Dienstag, 6. Dezember 2022
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Polen: Nicht alle Produzenten leiden unter der Krise

Warschau / PL. (gtai) Dem rasanten Wachstum der Vorjahre folgte für Polens Lebensmittelbranche ein spürbarer Dämpfer. Doch trifft die Krise offenbar nicht alle Hersteller gleichermaßen. Wesentlich besser als der Branchendurchschnitt behaupten sich Produzenten von Back- und Süßwaren, Bier, Geflügel sowie Raps. Hoffnungen machen sich aufgrund sinkender Getreidepreise auch Nudelhersteller. Die Verarbeiter von Schweinefleisch blicken dagegen einer ungewisseren Zukunft entgegen, berichtet Germany Trade and Invest.

Die Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion ist im Jahr 2008 nach Angaben des polnischen Instituts für Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft (Instytut Ekonomiki Rolnictwa i Gospodarki Zywnosciowej / IERiGZ) real nur um 0,7 Prozent gestiegen. Davor verzeichnete sie Zuwächse zwischen sechs und sieben Prozent, die noch bis in die erste Jahreshälfte 2008 anhielten. Während der Bereich der Nahrungsmittel stagnierte bei nur plus 0,1 Prozent, hat die Getränkeherstellung indes um fünf Prozent zugelegt.

Erste Ergebnisse im laufenden Jahr 2009 deuten zwar auf eine Trendwende hin. Im ersten Quartal 2009 war die Dynamik in der Produktion größer als im Durchschnitt der gesamten Industrie. Die Netto-Umsatzrentabilität des Sektors lag mit 5,8 Prozent sogar höher als im analogen Vorjahreszeitraum. Zur Jahresmitte dürfte sie – unter anderem bedingt durch hohe Rohstoffpreise – schätzungsweise nur noch 1,0 bis 1,5 Prozent betragen.

Für das Gesamtjahr 2009 rechnen Experten aber mit einer Stagnation und für 2010 sogar mit einer Verschlechterung. Zum einen beginnt der private Konsum, eine der Konjunkturtriebfedern der letzten beiden Jahre, zu schwächeln. Die Nachfrage verlagert sich stärker hin zu billigeren Produkten, was den Preiskampf der Hersteller weiter anheizt. Zum anderen rechnen Analysten in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit einer Aufwertung des Zloty, wodurch die Lebensmittel-Exporte leiden könnten. Diese überraschten in den ersten beiden Monaten 2009 mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent, wohingegen die gesamte Ausfuhr Polens um rund ein Viertel schrumpfte.

Im Jahr 2008 sind die Gewinne der Lebensmittel-Hersteller nach IERiGZ-Angaben um fast 40 Prozent auf insgesamt 4,1 Milliarden Zloty (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro; im Jahresmittel 2008 betrug der Gegenwert für einen Euro rund 3,52 Zloty) eingeknickt. Rentabel arbeiteten nur noch 73 Prozent der Unternehmen, im Vorjahr noch 84 Prozent.

Das Konjunkturtief erfasst jedoch längst nicht alle Zweige der Lebensmittelwirtschaft. Produktionsrückgänge gab es vor allem bei Erzeugnissen tierischen Ursprungs (Fleisch, Geflügel, Fisch und Milch), pflanzlichen Produkten (außer Ölen), Spirituosen und Tabakwaren. In diesen Verarbeitungsbereichen ist die Netto-Rentabilität von 3,1 auf 0,7 Prozent zurückgegangen, in den übrigen dagegen nur von 6,25 auf 5,5 Prozent. Die Hersteller von Back-, Süßwaren und Bier konnten sogar wachsende Gewinne vermelden.

