Sonntag, 28. November 2021
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Reineke Brot: Traditionsbäckerei am Scheideweg

Paderborn. (eb) Die Gründe können vielfältig sein, weshalb eine Bäckerei nach behördlicher Anordnung die Produktion temporär schließen muss. Ebenso vielseitig sind die Gründe, weshalb Verbraucher oft im Unklaren darüber gelassen werden, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel erzeugt werden. Diese Unklarheit sorgt dafür, dass sich Konsumenten «alles» vorstellen können und wohl auch tun. Entsprechend nimmt das Ansehen von Unternehmen und Behörden Schaden. Gesetzeslage hin oder her: Die Mentalität, möglichst jeden Misthaufen unter den Teppich zu kehren, eignet sich nicht, gegenüber Verbrauchern um Vertrauen zu werben oder an Fairness zu appellieren. Im Gegenteil.

Dann diese Meldung: Der Kreis Paderborn habe vor mehreren Tagen die Produktion in einer Großbäckerei vorübergehend stillgelegt. Das berichtet die Neue Westfälische. Zu den Hintergründen wolle die Behörde nichts sagen. Auch das Unternehmen halte sich bedeckt. Radio Hochstift nutzt die Gunst der Stunde für den Hinweis, dass die Bäckerei schon mehrfach gegen Hygiene-Vorschriften verstoßen habe. Demnach zahlte das Unternehmen in den letzten Jahren schon mehr als 100.000 Euro Bußgeld insgesamt.

Welcher Betrieb sollte das sein? Eigene Recherchen führten schnell in die richtige Richtung: Im Juno 2017 hatte nämlich ein Interessent die Chuzpe über fragdenstaat.de von der Kreisverwaltung Paderborn erfahren zu wollen, wie der Name der Großbäckerei lautet, «welche erneut vom OLG Hamm verurteilt wurde.» Die Anfrage stellte der interessierte Bürger am 28. Juni 2017 an das Gesundheitsamt des Kreises. Von dort aus wurde sie weitergeleitet an das zuständige Amt für Veterinärmedizin und Verbraucherschutz des Kreises Paderborn. Endgültig abgeschlossen war die Anfrage am 16. Oktober 2017. Der Bürger oder die Bürgerin hatte zudem um «alle Berichte über Maßnahmen gegenüber der Bäckerei» gebeten. Zwar sind die Dokumente im Internet nicht offen einsehbar, doch ist nachzuvollziehen, dass allein 2015 sechs «Berichte über Maßnahmen gegenüber der Bäckerei» angefertigt wurden. 2017 folgte ein weiterer «Bericht über Maßnahmen gegenüber der Bäckerei». Soviel zum Sachstand auf fragdenstaat.de, der, auch wenn die Dateien nicht offen einsehbar sind, den Kreis der Verdächtigen schon sehr eng eingrenzt.

Gerade dachte der WebBaecker darüber nach, wie konkret er Ross und Reiter nennen darf, als die nächste Meldung eintraf: Wie das Westfalen-Blatt berichtet, wird bei Reineke Brot in Salzkotten seit Mitte September nicht mehr gebacken. Das bestätigten die Geschäftsführer Werner Reineke und Karl Pieper gegenüber der Zeitung. Demnach hat sich das Unternehmen aufgrund umfangreicher erforderlicher baulicher Sanierungsmaßnahmen aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, die Produktion von Backwaren in Salzkotten bis auf Weiteres einzustellen. Der Betrieb befinde sich derzeit in einer Phase der Reorganisation und konzentriere sich auf den Vertrieb von Backwaren – was nicht verwundert, wenn gegen die Traditionsbäckerei von 1889 ein (weiteres …) Verfahren bei der Paderborner Kreisbehörde anhängig ist.

Wie auch immer: Zur Gruppe gehören neben der Reineke-Brot GmbH + Co.KG die Kaiser-Brot GmbH + Co.KG sowie die Reineke Mühlenwerke. Gemessen an der Zurückhaltung, mit der die Regionalpresse über den Vorgang berichtet – und an den Einblicken, die Außenstehende über die Firmen-Website gewinnen können – ist davon auszugehen, dass Reineke Brot, von vielen guten Absichten beseelt, möglicherweise überfordert ist. Hygienemängel – noch dazu in der Pandemie? Werner Reineke und Karl Pieper zogen die richtige Schlussfolgerung. Bleibt abzuwarten, was sie daraus machen (Foto: pixabay.com).