Samstag, 10. Dezember 2022
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Osteuropa: Die Kaffeebranche in der Ukraine

Kiew / UA. (gtai) Die Starbucks Coffee Company prüft derzeit einen Markteinstieg in der Ukraine. Ob deren Geschäftsmodell beim ukrainischen Publikum auf ähnliche Akzeptanz stoßen wird wie im angloamerikanischen Kulturkreis, bleibt abzuwarten. Ausländische Ketten hatten bisher – auch in den vergangenen Boom-Jahren – gezögert, sich in der Ukraine zu etablieren. Dabei spielten bürokratische Erschwernisse bei Betriebsansiedlungen die Hauptrolle, berichtet Germany Trade and Invest.

Kaffeebranche im Fokus ausländischer Investoren

Für die international führenden Ketten käme in der Ukraine am ehesten die Übernahme bestehender Cafes in Frage, zumal einige ukrainische Ketten ihre ausländischen Vorbilder hinsichtlich des Designs der Inneneinrichtungen und sogar der Logos versucht haben zu kopieren. Die Zeit scheint jetzt – unter den Bedingungen niedriger Kauf- und Mietpreise auf dem Immobilienmarkt des Landes – durchaus günstig. Starbucks befindet sich zur Zeit aber anscheinend noch in der Phase der Markterkundung. Konkrete Pläne sind jedenfalls nicht bekannt.

Die israelische Kaffeehaus-Kette Aroma Espresso Bar hat bereits konkrete Pläne. Sie will in der Ukraine in den kommenden zwei Jahren mindestens fünf Filialen eröffnen. Der erste Standort ist in Kiew bereits eröffnet. Weitere 25 Läden und Bars, betrieben von Franchise-Nehmern, sollen in den darauffolgenden fünf Jahren hinzu kommen. Das Unternehmen betreibt nach Angaben seines Regional Manager Ukraine Yakov Livshits zur Zeit mehr als 100 Cafes in Israel sowie weitere sechs den USA, Kanada, Rumänien und Zypern.

«Coffee-to-go» für Ukrainer wenig interessant

Die Coffee Shops, wie sie in der Ukraine während der letzten Jahre in den größeren Städten des Landes trotz der bisher nur sehr spärlichen ausländischen Direktinvestitionen überall neu entstanden sind, revolutionieren das ukrainische Verbraucherverhalten nicht auf dieselbe Weise wie das bereits seit längerem in Westeuropa zu beobachten ist. Das Format des in Pappbechern abgefüllten «Coffee-to-go», wie es etwa die australische Kette Gloria Jean?´s seit Herbst 2007 in der Ukraine heimisch zu machen bemüht ist, scheint relativ wenig erfolgreich. Das ukrainische Publikum bringt gern etwas Zeit für den Kaffee-Genuss mit und zieht Porzellangeschirr vor.

In der West-Ukraine ist der Markt für Cafes, Coffee Shops und ähnlichem nach Darstellung von Olha Paly, Inhaberin einer kleinen Cafe-Kette in Lviv, zur Zeit bereits zu 90 Prozent gesättigt. In der Zentral-Region und in Kiew betrage die Sättigungsquote 65 bis 70 Prozent und in der Ost-Ukraine erst 15 bis 25 Prozent.

Die Ost-Ukraine mag lieber Tee

Anders als in der West-Ukraine, die vor 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie gewesen war – Galizien und Lodomerien sowie die Bukowina waren seit den Teilungen Polens österreichische Kronländer – sind die Trinkgewohnheiten in den zentralen und östlichen Landesteilen historisch mehr auf Tee ausgerichtet. Damit bestehen dort noch auf lange Sicht gute Expansionschancen – jedenfalls nach Ansicht der meisten Experten der Kaffeebranche.

Insgesamt ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee in der Ukraine trotz der starken Marktexpansion der letzten Jahre im europäischen Vergleich immer noch sehr niedrig. Er stieg (nach unterschiedlichen Schätzungen) von 800 Gramm in 2004 auf 1.000 bis 1.400 Gramm in 2008. Als Hauptgrund für das Verbrauchswachstum gelten die erheblichen Realeinkommenssteigerungen, die seit 2000 zu beobachten waren und bis Mitte/Ende des dritten Quartals 2008 anhielten.

