Samstag, 15. Juni 2024
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NGG: Prekäre Beschäftigung ist der falsche Jobmotor

Hamburg. (ngg) «Der in diesen Tagen vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband vorgestellte Jahresbericht bescheinigt dem Gastgewerbe einerseits ein Umsatzplus, stellt ihr andererseits ein Armutszeugnis aus. Der (Dehoga) Bundesverband beklagt mit Krokodilstränen, was er selbst mit der Möglichkeit der Mitgliedschaft ohne Tarifbindung zu verantworten hat: 170.000, das sind zwei Drittel der Unternehmen, sind nicht Tarif-gebunden und zahlen nach eigenen Angaben nicht selten nur Stundenlöhne von fünf oder sechs Euro. Das ist kein Argument gegen den Mindestlohn, sondern für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen. Die positiven Wirtschaftsdaten zeigen, dass der Mindestlohn auch wirtschaftlich kein Problem für die Branche darstellt»., sagt Burkhard Siebert, stellvertretender Vorsitzender der NGG Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. In kaum einer anderen Branche müssten so viele Menschen ihre Löhne derzeit aufstocken: 90.000 Mini-Jobber und rund 70.000 Sozialversicherungspflichtige. In 2011 habe das den Staat – allein für das Gastgewerbe – rund 1,5 Milliarden Euro gekostet. Unterschlagen habe der Dehoga auch, dass zwar 170.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in den letzten zehn Jahren entstanden seien, die geringfügige Beschäftigung aber weiter stark zugenommen habe – allein von 2007 bis 2012 um rund 160.000. Fast jeder zweite Arbeitsplatz sei heute ein Mini-Job. «Wir brauchen gute Arbeit. Prekäre Beschäftigung ist der falsche Jobmotor», sagt Siebert. Der NGG-Vize weist darauf hin, dass in der Mehrheit der Tarifgebiete die untersten Tarifgruppen seit 2015 oberhalb von 8,50 liegen und somit vom gesetzlichen Mindestlohn unberührt blieben. Insofern sei das Argument des Dehoga, dass das gesamte Tarifgefüge und die Tarifautonomie gefährdet seien, falsch.