Donnerstag, 18. Juli 2024
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Ofen- und Anlagenbau: Wachtel künftig unter neuem Dach

Hilden. (wa / wie) Die Wiesheu-Gruppe wird den Geschäftsbetrieb des Bäckereiofen-Herstellers Wachtel fortführen. Einer entsprechenden Vereinbarung stimmten der Gläubigerausschuss von Wachtel sowie der Sachwalter im laufenden Insolvenzverfahren zu. Die Wiesheu-Gruppe, die zu den Marktführern für Backöfen am Point of Sale in Europa gehört, wird sich dabei auf den sächsischen Wachtel-Standort Pulsnitz konzentrieren und diesen ausbauen. Am Firmensitz in Hilden nahe Düsseldorf wird die Produktion im Laufe dieses Jahres auslaufen.

Vorangegangen war ein strukturierter Investorenprozess für die Wachtel GmbH, die Anfang Dezember 2022 Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hatte. Das Insolvenzverfahren wurde am 01. März 2023 eröffnet. Wachtel beliefert eine breite Kundenpalette von inhabergeführten Einzelbäckereien bis zu großen Bäckereiketten.

Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass die Wiesheu-Gruppe im Rahmen eines Asset Deals die Liegenschaft in Pulsnitz sowie das nötige Anlage- und Umlaufvermögen übernimmt. Wachtel wird weiterhin als eigenes Unternehmen geführt und dabei zunächst etwa 115 Mitarbeiter beschäftigen. Vorgesehen ist, die Herstellung der bekannten Wachtel-Produkte (Etagenbacköfen Infra und Columbus, Stikkenöfen Atlas und Ladenbacköfen Piccolo) in Pulsnitz zu konzentrieren und diesen modernen Produktionsstandort in den nächsten Jahren strategisch weiter auszubauen. Die Wiesheu-Gruppe verfügt außer in Großbottwar nahe Stuttgart über einen Produktionsstandort in Wolfen in Sachsen-Anhalt sowie über Niederlassungen in West- und Osteuropa, USA und Asien.

Geschäftsführer Marcus Gansloser von Wiesheu sagt: «Ich freue mich sehr über diese ideale Ergänzung unseres Technologie- und Produktportfolios. Wachtel mit einer 100-jährigen Tradition kann sich im Verbund mit Wiesheu künftig voll auf den Ausbau der Kernkompetenzen – Top-Qualitätsprodukte mit Top-Service – fokussieren. Wir werden alles daran setzen, dass die Wachtel- und Wiesheu-Kunden von der bekannten Innovationskraft beider Unternehmen sowie von unserem internationalen Netzwerk profitieren können.»

Chief Restructuring Officer (CRO) Dr. Christian Gerloff von der Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte fügt hinzu: «Angesichts der aktuell großen Herausforderungen für die Branche durch die stark gestiegenen Energiepreise und den dadurch ausgelösten Nachfragerückgang war der Investorenprozess für Wachtel alles andere als einfach. Mit der Wiesheu-Gruppe bekommt das Unternehmen jetzt einen neuen Eigentümer, der zu den etablierten Adressen der Branche gehört und weltweit ausgerichtet ist.»

Der gerichtlich bestellte Sachwalter RA Holger Rhode von der Kanzlei Görg ergänzt: «Ich bin froh, dass innerhalb kurzer Zeit eine Zukunftslösung gefunden werden konnte, die die Traditionsmarke Wachtel sichert und dem Standort Pulsnitz neue Perspektiven eröffnet» (Foto: pixabay.com).