Montag, 28. November 2022
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Rentenerhöhung: Wer rutscht jetzt in die Steuerpflicht?

Neustadt / Weinstraße. (vlh) Am 01. Juli 2022 werden die Renten so stark erhöht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Viele Rentnerinnen und Rentner fragen sich, ob sie dadurch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet werden. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) erklärt, worauf Ruheständler achten sollten.

Rentner/innen sind zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, übersteigt der steuerpflichtige Teil ihrer jährlichen Einnahmen den Grundfreibetrag. Zu diesen jährlichen Einnahmen zählt die gesetzliche Rente, doch zum Beispiel auch Bezüge aus einer Witwen- oder Betriebsrente. Auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gehören dazu.

Grundfreibetrag wurde stärker erhöht als die Rente

Der Grundfreibetrag lag im letzten Kalenderjahr bei 9.744 Euro. Für dieses Jahr wurde er auf 10.347 Euro erhöht, also um 603 Euro oder um 6,19 Prozent (gerundet). Für verheiratete und verpartnerte Paare gilt der doppelte Betrag. Die Rentenerhöhung wird ab dem 01. Juli im Westen 5,35 Prozent und im Osten 6,12 Prozent betragen. Auf das gesamte Jahr 2022 gesehen, handelt es sich um eine Rentenerhöhung von 2,68 Prozent (West) und 3,06 Prozent (Ost). Damit unterschreitet die Erhöhung der Rente rein rechnerisch die Steigerung des Grundfreibetrags.

Der steuerpflichtige Teil der Rente nimmt dagegen weiter zu

Für jeden neuen Rentnerjahrgang steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente, seit dem Jahr 2020 um jährlich einen Prozentpunkt. So bleiben für Ruheständler, die in diesem Jahr in den Ruhestand gehen, nur noch 18 Prozent ihrer Rente steuerfrei – der Rest wird versteuert. Im Jahr 2040 werden alle Renten zu 100 Prozent versteuert. Deshalb müssen in den kommenden Jahren immer mehr Rentner/innen eine Steuererklärung abgeben. Trotz der aktuellen Erhöhung des Grundfreibetrags. Wer also in jüngster Zeit in Rente gegangen ist, für den ist der steuerpflichtige Anteil der Rente höher als für Personen, die früher in Rente gegangen sind – und das zu versteuernde Einkommen liegt bei gleicher Rente höher.

Zahlreiche Ruheständler haben Zusatzeinnahmen

Wie gesagt: Wer mit dem Gesamtbetrag seiner steuerpflichtigen Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegt, muss eine Steuererklärung abgeben. Das betrifft viele Rentner/innen, die neben der gesetzlichen Rente noch weitere Einnahmen haben, zum Beispiel weil sie eine Witwen- oder Betriebsrente erhalten, weil sie zusätzlich zur Rente arbeiten gehen oder weil sie kleine oder größere Mieteinnahmen haben. Dadurch übersteigen ihre steuerpflichtigen Jahreseinkünfte häufig den Grundfreibetrag.

Steuerpflichtig oder nicht? Unter dem Grundfreibetrag oder darüber?

Ob eine Rentnerin oder ein Rentner zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, das hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • wie viel Rente sie oder er erhält,
  • wie hoch der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente und möglicher weiterer Renten ist, die sie oder er erhält,
  • wie hoch mögliche weitere steuerpflichtige Einkünfte sind,
  • ob sie oder er alleinstehend oder verheiratet ist.

VLH-Tipp: Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss nicht automatisch am Ende auch Steuern zahlen. Viele Ruheständler können etliche ihrer Ausgaben geltend machen. Liegt danach das verbleibende Einkommen unter dem Existenzminimum, werden keine Steuern festgesetzt. Ob und welche Kosten Ruheständler absetzen können, um die jährlichen Einkünfte soweit zu reduzieren, dass sie unter dem Grundfreibetrag bleiben, hängt von vielen individuellen Umständen ab. Absetzbar sind zum Beispiel Versicherungsbeiträge, Medikamente, Zahnersatz, Pflegeaufwendungen oder Handwerkerleistungen.

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