Kaffeekonsum sollte deutlich zunehmen

Die Angaben über den Verbrauch variieren stark, weil es hohe Dunkelziffern von geschmuggelter beziehungsweise «grau» importierter (vom Zoll abgefertigter falsch deklarierter) Ware gibt. In Anbetracht des Umstands, dass in einigen westeuropäischen Ländern sechs Kilogramm pro Kopf und Jahr erreicht werden, erscheint das Markt-Potenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft. Der Kaffeekonsum in der Ukraine dürfte mittel- und langfristig Hand in Hand mit dem weiteren Anstieg der Zahl von Cafes, Coffee Shops und Espressobars im Lande deutlich zunehmen.

In Kiew hat sich die Zahl der schwerpunktmäßig Kaffee und Kaffeespezialitäten anbietenden gastronomischen Einrichtungen von 18 (2004) auf 98 (2008) erhöht. Führende lokale Kaffeehausketten sind (in alphabetischer Reihenfolge)
Chaikof – chaikof.com.ua,
Coffee House – coffeehouse.ua,
Coffee Time, Coffta – coffta.com,
Double Coffee – doublecoffee.com.ua,
Gloria Jean?´s Coffees, Kafka, Repriza – repriza.com,
Shokoladnitsa – shoko.com.ua,
Vidensky Bulochky «Wiener Semmeln» – kolos-ltd.com.ua,
Wolkonsky und Zoloty Dukat – freshcoffee.com.ua.

Nach Darstellung von Olha Nasonova, Direktorin der Firma Restaurant Consulting (Kiew), wuchsen die Umsätze der kaffeegastronomischen Einrichtungen in der Hauptstadt zuletzt um nominal 32 Prozent (2007) beziehungsweise um 21 Prozent (2008) gegenüber dem Vorjahr. Die Produkt- und Service-Qualität seien aber insgesamt noch niedrig. Infolge der gegenwärtigen Krise werde das Netz der Kaffeegastronomie im Raum Kiew bis Ende 2009 infolge von Geschäftsaufgaben um zirka zehn Prozent ausgedünnt. Der Trend müsse sich aber über kurz oder lang wieder umkehren.

Der ukrainische Markt für Kaffee in kam im Jahr 2008 auf ein Absatzvolumen von zirka 50.000 Tonnen. Die außerhalb der Schattenwirtschaft getätigten «reguären» Importe von Kaffee (auch geröstet oder entkoffeiniert, Warenposition HS 0901) waren zuletzt von 15.700 Tonnen im Zollwert von 50,1 Millionen USD (2007) auf 18.800 Tonnen im Wert von 72,7 Millionen USD (2008) gestiegen. Aus Deutschland kamen dabei Importe im Wert von 9,2 Millionen USD; das waren 12,6 Prozent der Gesamteinfuhr. Hierbei handelt es sich um Zahlen der ukrainischen amtlichen Zollstatistik.

Absatzvolumen in 2009 offiziell rückläufig

Für 2009 zeichnet sich ein Rückgang des Absatzvolumens ab. Hierbei dürften die starke Verteuerung von Import-Kaffee infolge der Abwertung der Landeswährung Hryvnya (Griwna, UAH) sowie die Einkommenseinbußen infolge der Rezession eine Rolle spielen. Unübersehbar sind wachsende Verbraucher-Präferenzen für billigere Kaffee-Sorten. Es bestehen daher auch kaum mehr Spielräume für Preiserhöhungen.

In den Einzelhandel kommt Kaffee in der Ukraine, gerechnet nach Mengengrößen, zu knapp 40 Prozent als löslicher (Instant-) Kaffee. Mit Abstand folgen Kaffee in ganzen Bohnen oder gemahlen mit zusammen 30 Prozent sowie Kaffee in Mischungen (mit Zucker oder Süßstoffen, mit Sahnepulver und anderem) mit etwas über 25 Prozent, Tendenz zuletzt fallend. Hierbei handelt es sich um Zahlen für das erste Halbjahr 2009, ermittelt von Marktforschern von ACNielsen Ukraine. Das Segment klein portionierten Kaffees in Mischungen leidet seit Einsetzen der Krise relativ stark, weil die Verbrauchernachfrage hier relativ preisempfindlich ist und Spontankäufe eine verhältnismäßig große Rolle spielen.

Am Markt befanden sich Mitte 2009 zehn größere Importeure, vier Hersteller mit eigenen Röstereien sowie 30 Großhändler und in der Distribution tätige Kontraktlogistikfirmen (Quelle).

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