Rückblick: Als CMA und ZMP überflüssig wurden

Bremerhaven. (eb) 2009 war ein schwarzes Jahr für das zentrale Marketing von und die zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft in Deutschland. Das Bundesverfassungsgericht kippte das Absatzfondsgesetz und bestätigte damit die Bedenken etlicher Beitragszahler auf der Erzeugerseite. Die wussten mangels Transparenz der ausführenden Organe CMA und ZMP nicht wirklich, in welche Kanäle ihre (Zwangs-) Beiträge sickerten und wünschten sich grundsätzlich, neben mehr Nutzen, auch mehr Mitbestimmung. Dass im Zuge des Hinterfragens das Kind mit dem Bade ausgeschüttet würde, war nicht beabsichtigt und ist als Unfall einzustufen.

Am Ende war es die nicht ausreichende Berücksichtigung der Belange der Beitragszahler, die das Absatzfondsgesetz zu Fall brachten. Entgegen mancher Erwartung machte das damalige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das die Rechtsaufsicht über die Gesellschaften führte, unter Leitung von Bundesministerin Ilse Aigner keine Anstalten, CMA und ZMP zu erhalten.

Mit der Insolvenz beider Gesellschaften ging nicht nur viel öffentlich zugängliches Wissen verloren. Weil CMA und ZMP ihr Wissen auch stets aktiv breit gestreut hatten und damit fast immer und überall Erwähnung fanden, waren sowohl Verbraucher als auch Verarbeiter stets gut informiert. Jedenfalls besser, als man das heute, zehn Jahre später, bei allem Getöse in der Breitenwirkung noch voraussetzen kann.

Der Anfang vom Ende eines breiten Verständnisses

Wie auch immer wurde im Zuge der Abwicklung eine Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH aus dem Boden gestampft. Die kassierte nicht nur die vielen umfangreichen CMA- und ZMP-Informationen ein, die mit Steuer- und Beitragsmitteln längst bezahlt waren und öffentlich zugänglich hätten bleiben müssen. Die wollte sich ihre eigenen Pressemitteilungen auch noch bezahlen lassen.

Das war der Anfang vom Ende des bis dato noch breiten Verständnisses für sowie die subjektive Nähe zu Erzeugung und Ernährung. Es war zwar nicht besonders tief, doch in der Breite reichte es aus, um Grundlagenwissen bei den Menschen im Land zu erhalten – egal wo und wie gestreut. Auch der WebBaecker Infodienst und backnetz:eu beugten sich der neuen Praxis nicht – Honorare für Beiträge locker zu machen, mit denen andere ihre Bekanntheit steigern wollten. Zudem ist die Frage, wohin der umfangreiche Fundus verschwunden ist, der öffentlich zugänglich hätten bleiben müssen, bis heute nicht geklärt.

Viele Anstrengungen mit wenig Wirkung

Auch sind WebBaecker Infodienst und backnetz:eu zunehmend davon überzeugt, dass es dem Bewusstsein der Menschen über ihre Ernährung nicht gutgetan hat, CMA und ZMP abzuwickeln. Was 2010 möglicherweise zu Einsparungen führte, hat die bundesdeutsche Gesellschaft, mehrfach potenziert, über das Gesundheitssystem längst wieder ausgegeben. Allerdings lässt sich einschränkend hinzufügen, dass das Schlagwort Prävention vor zehn Jahren noch nicht so ein großes Thema war wie heute.

Andere Organisationen, die sich in der Tradition der abgewickelten Gesellschaften sahen und ihre Arbeit mit teils sehr schönen Konzepten aufnahmen, konnten nie die Aufmerksamkeit einer CMA oder ZMP erzeugen. Zudem haben Verbraucher und Verarbeiter ein feines Gespür dafür, aus welcher Quelle welche Information kommt. Entsteht noch dazu der Eindruck, ein Minister oder eine Ministerin handelten nicht nur gemäß des Gemeinwohls, sondern auch oder gerade für Partikularinteressen, dann braucht man sich über Verdrossenheit und Entfremdung nicht zu wundern. Im europäischen Vergleich fällt Deutschland immer weiter zurück und es bedarf heute schon größeren Drucks aus Brüssel, um hierzulande Gemeinwohl-orientierte Politik durchzusetzen. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte … (Foto: pixabay.com).