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Online-Lieferdienst: Was ist das Picnic Erfolgsrezept?

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Hamburg. (eb) Was Zalando für die Modewelt ist, ist der Picnic Supermarkt für den niederländischen Lebensmittel- Einzelhandel. Auch im äußersten Westen Nordrhein- Westfalens hat sich der pfiffige Lebensmittel-Lieferdienst schon herumgesprochen. Picnic Deutschland arbeitet seit März 2018 mit Edeka zusammen – was nicht zuletzt daran liegt, dass die Regionalgenossenschaft Rhein-Ruhr zu 20 Prozent am bundesdeutschen Ableger des klassischen niederländischen Start-ups beteiligt ist.

Die Idee von einem funktionierenden und profitablen Lieferdienst wurde im September 2015 von Michiel Muller, Joris Beckers, Frederik Nieuwenhuys und Gerard Scheij in die Welt gesetzt. Erster Testmarkt war die Stadt Amersfoort in der Provinz Utrecht. Das Unternehmen hat keine eigenen Niederlassungen, sondern liefert nur nach Hause. 2016 expandierte Picnic in die umliegenden Gemeinden und Großstädte wie Utrecht und Almere. 2017 folgte unter anderem Den Haag. Seit Januar 2018 liefert das Unternehmen auch nach Amsterdam.

2017 nahm Picnic in einer Finanzierungrunde von den niederländischen Geldgebern NPM Capital, De Hoge Dennen, Hoyberg und Finci rund 100 Millionen Euro Investitionskapital ein. Das Geld verwendet die Picnic B.V. hauptsächlich für die schnelle Expansion. Seither halten die Familien Fentener van Vlissingen (SHV Holdings), Hoyer (Stichwort Heineken), Van der Wal (Boni) und De Rijcke (Kruidvat) Anteile am Unternehmen.

Die Vorgehensweise des Online-Supermarkts

Die Zahl der Kunden und Regionen, in denen Picnic liefert, wächst rasant. Zudem stieg die Zahl der Wochentage, an denen der Online-Supermarkt ausliefert, vielerorts von drei auf sechs Tage. Um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt in Wohngebieten (CO2-Emissionen, Gerüche, Lärm) zu reduzieren, hat das Unternehmen spezielle, sehr kompakte Elektroautos («E-Workers» von Goupil) entwickeln lassen, die die Lebensmittel leise und sauber nach Hause liefern.

Ende 2017 hatte Picnic knapp 10.000 Produkte im Sortiment und rechnete mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Im März 2018 kündigte sich Picnic Deutschland an und im Juli nahm der Lieferdienst im Großraum Düsseldorf seine Arbeit auf. Schnell war auch Mönchengladbach im Gespräch. Die Zahl der kleinen «E-Workers» stieg zügig von anfänglich 25 (März) auf 40 Elektromobile (August) und liegt aktuell vermutlich schon wieder darüber (Dezember).

Das Unternehmen expandiert nicht mit dem Fokus auf die erreichbare Fläche. Erst, wenn die Marktdurchdringung in einem relativ kleinen Liefergebiet kaum mehr zu toppen ist, sieht sich Picnic in einer benachbarten Region um. Eine andere Vorgehensweise ist mit Blick auf möglichst geringe Kosten je Lieferung wahrscheinlich auch nicht darstellbar, denn: Picnic verlangt keine Liefergebühren. Zudem sind die Lebensmittelpreise nicht höher als die in einem stationären Supermarkt.

Der moderne Milchmann, oder: Die Masse macht’s

Picnic arbeitet nicht nach dem Taxi- sondern nach dem Omnibus- oder Milchmann-Prinzip: Nach logistisch höchst ausgefeilten Kriterien legt das Unternehmen Routen fest, an denen entlang es Kunden beliefert. Möglichst an festgelegten Tagen und am liebsten im Erdgeschoss. Wer abseits einer Route wohnt oder im Hochhaus ohne Aufzug, hat dann eben Pech gehabt. Die Fahrer oder «Runner» arbeiten in einem engen Zeitfenster, in dem sie ihre Touren abarbeiten. Alle Pläne, Touren, Fahr- und Fußwege sind dem Ziel untergeordnet, den Lieferdienst mit Blick auf die Ertragskraft profitabel zu gestalten. Das erklärt auch das schnelle Tempo, mit dem Picnic insgesamt expandiert. Analog zum Lebensmittel-Einzelhandel, in dem die Marge oft nur über die Masse zu erreichen ist, muss sich die Picnic B.V. ranhalten, um einen gewissen kritischen Punkt möglichst schnell zu überwinden.

Der «E-Worker» als Sympathieträger – und Inspiration

Werfen wir noch einen Blick auf das Lieferfahrzeug – das sehr kompakte Elektroauto des französischen Herstellers Goupil Industries. Die französische Website ist auch in Englisch und Spanisch verfügbar. Selbst wer mit allen drei Sprachen nicht so gut zurechtkommt, findet hier viele Fotos als Inspiration für ein eigenes Mobilitätskonzept – abseits der bislang üblichen konventionellen Transporter, die ohne Not immer breiter, länger und damit schwerer werden.

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In Deutschland sind die kleinen sympathischen Kraftprotze, auf das Wesentliche reduziert, bei der Iseki-Maschinen GmbH in Meerbusch zu finden. Wer die Hauptseite iseki.de ansteuert, findet allerdings nur schwer zur Auswahl an Goupil-Fahrzeugen für alle Lebenslagen. Die Kleintransporter mit 100 Prozent Elektroantrieb sind ziemlich versteckt. Mit dem «Goupil G4» – nach Firmenangaben die neue Referenz im Nutzfahrzeuge-Bereich – finden wir das vielseitige Fahrzeug respektive die Grundlage für Picnics «E-Worker».

Übrigens auch mit Kühlaufbau erhältlich

Sieht man sich das Fahrzeug näher an, wähnt man sich fast schon wie im Legoland: Putzig und pfiffig kommt er daher und scheint dabei gleich ein Dutzend drängender Fragen nach der Mobilität von Morgen zu beantworten. Es gibt den Goupil G4 als Pritsche, mit Kofferaufbau, Kipper oder Müllkipper, als Laubsammler, Aufbewahrungsbox, als Hochdruckreiniger. Wer möchte, erhält den Kleinen auch mit Kühlaufbau. Mit bis zu 1.200 Kilogramm Ladekapazität und einer Reichweite von bis zu 130 Kilometern kann der Kraftzwerg anspruchvollste Aufgaben erledigen – sicher auch für die Bäckerei (Foto: Picnic – Grafik: Iseki).

Der Fahrzeugbauer Goupil bewirbt den Kleintransporter G4 im November 2018 irgendwo in Nordafrika. Das ist das weit und breit einzig verfügbare Firmenvideo, das den Goupil G4 mit einem Kofferaufbau zeigt, wie ihn der Online-Supermarkt Picnic B.V. nutzt (02:00 Minuten) – Quelle: Goupil Industries | Standard Youtube Lizenz.