Dienstag, 24. Mai 2022
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20180202-UFOP-PRILLEKEN

Produktgeschichte von 1463: Kennen Sie «Prilleken»?

Hamburg. (eb / ufop) In dieser Woche sind wir den «Prilleken» auf der Spur, für die die ufop Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen aus Berlin ein schönes Rezept eingesandt hat. Wie Sie wissen, lässt sich über ein Gebäck schon viel erfahren, geht man der etymologischen Bedeutung nach. Wobei uns der Duden gleich mal in Stich lässt: «Meinten Sie prillen?» Nein, meinen wir nicht und versuchen es mit «Prillken» gleich noch einmal: «Meinten Sie Balken?» Was uns zeigt, dass der Duden zwar gerne neudeutschen Krimskrams in die Rechtschreibung aufnimmt, an anderer Stelle aber gerne vergisst oder sich schlicht nicht kümmert.

Wikipedias Schwarmintelligenz bringt uns zum Glück weiter: «Prilleken» sind demnach Siedegebäcke, die man in gleicher Form wohl auch woanders findet, speziell in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aber «Prilleken» heißen: Der Hefeteig wird sowohl in Kugel- als auch Ringform (dünner als Donuts) in Fett gebacken und anschließend mit Zucker bestreut. Auch Quarkbällchen, sofern im richtigen Fett und am richtigen Ort gesiedet, wären demnach «Prilleken».

Der Begriff «Prillken» oder «Prilleken» ist ein maskulines Substantiv («der Prilleken») und leitet sich ab vom Verb «prülken» – weiß BedeutungOnline.de: Das heißt «Teig kneten und rollen». Der «Prülker» ist demnach eine alte Bezeichnung für den Bäcker. Das Wort «Prilleken» finde erstmals Erwähnung 1463 in der Abrechnung des Ägidienklosters, schließt BedeutungOnline.de seine Ausführungen und lässt uns mit der Frage zurück, ob damit das Aegidienkloster Braunschweig oder das Egidienkloster Nürnberg gemeint ist – beides ehemalige Kloster der Benediktiner.

Wie auch immer: Beim «Prülker» (vermutlich germanischen Ursprungs) kann man durchaus auf den alemannischen «Pfister» schließen, oder? Der geht zurück auf den althochdeutschen Phistur oder Pfistur und leitet sich ab vom lateinischen Pistor. Wobei der Pfister selten allein Bäcker war. Charakteristisch und unterscheidend vom heutigen Bäckerhandwerk ist im Mittelalter das Zunft-übergreifende Element, weiß Wikipedia: Die Pfisterei war demnach oft die Verbindung einer Mühle mit einer Bäckerei. Der Pfister war zudem Getreidehändler und somit zwei Zünften und einer Gilde zugeordnet.

Kurzum: Bevor anno 1463 der «Prülker» seine «Prillken» verkaufsfähig hatte, gab es ordentlich was zu tun und beherrschte der Bäcker seine Erzeugnisse vom Acker bis zum Teller. Die Betrachtung moderner Stichworte wie «Rückverfolgbarkeit» oder «Regionalität» lassen wir mal beiseite und betonen dafür gerne die erstaunlich lange Tradition der «Prilleken» – von der ufop Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen neu in Szene gesetzt als «Prilleken mit Vanille-Joghurtsoße» für vier Portionen (Foto: ufop).


Zutaten für vier Portionen

Für die Prilleken
250 ml Milch
450 g Mehl, Type 405
30 g Hefe, frisch
150 g Zucker
1/2 Zitrone, unbehandelt, Abrieb
40 g Butter, weich
40 ml Rapsöl, kaltgepresst
Prise Salz
500 ml Rapsöl zum Frittieren
Prise Zimt

Für die Vanille-Joghurtsoße
100 ml Sahne
1 Vanilleschote
250 g Vanillejoghurt
1 EL Zucker
Saft von 1/2 Zitrone
 


Rezept zum Herunterladen:
Als JPG-Datei verfügbar – siehe
20180202-UFOP-PRILLEKEN.JPG


Zubereitung

Prilleken: Milch leicht erwärmen. Mehl in eine Schüssel geben, in der Mitte eine Mulde formen. Hefe hineinbröckeln und mit drei EL Milch, 1 TL Zucker und etwas Mehl vom Rand verrühren. Vorteig mit einem Küchentuch bedeckt an einem warmen Ort 15 Minuten gehen lassen.

Übrige Milch, 100 Gramm Zucker, Zitronenschale, weiche Butter, kaltgepresstes Rapsöl und eine Prise Salz hinzufügen und mit den Knethaken des Handrührgerätes zu einem glatten Teig verarbeiten. Teig weitere zwei Minuten kräftig kneten. Schüssel mit einem Küchentuch bedeckten und den Teig an einem warmen Ort 40 Minuten gehen lassen.

Teig kurz durchkneten, zu einer Rolle formen, die Rolle längs halbieren und jeden Strang in 25 Stücke schneiden. Die Stücke zu kleinen Bällchen formen und auf einem Blech, mit einem Küchentuch bedeckt, 20 Minuten gehen lassen.

Rapsöl in einem kleinen Topf mit hohem Rand auf etwa 175° Celsius erhitzen. Die Bällchen portionsweise in heißem Fett schwimmend in etwa zwei bis drei Minuten goldgelb ausbacken, dabei mit einem Holzlöffel öfter wenden. Prilleken herausnehmen, auf Küchenpapier abtropfen lassen. Den restlichen Zucker mit einer Prise Zimt vermischen und die noch heißen Prilleken im Zimtzucker wälzen.

Vanille-Joghurtsoße: Die Sahne kremig-steif schlagen. Die Vanilleschote ausschaben und das Mark mit Joghurt, Sahne und Zucker nach Geschmack glatt rühren. Mit etwas Zitronensaft abschmecken und die Sauße zu den Prilleken servieren.