden Fleischmarkt aus, allerdings verdrängen neue Fleischalternativen und kultiviertes Fleisch zunehmend konventionelles Fleisch.

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Dabei bestechen neue, vegane Fleischalternativen und kultiviertes Fleisch in vielerlei Hinsicht und könnten durch ihre Eigenschaften einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und Ressourcenschutz beitragen. Ihre Konvertierungsrate von Pflanzenkalorien in Fleischkalorien ist rund viermal besser als die bei traditionellem Fleisch, weil ihre Herstellung deutlich zielgerichteter auf das Endprodukt Fleisch ausgelegt sowie mit weniger Energieverlust verbunden ist. Die Flächen- und Düngeproblematik wird reduziert und der Einsatz von Antibiotika und anderer Stoffe zur Aufzucht und zum Schutz von Tieren entfällt.

Der Landwirtschaftsexperte sieht aber auch große wirtschaftliche Chancen und eine radikale Veränderung der Ernährungsindustrie angesichts völlig neuer Geschäftsmodelle und Lieferketten. Seiner Meinung nach ist der aktuelle Markteintritt von «Beyond Meat» und der damit verbundene mediale Hype nur der Anfang. Der globale Fleischmarkt von jährlich rund 1.000 Milliarden US-Dollar wird bis 2040 auf rund 1.800 Milliarden anwachsen. Da im gleichen Atemzug die Karten jedoch völlig neu gemischt werden, verwundert es nicht, dass viele Investoren massiv in neue Ansätze investieren. Allein bis 2018 flossen rund 950 Millionen US Dollar in Start-Ups. Davon allein 50 Millionen US-Dollar in die noch vergleichsweise junge Idee, Fleisch durch Zellvermehrung und -strukturierung herzustellen, ohne ein Tier zu töten (Grafik: A.T. Kearney – Foto: pixabay.com).