Tabelle 1:
Netto-Rentabilität der wichtigsten Lebensmittelindustriezweige (in Prozent)

Zweig 2007 2008
Bier 15,2 13,6
Alkoholfreie Getränke 07,1 07,7
Backwaren 06,1 07,2
Süßwaren 06,0 06,7
Öl 02,1 03,4
Fisch 02,7 01,8
Getreide 05,5 01,7
Fleisch 02,3 01,4
Milch 03,2 00,9
Obst und Gemüse 03,1 00,7
Tabak 03,3 00,4
Geflügel 01,7 -00,1
Spirituosen 07,1 -01,8
Zucker 03,1 -07,5
Quelle: IERiGZ

Die Zukunft der Fleischverarbeitungsbetriebe scheint weiterhin ungewiss. Die ohnehin schon relativ hohen Preise für Lebendvieh werden nach Meinung einiger Fachleute in den nächsten Monaten noch weiter steigen; der Zenit werde erst im dritten Quartal 2009 erreicht.

Dies drückt auf die Margen der Fleischverarbeiter, besonders bei Schweinefleisch. Denn die Schweinebestände im Land an der Weichsel sind niedrig, und der Import wegen des schwachen Außenwerts des Zlotys teuer. Wegen der hohen Preise für Schweinefleisch gehen immer mehr Verbraucher zum Kauf von Geflügelfleisch und teilweise auch Rindfleisch über. Der Geschäftsführer des einheimischen Fleischerzeugers Mispol, Marek Piatkowski, spricht bildhaft vom größten Schweine-Tal, das Polen momentan seit den 1960-er Jahren durchwandert. Betroffen sind hiervon neben Mispol besonders der Fertiggerichte- und Feinkost-Hersteller Pamapol und der Fleisch-Konzern Duda.

Krisenfester auf dem einheimischen Markt zeigt sich der Geflügel-Verarbeiter Indykpol, der selbst Tiere züchtet, um unabhängiger vom Preisgeschehen an den Märkten zu sein. Das Unternehmen rechnet in den nächsten Monaten mit steigenden Preisen für Geflügel.

Trotz relativ schlechter Prognosen sind auch andere Produzenten optimistisch: zum Beispiel Nudelhersteller, da sie mit sinkenden Getreidepreisen nach der Ernte rechnen. Der börsennotierte Nudelhersteller Makarony Polskie, der in den letzten Jahren hohe Summen in neue Produktionskapazitäten sowie in Forschung und Entwicklung investiert hat, rechnet sich daher gute Chancen aus. Ähnliches gilt für Produzenten von Fertiggerichten, für die besonders der Weizenpreis einen wichtigen Indikator bildet.

Die Hersteller von Süßwaren befinden sich in einer noch relativ komfortablen Situation. Abgesehen von Zucker, der sich im ersten Quartal 2009 um über 17 Prozent verteuerte (bei anhaltendem Preisanstieg zur Jahresmitte), sind Roh- und Ausgangsstoffe preislich relativ stabil geblieben.

Außerdem rechnen Raps-Verarbeiter mit einer leichten Verbesserung ihrer Lage. Da Petrochemie-Konzerne mehr Raps-Methyl-Ester nachfragen, beginnen die Preise zu klettern.

Tabelle 2:
Preis-Prognosen für Lebendvieh und Getreide – 2009, quartalsweise (Lebendvieh-Preise in PLN je Kilo, Weizen- und Raps-Preise in PLN je Tonne)

Produkt 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal
Schweine 4,85 bis 5,02 5,42 bis 5,85 4,80 bis 5,28
Kühe 4,76 bis 4,90 4,65 bis 4,98 4,40 bis 4,79
Geflügel 4,02 bis 4,16 4,18 bis 4,52 3,71 bis 4,10
Speiseweizen 540 bis 562 473 bis 507 482 bis 522
Futterweizen 469 bis 484 387 bis 415 486 bis 418
Raps 1.268 bis 1.306 1.268 bis 1.349 1.252 bis 1.332
Quelle: Bank BGZ

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(Institut für Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft – Staatliches Forschungsinstitut

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